Michael Nast: #Egoland

Der Klappentext klingt superspannend. Auch die Idee ist an sich gut: Schriftsteller mit offensichtlicher Schreibblockade sucht sich Anschauungsmaterial in der Realität und hetzt ein Paar in der Krise noch gegeneinander auf, um dann darüber zu Schreiben. Die Umsetzung fand ich allerdings eher mäßig. Zum ersten fand ich den Kniff zu behaupten, es handele sich um reale Ereignisse eher nervig, sollte es Andreas Landsberger wirklich gegeben haben, hat er es als Schriftsteller zumindest nicht ins Internet geschafft und außerdem könnte man beim sonstigen Aufbau des Buches über die Einstufung als „Roman“ diskutieren. Somit blieb mir der Sinn der Realitätsbehauptung verschlossen.

Und nein, es ist kein gelungenes Spiel mit dem Leser. Wir haben also einen fiktiven Schriftsteller, der Menschen gegeneinander aufhetzt. Das böte jetzt Stoff für einen tollen Thriller, der mit der Realität des betroffenen Paares spielt. Und einen tollen Protagonisten, der durch und durch böse oder zumindest sozial gestört ist. Das ist Andreas Landsberger zwar vielleicht, aber der Autor geht viel zu wenig darauf ein. So wie er beschrieben ist, ist er nicht mehr als ein armer Tropf, der sich umgebracht hat, als das Leben sich anders entwickelte, als er das wollte. Also ein Autor, der daran zerbricht, dass die Realität nicht ist wie seine Romane? Auch das wäre vom Autor in diesem Fall nicht wirklich ausgearbeitet. Will Michael Nast uns warnen, was man mit modernen Kommunikationsmitteln anrichten kann? Sorry, zu spät. Kettenbriefe sind längst im Umlauf und den Partner über sein Telefon zu stalken ist ja auch nicht ganz neu, ebenso wenig wie SMS in andererleuts Namen zu schicken. Richtig spannend fand ich das Buch auch nicht, also nix für mich.

Michael Nast: #Egoland.
Edel Books, April 2018.
432 Seiten, Taschenbuch, 17,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Regina Lindemann.

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