George R. R. Martin: Planetenjäger

Willkommen auf dem Kolonieplaneten São Paulo. Hier, fern der überfüllten Erde gibt es Platz, Rohstoffe und die Gelegenheit, sein Glück zu machen. Zwei befreundete Alienvölker unterstützen die Menschen dabei, das All zu besiedeln. Komm in die neuen Welten, mache dein Glück, so wird für die Kolonialisierung geworben.

Auch Ramon Espejos dachte einmal, dass er eben jenes, sein Glück machen könnte. Aus Mexico stammend brach er auf der Suche nach persönlichen Glück, Reichtum und Freiheit auf, nur um auf dem Planeten auf altbekannte Strukturen zu stoßen – dort die Reichen, hier die, die malochen armen Hunde, die dafür sorgen, dass die Reichen immer reicher werden. Dass er selbst ein Macho par Exzellenz ist, dass er seine Frauen schlägt und betrügt, misshandelt und missbraucht bereitet ihm kein schlechtes Gewissen. Seit frühester Kindheit hat er verinnerlicht, dass nur der Starke, der Brutalere überlebt und sein Dasein darauf ausgerichtet.

Als er eines Nachts betrunken den Botschafter Europas auf den heruntergekommenen Gassen der Stadt ersticht ahnt er, dass er zu weit gegangen ist. Er bricht gen Norden auf, in die Wildnis, in die noch nie zuvor ein Mensch seinen Fuß gesetzt hat. Hier, in der intakten Natur, alleine mit sich, findet er Frieden und ein wenig Glück.

Auf der Suche nach Bodenschätze sprengt er eine Felsklippe und stößt dahinter auf eine unbekannte Alienkultur. Als er in einem Bottich wieder zu sich kommt, sind drei Tage vergangen – Tage, an die er sich nicht erinnern kann. Den Aliens ist ein Gefangener entkommen – erreicht dieser die menschlichen Siedlungen, wäre ihre Existenz bekannt, etwas, das sie unbedingt verhindern müssen. Zusammen mit einem der Aliens wird Ramon ausgesandt, den Flüchtling zu verfolgen und aufzuhalten – koste es, was es wolle. Ist dies seine Chance, selbst zu entkommen und wer nur ist der Flüchtige, der sich im Urwald bestens auszukennen scheint?

Das Cover führt den Käufer und Leser auf eine falsche Spur. Auf Weltraumgefechte wartet man vergebens, statt dessen bestechen die drei Autoren mit einer packenden Geschichte mit philosophischem Hintergrund.

Zunächst muss man sich an den Protagonisten gewöhnen. Ramon ist ein Unsympath aus dem Bilderbuch. Brutal, egoistisch denkt er immer zuerst an sich, die Befriedigung seine Bedürfnisse sei es Sex, Nahrung oder Alkohol. Dass er eine zweite Seite hat, dass sein Wesen durch seine Kindheit geprägt wurde, erschießt sich uns im Verlauf der Handlung. Als es dann zum Erstkontakt kommt, beginnt die Geschichte erst richtig.

Vordergründig geht es um die Jagd nach dem Flüchtigen, um die Möglichkeit diese Jagd für das eigene Entkommen zu nutzen. Doch immer deutlicher tritt dann zu Tage, dass es den Autoren mehr darum geht zu erforschen, was den Menschen ausmacht. Wie definiert sich der Mensch, was bestimmt das Ich? Ich bin versucht hier mehr zu verraten, das würde aber den Lesepass ganz gehörig trüben. Es sei nur erwähnt, dass Ramon so seine Mühen mit sich selbst und seiner Rolle hat.

Besonders gelungen ist die Zeichnung der Aliens. Das sind endlich einmal keine Menschen in Gummihaut, sondern fremde Wesen, die das Fremdvolk Mensch nicht kennen, mangels Gemeinsamkeiten auch nicht verstehen. In alltäglichen Situationen wird dies besonders deutlich, wenn skurrile Verhaltensweisen aufeinandertreffen, wenn Lebensnotwendigkeiten hinterfragt und als unnötig und merkwürdig beurteilt werden. Hier werden die Aliens als wirklich innerlich fremd dargestellt, es fehlt, trotz der Intelligenz die gemeinsame Basis um den Anderen zu begreifen.

So ist dies ein Roman der packende Szenen mit tiefgründigen Gedanken verbindet, dabei spannend unterhält wobei das Finale uns ein wenig unbefriedigt zurücklässt.

George R. R. Martin, Gardner Dozois, Daniel Abraham: Planetenjäger.
Penhaligon, Juni 2017.
352 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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