Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

Lennart Malmkvist hat es schon früh in seinem Leben zu etwas gebracht. In einer, was sage ich, der angesehensten Unternehmensberatung Schwedens ist er als Senkrechtstarter angetreten Karriere mit einem ganz großen K zu machen. Das Salair sprudelt mehr als üppig, so dass er sich in einer der angesagtesten Viertel Göteborgs eine Wohnung leisten kann. Da kann ihn auch seine Beziehungs-Allergie kaum stören. Immer dann, wenn er einer Frau emotional zu nahem kommt, zeigt sich ein juckender Ausschlag. Also One-Night-Stands und den Gedanken an Familiengründung einmal ganz weit wegschieben – schließlich macht er ja auch Karriere.

Für sein leibliches Wohl sorgt die alternde Nachbarin Maria Calvino, die, das vermutet er einmal stark, in den im Erdgeschoss residierenden Ladeninhaber Buri Bolmen verliebt ist. Wie Bolmen mit seinem Zauberutensilien-Laden über die Runden kommt, geschweige denn, die horrende Miete erwirtschaftet ist Mennart zwar ein Rätsel, doch das geht ihn ja auch nichts an. Er unterhält sich gerne mit dem alten aber rüstigen Kauz, das ist fast schon mehr als ein gut-nachbarschaftliches Verhältnis.

Eines Tages wird Bolmen ermordet, und Lennart sieht sich plötzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass sein so durchgeplantes Leben den Bach runter geht. Er wird gefeuert, erbt von Buri nicht nur dessen Laden, eigentlich mehr das ganze Haus, muss sich dafür laut Testament aber zumindest ein Jahr lang um dessen fetten Mops kümmern. Ausgerechnet er, der nie ein Haustier, schon gar keinen Hund wollte, auch wenn fette Ratte eher auf Bölthorn – wie kann man einen Hund nur so nennen? – zutrifft, soll sich jetzt um das Vieh kümmern.

Dass der Mops bei Gewitter plötzlich zu reden beginnt, schreibt Lennart zunächst noch dem übermäßigen Genuss von Alkohol oder den angespannten Nerven zu – doch dann muss das Herrchen erfahren, dass es, um mit Shakespeare zu sprechen, weit mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, als gedacht. In sein bislang so geordnetes Leben drängen sich nicht nur der bei Gewittern sprechende Mops, auch die Suche nach dem Mörder seines Nachbarn, nach einer verschwundenen Ex-Kollegin und nach seinem Schicksal halten unsere Filou ganz schön auf Trab …

Lars Simon kennen wir Leser bislang von seinen Schweden-Romanen. Jetzt schickt sich der Autor, der zwischenzeitlich aus Skandinavien nach Deutschland zurückgekehrt ist an, uns einen Krimi ganz eigener Machart zu offerieren. Es gibt Entführungen und Bedrohungen, einen Mord und eine zu Staub verbrannte Leiche, ein magisches Vermächtnis und einen sprechenden Hund – nicht unbedingt Ingredienzien, die man von einem herkömmlichen Krimi erwartet. Dennoch, oder vielleicht eher gerade deshalb, kommt bei der Lektüre das auf, was man als Sog bezeichnet. Der Rezipient wird, nach einem etwas gemächlichen Auftakt, immer tiefer in die Handlung hineingezogen. Was nur steckt hinter den Vorkommnissen, worum geht es überhaupt, wie lösen sich die Rätsel auf – Fragen, die uns die Seiten in rasender Geschwindigkeit umblättern lassen.

Unser etwas tollpatschige Protagonist ist dabei wunderbar gezeichnet. Mit viel Gespür für Nuancen, hintergründigem Humor und den spritzigen Dialogen zeichnet er die Figuren, lässt diese interagieren und erzählt uns mit und über diese seine Handlung. Das ist toll aufgezogen, lässt aber auch noch so manche Fragen offen, so dass wir uns hoffentlich auf eine Fortsetzung freuen können.

Lars Simon: Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen.
dtv, Oktober 2016.
432 Seiten, Taschenbuch, 9,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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