Maya Montayne: Die gefälschte Magie 01: Nocturna – Das Spiel des Fuchses

Drei Monate war Prinz Alfie aus San Cristóbal, der Hauptstadt Castellans verschwunden. Niemand ahnte, wo er abgeblieben war. Nachdem sein Bruder, der ältere Kronprinz durch einen Meuchelmörder mittels Magie entführt und vermeintlich getötet worden war, ruht die Hoffnung eines ganzes Landes auf den Schultern eines jungen Mannes, den nur eines umtreibt. Wie kann er seinen verschwundenen Bruder wiederfinden und retten.

Nach einem Vierteljahr der verzweifelten Suche muss Alfie einsehen, dass seine Mission gescheitert, dass er sich in die so ungewollte Rolle als künftiger Monarch fügen muss. Einen winzigen Hoffnungsschimmer hat er noch – dass er in den verbotenen Zauberbüchern der englassischen Eroberer doch noch einen Zauber findet, mit dem er die Spur seines Bruders aufnehmen kann.

Doch schon an die Bücher heranzukommen erweist sich als schwierig. Von einem undurchsichtigen Verbrecherkönig in einem Glücksspiel ausgelobt muss Alfie an selbigem, natürlich inkognito, teilnehmen und gewinnen. Dass ihm dabei eine junge Diebin, deren Magie es ihr ermöglich, das Aussehen eines jeglichen Menschen anzunehmen in die Quere kommt, erweist sich als schicksalshaft. Als er seinen Vetter vor einer eigentlich ihm geltenden tödlichen Vergiftung retten will, steht ihm die Gesichtsdiebin zur Seite. Nur indem er eine uralte, eingekerkerte Magie freilässt, gelingt es ihm seinen Pflegebruder das Leben zu retten. Nun aber muss er schauen, dass er die Magie, deren Kerker er gesprengt hat, wieder einfängt, sonst droht seiner Heimat der Untergang …

Urban Hofstetter war lange Jahre der Mitherausgeber der Fantasy-Edition von Blanvalet / Penhaligon. Nachdem er sich vor einiger Zeit als Übersetzer selbstständig gemacht hat, taucht sein Name immer öfter in dem Impressum zumeist voluminöser Fantasy-Titel auf. Dank seines Fachwissens kann er sich in aller Regel interessante Titel zum Übertragen ins Deutsche heraussuchen.

Vorliegend hat er sich einmal mehr den Auftaktroman einer High-Fantasy-Reihe vorgenommen, den der Verlag uns als „lateinamerikanisches angehauchtes Setting“ anpreist. Lassen wir die in den Text eingestreuten spanischen Ausdrücke einmal außen vor, so bleibt dieses Lateinamerikanische allerdings eher im Hintergrund. Von der Anlage her erwartet uns dabei dann eine Welt, die wirklich etwas anders daherkommt, als bekannt. Das Reich wurde vor einigen Generationen von den engalassischen Eroberern besetzt, die den Menschen nicht nur ihre Sprache, sondern auch ihre Magie stahlen. Erst ein Aufstand führte wieder zur Unabhängigkeit – just steht ein Friedensvertrag zur Ratifizierung an.

Ungewohnt ist bei Motayne insbesondere die Ausgestaltung der Magie. Ein Jeder verfügt über elementare Magie, die instinktgesteuert wird. Darüber hinaus haben einige Wenige das so genannte „Propio“ – besondere Gaben, die man schulen und weiterentwickeln kann. Natürlich hat unser erzählerisches Duo Propio im Überfluss. Die beiden jeweils alternierend erzählenden Protagonisten – hier der Prinz, dort die Gesichtsdiebin – ergänzen sich gut. Der Kronprinz wirkt allerdings oft unsicher und in seinen Entscheidungen sprunghaft, hier bietet sich die Diebin, die im Leben nie etwas geschenkt bekommen hat, weit erwachsener und abgeklärter an. Nach gut der Hälfte des Romans aber nimmt das Tempo deutlich ab, sucht die Autorin oftmals leichte Wege, ihre Handlung voranzubringen und nutzt so manches Mal den Zufall ein wenig zu häufig. „Show, don´t tell“ heißt es da so schön – ein Motto, das die Verfasserin ein wenig mehr hätte beherzigen können.

So bleibt ein ambivalenter Eindruck. Einem gelungenen, spannenden Auftakt mit einer ganz eigenen Magie folgt ein etwas enttäuschender Mittelteil bevor es im Finale wieder dramatischer und packender zugeht.

Maya Montayne: Die gefälschte Magie 01: Nocturna – Das Spiel des Fuchses.
Blanvalet, Dezember 2020.
512 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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