Reiner Strunk: Der Dolch des Patriarchen

Es ist bereits der zweite Kirchenkrimi, den Reiner Strunk veröffentlicht. Der 1941 geborene promovierte Theologe schafft es, eine gesellschaftspolitisch relevante Situation in Form einer fiktionalen Kriminalgeschichte zu präsentieren.

Unvermittelt stürzt dem Protagonisten der Geschichte, dem Gemeindepfarrer Beermann, ein Kommilitone aus alten Tagen vor die Füße. Der Dolch, der in dessen Rücken steckt, macht dem Pfarrer schlagartig klar, dass er zum zweiten Mal als Ermittler gefordert ist. Erst einige Tage zuvor hatte das Opfer, Thomas Wackernagel, am Rande eines Promotionstreffens dem Pfarrer einen Besuch angekündigt. Eine Kontaktaufnahme, die tödlich endet. Schnell gerät der Pfarrer in den Bann einer Geschichte, deren Tragweite er zunächst nicht erkennt.

Was wollte Wackernagel von Beermann? Ihr Kontakt beschränkte sich bisher auf die jährlichen Treffen. Auch wenn Beermann seinem Studienkollegen vor langer Zeit einmal das Leben gerettet hatte, waren sie keine Freunde geworden. Aber damals, unter dem Eindruck akuter Lebensgefahr durch Ertrinken, hatte Thomas Wackernagel seinem Retter das Versprechen abgenommen, ihm auch zukünftig zu helfen, wenn dies nötig sei. Doch einlösen konnte Beermann sein Versprechen nicht mehr. Doch welches Wort versuchte Wackernagel mit letzter Kraft herauszubringen? „Absolution“? Der Pfarrer war sich nicht sicher.

Viele Fragen gehen Beermann durch den Kopf und lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Fragen, die er mit Hauptkommissar und seiner Assistentin erörtert. Bald begreift er, dass er es mit verschiedenen religiösen und multikulturellen Strömungen zu tun bekommt. Und dies vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um Migration und Integration.

Warum ein antiker Dolch als Tatwaffe? Welche Rolle spielte Religion im Leben Wackernagels? Pfarrer Beermann weiss, dass er sich diesen Fragen stellen muss, um dem Täter auf die Spur zu kommen.

Reiner Strunk hat sich der nicht ganz leichten Aufgabe gestellt, eine fiktive Geschichte in eine aktuelle gesellschaftliche Diskussion hineinzuschreiben. Es gelingt ihm, einen Spannungsbogen aufzubauen, dem es dem Leser schwermacht, die Lektüre zu unterbrechen. Angesichts der komplexen Themen des interreligiösen Dialogs kommt der Autor ohne informative und erklärende Textpassagen nicht aus. Auch wenn diese in Gesprächsform dargebracht werden, gestalten sie sich als anspruchsvoll und sprachlich etwas holprig. Dabei verleihen die oft gegensätzlichen Sichtweisen von Polizist und Pfarrer dem Plott eine interessante Nuance. Erfrischend wirkt Beermanns Ehefrau Bettina, die ihren gesunden Menschenverstand einsetzt und den Pfarrer immer wieder auf den Boden der Realität zurückholt. Dazu gehört die Einsicht, dass es auf die Frage von Schuld und Versöhnung keine einfachen Antworten gibt.

Für mich legt Reiner Strunk wieder einen spannenden Kirchenkrimi vor, der nicht kirchlich ist, aber christliche Werte von Offenheit, Freiheit und Toleranz würdigt. Eine Mischung, die unser kulturelles Miteinander dringend braucht!

Reiner Strunk: Der Dolch des Patriarchen.
Neukirchner Aussaat, Januar 2017.
188 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Martin Simon.

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