Friedrich Ani: Ermordung des Glücks

Ein elfjähriger Junge wird ermordet, und mit dem Kind stirbt das Glück in der Familie des Jungen, vor allem das Lebensglück der Mutter. Der Münchner Friedrich Ani lässt seinen pensionierten Kommissar Jakob Franck im zweiten Teil der mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Reihe in der Ermordung des Glücks“ ermitteln.

Während Franck anfangs nur schleppend vorankommt, erinnert sich der Ermittler wehmütig an die vier, in seiner Karriere bislang ungelösten Fälle. Genauso viel Raum wie die Aufklärung des Mordes nimmt in diesem Psychothriller die Frage ein, was ein solches Verbrechen mit den Überlebenden macht. Und das ist die große Stärke des Romans, der wunderbare leise, ganz starke Momente hat.

Die Mutter des ermordeten Jungen zieht sich ganz in die Erinnerungen an glückliche Zeiten mit dem Kind zurück. Sie kapselt sich ab – von Ehemann, Bruder und Freunden. „Sie kippt aus der Welt. Wir haben sie mit dem Tod ihres Sohn allein gelassen, und ihr bleibt nichts, als darin zu versinken“, lässt Ani einen Polizisten sagen.

Jakob Franck ist ein Einzelgänger und nach seiner Pensionierung dafür zuständig, den Angehörigen von Mordopfern die Nachricht vom Tod zu überbringen. Den ehemaligen Kommissar nimmt dieser Fall so mit, dass er ins Grübeln gerät und alles daran setzt, auch frühere, noch ungelöste Mordfälle aufzuklären. Und das bringt ihn an den Rand der Verzweiflung, weil er umgeben ist von Menschen, die verloren und vom Glück verlassen sind.

Friedrich Ani fesselt nicht nur durch die Handlung und die feinen Charakterzeichnungen seiner Figuren, sondern auch durch seine schöne Sprache, die von sanfter Traurigkeit durchwoben ist. Den Mord an dem Kind klärt er spannend bis zum Schluss auf, und es gibt neben neuen Wendungen noch weitere Tote. Ein lesenswertes Buch und spannendes Psychogramm – nicht nur für Krimifans.

Friedrich Ani: Ermordung des Glücks.
Suhrkamp Verlag, September 2017.
317 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.

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