Håkan Nesser: Elf Tage in Berlin

Håkan Nesser, 1950 geborener schwedischer Schriftsteller, ist vor allem mit seinen Kriminalromanen um Kommissar van Veeteren weltberühmt geworden. Sein Roman „Elvar dagar i Berlin“ erschien 2015 in Schweden und liegt seit dem 13. Juni 2017 als Taschenbuch bei btb unter dem deutschen Titel „Elf Tage in Berlin“ vor. Es ist die unterhaltsame und liebenswerte Geschichte von Arne Albin Hektor Murberg und seiner Reise nach Berlin.

Aber zunächst zum Inhalt: Torsten Murberg, Arnes Vater, stirbt an einer Krebserkrankung und gesteht seinem Sohn kurz vorher, dass seine Mutter Violetta Dufva nicht gestorben ist. Sie hatte Torsten verlassen, als Arne ein Jahr und sieben Monate alt war, und lebt nun in Berlin. Torstens letzter Wille ist, dass Arne sie in Berlin besuchen und ihr ein kleines, verschlossenes Kästchen überreichen soll.

Arne Murberg ist nach einem Badeunfall in seiner Kindheit gehandicapt und langsam, so dass er vor keiner leichten Aufgabe steht. Mit Hilfe seines Onkels Lennart und seiner Tante Polly bereitet er sich auf die Reise vor und lernt ein wenig Deutsch. In Berlin angekommen, macht Arne sich auf die Suche nach seiner Mutter. Dabei lernt er die Stadt kennen und muss einige Schwierigkeiten aus dem Weg räumen. Zum Glück helfen ihm Perry Mason (ein amerikanischer Fernsehserienanwalt, mit dem Arne Selbstgespräche führt) und Beate Bittner (eine junge Frau im Rollstuhl, die Schwedisch spricht), denn Arne gerät in die Nähe des zwielichtigen, verrückten Professors Anatolis Litvinas.

In Arne steckt viel mehr, als ihm seine Verwandten zugetraut haben, und so löst er am Ende seine Aufgabe und findet sein persönliches Glück. Das alles erzählt Håkan Nesser spannend, humorvoll und einfühlsam. Seinen Helden Arne Murberg schließe ich als Lesende schon auf den ersten Seiten ins Herz und verfolge gebannt seine Reise, in der er wächst und sich emanzipiert: „Arne begriff, dass sie diskutierten, ob sie ihn verhaften sollten oder nicht. Wahrscheinlich war es verboten, in Parkanlagen zu pinkeln, zumindest für Ausländer, und er überlegte, dass dies nun wirklich ärgerlich wäre. Er war in seinem ganzen Leben noch nicht verhaftet worden, und sollte ihm das jetzt schon an seinem ersten Abend in Berlin passieren…nun ja, er hatte jedenfalls nicht die Absicht, Onkel Lennart und Tante Polly etwas davon zu erzählen.“ (Seite 121/122)

Håkan Nesser vermischt Phantasie, Märchen, Reisebericht und Astrid Lindgrens Brüder Löwenherz  zu einem stimmigen Roman, an dem sowohl erwachsene als auch jugendliche Leser ihre Lesefreude haben.

Als Taschenbuch erschwinglich, ist Håkan Nessers „Elf Tage in Berlin“ eine wunderschöne (Urlaubs-)Lektüre für die gesamte Familie, die man viel zu schnell durchgelesen hat.

Håkan Nesser: Elf Tage in Berlin.
btb Verlag, Juni 2017.
384 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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