Harry Gmür: Liebe und Tod in Leipzig

Mit diesem Buch könnte man es sich leicht machen und sagen: Es handelt sich um das 90 Jahre alte vollkommen unreife Geschreibsel eines 21-jährigen Jungspunds – verfasst in einer gestelzten Sprache, die vermutlich schon damals unmodern war. Mit einem Wort: Furchtbar!

Die Protagonisten fallen von einem Liebesrausch in den nächsten, und am Ende sind fast alle auf dramatischste Weise ums Leben gekommen. Es gibt Liebesschwüre noch und nöcher, Väter, die ihre Töchter lebenslang verstoßen, und düstere Brüder, die nichts als Rache für die Schmach an der Schwester im Sinn haben. Das alles läuft vollkommen humorlos ab.

Was einen dennoch daran hindert, das Buch nach ein paar Seiten in die Ecke zu pfeffern, ist ein eigentümlicher nostalgischer und völlig anachronistischer Charme, der von ihm ausgeht. Man atmet die Atmosphäre einer untergegangenen Zeit und kann sich in gewisser Weise sogar daran ergötzen. Aber reicht diese Lesehaltung, um diesen Roman zu retten? Nein.

Kurz zum Inhalt: Rudolf verliebt sich in Agnes. Ihre Eltern und ihr Bruder sind gegen die Verbindung. Darauf entführt Rudolf Agnes, flieht mit ihr nach Leipzig und schwängert sie. Doch schon bald mag er die schöne Esther lieber, und Agnes ist die Gelackmeierte. Das Drama nimmt seinen Lauf …

Mario Gmür hat dieses Frühwerk seines Vaters Harry jetzt erstmals herausgebracht.

Harry Gmür: Liebe und Tod in Leipzig.
Europa Verlag, Dezember 2016.
250 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

 

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