Jean-Philippe Blondel: Die Liebeserklärung

Tatsächlich wieder ein Blondel und leichtfüßig, wie immer bei ihm, kommt sein neues Büchlein daher. Es geht mir bei Blondel so, dass ich mir vorstelle, ein milder Windstoß ließe ein Blatt durch das Küchenfenster hereinwehen, es würde auf meinem Tisch landen und ich halte ein schönes, klug aufgebautes Gedicht in den Händen. Nichts weltbewegendes, doch im Nachhinein genießt man die Zeit, die man mit diesem Gedicht verbracht hat und schaut melancholisch durch das andere Fenster, aus dem das Blättchen, mit einer neuerlichen lyrischen Erfassung des einzig wirklich großen belletristischen Themas, nämlich der Liebe, mit dem Wind wieder verschwunden ist.

Corentin ist mit seinen 27 Jahren ein Prototyp einer unentschlossenen Generation. Eher zufällig, in Ermanglung von Alternativen,  arbeitet er im Fotogeschäft seines Patenonkels, dessen unique selling point es ist, Hochzeiten zu dokumentieren. Halbherzig eher – es ist ja irgendwie auch alles so einfach; auch seine Beziehung läuft  irgendwie so nebenher, obwohl er vornehmlich am Wochenende zu arbeiten hat. Eines Tages fotografiert/filmt er Aline, die ihn gebeten hat, ihren ganzen (schönsten) Tag (des Lebens) vom Aufstehen bis zum Abend zu dokumentieren. Fortan verändert sich sein Bild, bzw. sein Blick auf die Dinge und er arbeitet nun mit der Idee, von möglichst vielen Menschen, ob Hochzeiter, Gäste, Freunde, etc., einen Film zu machen, bzw. ein filmisches Portrait, und zwar müssen alle irgendwas aus ihrem Leben erzählen, Episoden, Existenzfragen, Beziehungen, Liebe, Erlebnisse oder auch Anklagen, egal… alles wird von Corentin aufgezeichnet und zu einem Gesamtbild verarbeitet. Und irgendwann holt ihn das erste Erlebnis mit Aline, die ja die Erste war, die er filmisch begleitet hat, ein.

Ein ruhiges, romantisches Buch. Vorschlag: lassen Sie es sich von Ihrem Partner oder Partnerin Abend kurz vor dem Einschlafen vorlesen. Entweder Sie träumen bald schon, oder hören noch… aber egal, versäumen tun Sie nichts. Es macht ein gutes Gefühl.

Jean-Philippe Blondel: Die Liebeserklärung.
Deuticke, Januar 2017.
160 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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