James Carol: Broken Dolls

doll„… Menschen bewältigen den Alltag mit Hilfe von Routine, von vertrauten Mustern. Fallen sie weg, entsteht Chaos. Alles … war ihr genommen. … Ihre Entführer bestimmten jetzt über jede Einzelheit ihres Lebens. Wann sie schlief, wann sie aß, was sie tat und was sie anhatte. Das, was Rachels Persönlichkeit bis dahin ausgemacht hatte, wurde nach und nach zerstört, bis nur noch eine kaputte Puppe übrig war.“ (S. 222/223)
Jefferson Winter arbeitet für die Polizei als Berater. Er wird immer dann gerufen, wenn Massenmörder beziehungsweise Psychopathen ihr Unwesen treiben. Mit Massenmördern kennt er sich aus. Sein Vater war früher einer von ihnen. Im winterkalten London ist die Polizei am Ende mit ihrer Weisheit. Gerade wurde das vierte Entführungsopfer freigelassen. Eine junge Frau, misshandelt und verstümmelt, wurde wie die früheren Opfer durch eine vom Täter durchgeführte Gehirnoperation zu einem willenlosen für immer stillen Geschöpf. Kurz nach Winters Ankunft verschwindet die fünfte junge Frau. Für die Polizei und Winter beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, den sie nur gewinnen können, wenn der bisher perfekt agierende Täter einen Fehler macht.
Der Schriftsteller James Carol, 1969 in Schottland geboren, hat mit Jefferson Winter einen ganz besonderen Ermittler geschaffen. Hochintelligent wie einst sein Vater beschließt er, seine besonderen Talente für die Ergreifung von Mördern zu nutzen. War er früher FBI-Agent und an Regeln gebunden, nutzt er nun seine Freiheiten als Berater, die er in jeder Hinsicht ausnutzt.
Kurze Kapitel und Perspektivwechsel zwischen dem Ich-Erzähler Jefferson Winter und dem fünften Opfer sorgen für eine kurzweilige und zugleich spannende Lektüre. Der Autor verzichtet auf bluttriefende Beschreibungen, stattdessen wartet er mit Hintergrundwissen über die Arbeit eines Profilers auf. Auch wenn die Zutatenliste eines Thrillers mitsamt den typischen Beteiligten nicht neu erfunden worden ist, gewinnt er durch Jefferson Winter, der möglicherweise selbst in die Rolle eines „legitimierten“ Massenmörders rutscht, eine noch nicht abgenutzte Facette.
Überschrift und Ende weisen auf weitere Folgen des Profilers hin.

James Carol: Broken Dolls.
dtv, November 2014.
384 Seiten, Taschenbuch, 9,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.