Sven Hüsken: Papa

papaDer Klappentext klingt vielversprechend: „Fürsorglicher Ehemann, liebevoller Vater, psychopathischer Killer!“

Vor zwei Jahren wurde Thomas Ried zum Entsetzen seiner ahnungslosen Frau wegen mehrfachen Mordes verhaftet. Jetzt ist er aus der Psychiatrie entkommen. Wenig später taucht eine erste Leiche auf, kunstvoll drapiert, so wie seine Opfer zuvor. Doch diesmal spielt der Serienkiller ein perfides Spiel mit der Polizei und seiner Familie: Bei jeder Leiche finden sich mysteriöse Hinweise. Als Rieds Tochter Lillian verschwindet, bleibt am Tatort ein Polaroidfoto zurück. Darauf zu sehen: ein Schaf und ein Wolf.
Gleich zu Beginn blickt der Leser in die bestialisch kranke Welt des Psychopathen ThomasRied. Die Figur wird nach allen Seiten gedreht, von der Vergangenheit bis zu dem Punkt, der Tommi zu dem Monster werden ließ. Aber so umfangreich, wie dieser Einblick in „Papa“ ist, so sehr leiden die anderen Protagonisten dieses Krimis. Es wimmelt nur so von unfähigen und nicht motivierten Polizisten,
Ganz besonders trifft das Lillian. Hier hätte sich der Leser gewünscht, herauszufinden, wie Lillian ums nackte Überleben kämpft und wie sich der Stress anfühlt, permanent am Rande des Wahsinns zu stehen, weil das Leben jederzeit enden könnte.
Mein Fazit: „Papa“ entschädigt erst gegen Ende, bleibt aber dem Leser immer schuldig, die anderen Protagonisten zu präsentieren. Gewaltorgie allein macht hier einfach noch keinen gelungenen Roman aus. Sven Hüsken hätte gut daran getan, seine Protagonisten nachvollziehbar handeln zu lassen. So ist der ganze Roman leider nur ein psychologisches Abbild von Thomas Ried. Schade, denn wie Sven Hüsken die Geschichte erzählt ist frischer, als was wir sonst im Romandschungel zu lesen bekommen.

Sven Hüsken: Papa.
Knaur, August 2015.
384 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Ralf Seybold.

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