Matthew Reilly: Die sieben tödlichen Wunder

Drei Gruppen machen sich auf die Jagd nach der seit mehr als 2000 Jahren verschollenen kleinen goldenen Pyramide, die einst die Cheopspyramide oben abgeschlossen hat. Nur diese verheißt Rettung vor der periodisch, alle rund 15000 Jahre drohenden Flutkatastrophe, wenn die Sonne ihre heißeste Seite, den Tartarus Fleck, der Erde zuwendet. Der Staat, der seine Heimaterde innerhalb der Pyramide den Strahlen aussetzt, wird die Welt die nächsten 1000 Jahre beherrschen, so zumindest weissagen es die Orakel.

So machen sich drei Expeditionen auf die Suche nach den in den antiken Weltwundern verborgenen Teilen. Die Queste, die der Autor seinen Helden auferlegt, zwingt diese dazu, in einer Woche die verschollenen Stücke des Schließsteins aufzufinden, und diese pünktlich auf der Cheopspyramide zu montieren.

Auf der Jagd nach dem Schatz gehen die Parteien mit beispielloser Brutalität zu Werke. Sieben kleine Nationen finden sich zusammen, die Erde zu retten. Ihnen gegenüber stehen die machtbesessenen US-Amerikaner sowie die gemeinsam von Italien, dem Vatikan, Frankreich und Deutschland ausgesandte EU-Truppe. Doch zunächst gilt es die aktuellen Verstecke der Überbleibsel aufzuspüren, sind doch bekanntermaßen sechs der sieben Weltwunder seit Jahrhunderten vernichtet …

2006 unter dem Titel „Das Tartarus-Orakel“ bei uns erstveröffentlicht, legt der Festa Verlag mit diesem Band eine Neuübersetzung und gleichzeitig den Auftakt der Tetralogie um die Abenteuer Jack Wests vor. Der vierte Band „The Four legendary Kingdoms“ erscheint dann als Deutsche Erstveröffentlichung. Dies vorausgeschickt, zum Auftakt der Reihe.

Matt Reilly wechselte in seinem wichtigsten Buchmarkt, den USA, mit diesem Roman den Verlag. Insofern hat es mich doch etwas verwundert, dass Reilly diesmal die aufrechten Kämpfer für Recht und Ordnung im Auftrag der damals noch politisch Ton angebenden Bushs als die Bösen portraitiert. Doch als Australier hat er in seinen Romanen schon seit jeher glücklicherweise eine etwas andere Sichtweise auf Gottes bevorzugte Nation präsentiert.

Matt Reilly ist als der Action-Thriller Autor schlechthin bekannt. Die Konkurrenz, seien es Clive Cussler, James Rollins (Sigma Force) oder Alex Lukeman (Project), um nur ein paar zu nennen, können am Thron Reillys, was den phantastisch angehauchten, packenden Action-Knaller anbelangt, nicht rütteln. Anzumerken ist zunächst, dass „Die sieben tödlichen Wunder“ der schwächste der zusammenhängenden Romane um Jack West ist. Die Neuübertragung vom kundigen Michael Krug hat hier doch einige der Missstände der damaligen Übersetzung ausgebügelt, allerdings bemüht sich Reilly vorliegend seine weitere Handlung auf ein solides Gerüst zu stellen. Das bedeutet, dass er sich, ganz untypisch für ihn, ein wenig Zeit nimmt, uns Hintergründe und Figuren vorzustellen.

Die phantastische Handlung selbst ist geschickt konstruiert, der so markante und atemberaubende Drive fehlt allerdings ein klein wenig. Dies soll ausdrücklich nicht heißen, dass den Leser nicht ein rasant aufgezogenes Leseerlebnis erwarten würde. Selbst mit angezogener Handbremse schreibt Reilly noch besser, faszinierender als alle seiner Nachahmer und Kollegen. Zwar wird gekämpft, aber lange nicht so intensiv, so atemberaubend und mitreißend wie in früheren Romanen, als ein Highlight das nächste jagte. Stattdessen setzt Reilly auf die Suche nach den antiken Überbleibseln, und mischt eine Vatikanverschwörung a la Dan Brown mit hinein.

Die Erforschung der antiken Fundstätten wird für meinen Geschmack ein wenig zu kurz abgehandelt, lässt keinen Raum für das Gefühl, dass hier Geschichte ge- und erlebt wird. Scheinbar ohne große Mühen finden unsere Helden immer wieder Spuren, entgehen heimtückischsten Fallen, ohne dass beim Leser das Gefühl der Sorge um seine Helden aufkommt.

So ist dies eine höchst willkommene überarbeitete Neuauflage des Auftakts der Jack-West-Abenteuer, die die Basis für eine der besten in sich zusammenhängenden Zyklen Reillys bietet.

Matthew Reilly: Die sieben tödlichen Wunder.
Aus dem Englischen übersetzt von Michael Krug.
Festa Verlag, April 2022.
576 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.