Hannah Tinti: Die zwölf Leben des Samuel Hawley

Mit Loos zwölftem Lebensjahr beginnen grundlegende Veränderungen. Sie und ihr Vater Samuel werden sesshaft. Das neue Zuhause ist die kleine Küstenstadt Olympus, der Geburtsort ihrer verstorbenen Mutter, in dem ihre Großmutter noch immer wohnt. Zum ersten Mal spürt Loo, was es heißt, trotz des festen Wohnsitzes eine Fremde und verhasste Außenseiterin zu sein. Aus irgendeinem Grund will sogar ihre Großmutter nichts mit ihnen zu tun haben. Ihr Vater Samuel und sie werden angefeindet, bestohlen oder belächelt. Und weil ihre Klassenkameraden einfach nicht mit ihren Angriffen aufhören wollen, besorgt sich Loo Schuhe mit Stahlkappen. Jeder Tritt soll Schmerzen bereiten. Ein gebrochener Finger verschafft ihr endlich Ruhe. Bei ihrem Vater Samuel dauert es länger.

Im Laufe der Jahre begreift Loo, dass sie in Olympus immer die Außenseiter bleiben werden. Sie sind einfach zu speziell. Vor allen Dingen ihr Vater! Kein anderer hat so viele Narben und Waffen oder beendet so effizient Konflikte.

Eines Tages taucht Samuels alter Kumpel auf, und das scheinbar normale Leben gerät erneut in Gefahr.

Hannah Tinti studierte in New York Literatur. Für all ihre Werke erhielt sie Preise.

Es gibt Bücher, die einen Leser dermaßen intensiv in fremde Welten eintauchen lassen, dass nach dem letzten Satz, dem erzwungenen Auftauchen, Glücksgefühle und Bedauern Hand in Hand gehen. Hannah Tintis wunderbarer Roman ist hierfür ein Paradebeispiel. Er zeigt glaubwürdige Figuren, die so lebendig wirken, als wären sie richtig gute Freunde. Aus den gelungenen Charakterzeichnungen heraus entwickeln sich ganz natürlich Verwicklungen und Spannung.

Selten wurde eine Vater-Tochter-Beziehung so interessant verpackt wie in der Lebensgeschichte des Auftragsganoven Samuel Hawley, der seine Rolle als alleinerziehender Vater sehr ernst nimmt. Sein Balanceakt zwischen tödlichen Gefahren und dem Wunsch, Loo beim Erwachsenwerden zu begleiten, berührt und schenkt pures Lesevergnügen.

Hannah Tinti: Die zwölf Leben des Samuel Hawley.
Kein & Aber, September 2018.
576 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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