Matthias Politycki: Das kann uns keiner nehmen

Es ist die Story eines Tagebuches. Oder auch ein Roman über eine Reise. Aber ich bin mir nicht wirklich sicher, ob das ein Roman ist. Ich bleibe mal bei „Reisetagebuch“. Die Geschichte fängt mit einem mühsamen Aufstieg zum Kilimandscharo an und Hans, unser Ich Erzähler, bzw. Chronist dieser Reise, trifft, anstatt Ruhe und überwältigende Gefühle am Gipfel, bzw. am Krater des „Kibu“ zu finden, eine Gestalt namens Tscharli, der ihm anfangs seine Nerven raubt. Mit seiner bayerischen Respektlosigkeit und Arroganz, mit schrägen bis (vermeintlich) rassistischen Ansichten über Land und Leute, bringt er den Hansi (Hans ist unser Globetrotter und Reiseschriftsteller) zur Weißglut.

Allerdings fällt dem Hansi relativ fix auf, dass dieser Tscharli in „Afrika“ bzw. in dieser Gegend eine Berühmtheit ist und die Guides eben diesen Tscharli als familienzugehörig betrachten und sogar verehren. Nun passiert es, dass ein Schneesturm über den Berg fegt und es tatsächlich äußerst schwierig ist, anschließend wieder herunterzukommen. Zumal Tscharli, mal vorsichtig gesagt, Blut und Wasser scheißt, also – echt krank aussieht und auch ist.

Irgendwie findet König Tscharlie doch Gefallen an Hansi und es beginnt eine absurde, überdrehte oder komische Reise durch  Tansania und über die Insel Sansibar. Die Krankheit von Tscharli schreitet fort und es wird langsam Zeit, dass sich Tscharli und Hans näher kommen und sich die Dramen ihres Lebens gegenseitig erzählen. Und da ist verdammt viel gelaufen: Hans hat ein afrikanisches Trauma zu überwinden, welches 25 Jahre zurück liegt und Tscharli weiß, dass sein letztes Stündlein bald schlägt und hat Hans zu seinem Todesengel erkoren. Eine intensive Story, die, je länger man dabei bleibt, immer mehr fesselt. Ich mag Politicky seit seinem Kreuzfahrttagebuch „In 80 Tagen um die Welt“. Auch hier liegt über allem eine Tragikomik, wie ich sie in diesem Afrikaroman wieder gefunden habe.

Matthias Politycki: Das kann uns keiner nehmen.
Hoffmann & Campe, März 2020.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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