Jennifer L. Armentrout: Unchained

Viel schlimmer als die politischen Verwicklungen, die tagsüber in Washington D.C. stattfinden, sind die Geschehnisse, die sich hier bei Nacht zutragen. Dann herrscht hier ein Kampf zwischen gefallenen Engeln und deren Dämonen und den Nephilim, den Halbengeln, die die Menschheit vor der Bedrohung und den Intrigen beschützen wollen.

Eine der Nephilim ist Lily. Sie ist in einer Welt aufgewachsen, in der alles schwarz und weiß ist: Nephilim gut, gefallene Engel böse. Dieses Weltbild wird jedoch über den Haufen geworfen, als sie Julian kennenlernt. Julian ist ein gefallener Engel und statt sie mit seinen Intrigen auf die dunkle Seite zu locken, rettet er Lily das Leben – gleich mehrere Male. In dem Wissen, wie falsch es eigentlich ist, kommt sie ihm näher und beginnt, alles anzuzweifeln, was ihr in ihrer Ausbildung beigebracht wurde. Denn Julian ist nicht böse. Er ist liebevoll, witzig und lässt ihr Herz schneller schlagen.

Die Verbindung der beiden wird bei den anderen Nephilim aber alles andere als gerne gesehen. In ihrer Gemeinde befindet sich ein Verräter und Lilys immer inniger werdende Beziehung zu einem der erklärten Feinde, wirft kein gutes Licht auf sie. Auf einmal steht sie unter Verdacht, die Nephilim zu verraten und nur die Entlarvung des wahren Verräters kann sie vor der Verbannung retten. Dabei stößt sie vor allem auf eine Frage: Ist Julian es wert, dass sie ihr Leben für ihn riskiert? Oder hat er sie von Anfang an nur ausgenutzt und manipuliert?

„Unchained“ ist das zweite Buch der Autorin, es wurde bereits 2008 verfasst und 2013 im Englischen gedruckt. 2021 erscheint es nun zum ersten Mal auf Deutsch. Für begeisterte Leser von Jennifer L. Armentrout ist es spannend zu sehen, wie sie anfangs schrieb und wie sich Schreibstil und Geschichten bei ihr entwickelt haben. Das Buch richtet sich aber mit seinen teilweise erotischen Inhalten eher an eine etwas ältere Zielgruppe.

Die Geschichte selbst ist zu Anfang ein wenig enttäuschend: Der Leser wird hier ins kalte Wasser geworfen, da die Charaktere sich untereinander schon seit Jahren kennen und die Entwicklung der zwischenmenschlichen Beziehungen nicht nachvollziehbar ist. Gegen Ende steigert sich der Spannungswert aber deutlich und damit auch das Leseerlebnis. Die Enthüllung des wahren Verräters und Julians Hintergrundgeschichte sind fast schon schmerzlich berührend und geben dem Buch ein würdevolles Ende.

Wer die Autorin kennt und liebt, wird auch in „Unchained“ etwas finden, das ihn begeistert, Neuzugänge sind aber mit einem späteren Werk besser beraten.

Jennifer L. Armentrout: Unchained.
Aus dem Englischen übersetzt von Michaela Link.
Piper, April 2021.
432 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Isabella M. Banger.

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