Ellen Sandberg: Die Vergessenen

Sommer, 1944: Die junge Krankenschwester Kathrin hat in der Heil- und Pflegeanstalt Winkelberg ihre erste Arbeit gefunden. Sie möchte unabhängig sein und ihren eigenen Weg gehen. Dass sie sich dann ausgerechnet in den hochrangigen Arzt Karl Landmann verguckt, war so nicht geplant. Nach einigen Wochen merkt sie außerdem, dass die Arbeit in der Heil- und Pflegeanstalt alles andere als glatt läuft. Seltsame Vorkommnisse häufen sich und Kathrin kommt bald einem erschütternden Geheimnis auf die Spur.

Berlin, 2017: Auch das Leben der Journalistin Vera wird erschüttert, als ihre geliebte Tante Kathrin einen Schlaganfall erleidet und ins Krankenhaus kommt. Schon bald wird Vera klar, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht und sie deckt Dinge auf, über die manche Menschen lieber nicht gesprochen hätten.

Ellen Sandberg ist das Pseudonym der bekannten Krimi-Autorin Inge Löhnig. In ihrem neusten Roman stellt sie eine fiktive Heil- und Pflegeanstalt zum Ende des Nationalsozialismus in den Mittelpunkt. Was beim Lesen so erschüttert, ist allerdings die Erkenntnis, dass die beschriebenen Verbrechen im Nationalsozialismus trotz dieser erfundenen Geschichte so stattgefunden haben müssen. In einem Interview spricht die Autorin davon, dass es sich bei „Die Vergessenen“ um ihr Herzensbuch handele, das sie seit 10 Jahren habe schreiben wollen. Und das merkt man! „Die Vergessenen“ ist definitiv ein Jahreshighlight, vielleicht sogar das beste Buch des Jahres!

Und dabei beginnt die Geschichte in meinen Augen eher holprig. Man lernt Manolis kennen, einen Mann mit griechischen Wurzeln, der sein Geld in München eher mit zwielichtigen Geschäften verdient. Nun erhält er den Auftrag, ein Dossier an sich zu nehmen, das einer anderen, ihm unbekannten Person von hoher Wichtigkeit ist. Mehr weiß er nicht, doch bald kreuzen seine Wege die von Vera und er bekommt zumindest eine Idee. Er selbst hat auch eine spannende Geschichte, die dem Buch noch zusätzlich Tiefe und Spannung verleiht.

Im weiteren Verlauf werden die einzelnen Zeitebenen im Wechsel erzählt. Meistens ist man bei Manolis und Vera im München der Gegenwart, erfährt aber auch Vieles direkt aus Kathrins Sicht über die Vergangenheit. Die gut 90-Jährige nimmt an dem Verlauf der Geschehnisse in der Gegenwart nur bedingt teil, sie liegt in einem Koma im Krankenhaus und kann deshalb nicht persönlich Auskunft geben. Es entspinnt eine wilde Jagd um das vermeintliche Dossier, von dem nur Kathrin genau weiß, wo es sich befindet.

Die Geschichte erschüttert und klingt sehr lange nach dem Lesen nach. Dieses Buch müsste eigentlich jeden Leser, jede Leserin berühren und ist dabei noch perfekt geschrieben. Man kann sich ihm nach den gut ersten 50 etwas holprigen Seiten absolut nicht mehr entziehen. Eine sehr gelungene Mischung aus Historie, Krimi und Thriller.

Wow, unbedingt lesen!

Ellen Sandberg: Die Vergessenen.
Penguin Verlag, Dezember 2017.
512 Seiten, Taschenbuch, 13,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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2 Kommentare zu “Ellen Sandberg: Die Vergessenen

  1. Es loht sich allemal. Wir haben erst Februar, aber ich spreche schon von einem möglichen Jahreshighlight und bin jetzt sehr neugierig auf andere Romane der Autorin.

    Viele Grüße, Janine

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