Mike Brooks: Keiko 01: Dark Run

Tja, es ist schon eine Krux. Da hat man sich als ehrbarer Raumpirat in Diensten des Europäischen Commonwealth einen Leumund erarbeitet, dann lässt der Führungsminister mir nichts, dir nichts ein paar Millionen verschwinden, wir vom Haus und Hof gejagt, und man selbst ist seinen Job gleich mit los. Also flugs die Identität gewechselt, von den einstigen Prisen ein Transport-Raumschiff gekauft und fürderhin einen auf ehrlich machen. Transportunternehmer statt Pirat, nun, so ganz funktioniert das für Ichabod Drift, der Kapitän der Keiko nicht, so dass er und seine bunt zusammengewürfelte Crew sich mehr und mehr auf Dark Runs, deutlicher gesagt, Schmuggel verlegen.

Dann bekommt Drift ein Angebot, das er nicht ablehnen kann – Zweihunderttausend, damit könnte man sich zur Ruhe setzen, alle Schulden bezahlen und die Keiko generalüberholen. Da können die Alarmsirenen noch so losheulen, zumal ausgerechnet der geschasste Minister hinter dem Angebot steht, das Geld winkt und scheint leicht verdient zu sein. Zumal Drift auch noch, quasi als zusätzliche Motivation, erpresst wird. Nimmt er den Auftrag vier Paletten auf die Erde, genauer nach Amsterdam zu bringen nicht an, lüftet der Ex-Minister das Geheimnis um Drifts unrühmliche Vergangenheit.

Es kommt, wie es kommen muss. Die Fracht entpuppt sich mehr als gefährlich, die Sicherheitsorgane der ganzen Erde machen Jagd auf die Keiko. Drift ist angepisst – und weiss eines – und wenn es auch das Letzte ist, was er macht, er wird den Auftraggeber zur Rechenschaft ziehen, koste es, was es wolle .

Knaur hat sich, seitdem man auf die Bühne der phantastischen Literatur zurückgekehrt ist, als Verlag für Fantasy einen Namen gemacht. Hier erschienen tolle Reihen und Romane, mit einige dieser erklomm man gar die Bestsellerlisten. Die wenigen Ausflüge in den Bereich der Science Fiction blieben demgegenüber eher unbemerkt. Dies wird sich mit vorliegendem Zweiteiler (zumindest sind in England bislang nur zwei Romane erschienen) ändern.

Inhaltlich wird der Leser ein klein wenig an die viel zu früh abgesetzte TV-Serie Firefly erinnert. Das Figurenkabinett, das in die Jahre gekommene Raumschiff, die so manches Mal zwielichtigen Geschäfte der Crew – das ist alles Welten von oft steril wirkenden Ambiente von Star Trek, der Orville ja selbst von Star Wars meilenweit entfernt. Hier geht es eher in die Niederungen der Gesellschaft, agiert man am Rande der Legalität – oder auch außerhalb – und steht das rasant und actionreiche Abenteuer im Zentrum des Geschehens. Der Autor lässt en passent ein wenig über die sehr interessant erscheinende politisch-gesellschaftliche Struktur seiner Schöpfung einfließen, allerdings nur so viel, respektive wenig, wie es zum Verständnis der Motivation der zwielichtigen Figuren braucht.

Die bunte Mischung der Crew (ein Holländischer Söldner, eine junge Hackerin aus guten Hause, ein chinesischstämmiges, ständig streitendes Bruder- und Schwesterduo die den Maschinenraum und den Pilotensitz besetzen, eine ehemalige Geheimdienstagentin und ein riesenhafter Maori-Schläger stehen unserem Ex-Piraten zur Seite) sorgt zunächst für gewissen deja-vu Effekte, entpuppt sich dann aber als durchaus eigenständig. Die Charaktere haben ihre Ecken und Kanten, offenbaren immer neue Facetten. Dass sie letztlich Schmuggler sind (Dark Runs nennt man ihre Fahrten) trübt den Lesegenuss nicht im Mindesten.

Der Plot läuft ebenso abwechslungs- wie temporeich ab, man folgt dem Geschehen gerne und fiebert mit den Figuren mit. Das hat wenig mit der Realität zu tun, aber unbestritten hohen Unterhaltungswert, so dass der Leser das Buch befriedigt zuschlägt und auf eine ebenso packende Fortsetzung hofft.

Mike Brooks: Keiko 01: Dark Run.
Knaur, Mai 2018.
432 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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Ein Kommentar zu “Mike Brooks: Keiko 01: Dark Run

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