Rhiannon Navin: Alles still auf einmal

Zachs Klasse ist in hellem Aufruhr. Die Lehrerin hat sie angewiesen, sich alle leise im Wandschrank zu verstecken. Dort kauern sie nun, als die Schüsse zu hören sind. Peng. Peng. Peng. Immer wieder. Keines der kleinen Kinder traut sich, auch nur einen Laut von sich zu geben. Und dann ist alles vorbei. Niemand von ihnen ist verletzt. Zach findet im Tumult seine Mutter und ist glücklich. Doch das bleibt nicht lange so. Schnell wird klar, dass sein größerer Bruder Andy zu den Opfern des Attentats gehört. Super, denkt sich Zach, dann kann er mich endlich nicht mehr ärgern. Doch was es wirklich heißt, dass Andy tot ist, wird ihm erst nach und nach bewusst.

Rhiannon Navins Roman geht von der ersten Zeile an mitten unter die Haut. Es beginnt mit der Versteck-Situation im Klassenzimmer. Dem ungewissen Bangen, was dort draußen los sein könnte. Man hört im Halbdunkeln nur Geräusche. Geräusche, die nicht sonderlich gut klingen, vor allem aus Sicht eines Erwachsenen nicht. Nach und nach entfaltet sich dann eine Familiengeschichte rund um Andy, Zach, die Mutter und den Vater. Durch den Tod des einen Sohnes sind alle aus der Bahn geraten und ihr Leben auf den Kopf gestellt. Man muss sich erstmal mit der neuen Situation zurechtfinden. Aber wie soll man weiterleben, wenn das eigene Kind nicht mehr lebt und durch so eine Ungerechtigkeit gestorben ist?

Einfühlsam führt Navin, geborene Bremerin, die mittlerweile in New York international tätig ist, durch diese Geschichte. Erzählt wird sie ausschließlich durch die Augen des 6-jährigen Zachs. Der freut sich natürlich erstmal, dass er den Schikanen seines älteren Bruders nicht mehr ausgesetzt ist. Erst nach und nach versteht er, was es heißt, wenn jemand tot ist. Dass man diese Person nie wieder trifft, ihr nie mehr etwas von Angesicht zu Angesicht sagen oder sie etwas fragen kann. Gerade die Perspektive macht den Roman zu etwas ganz Besonderem.

Unbedingt lesen! Eins der Highlights dieses Jahres!

Rhiannon Navin: Alles still auf einmal.
dtv, April 2019.
384 Seiten, Taschenbuch, 15,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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