Claudio Paglieri: Kein Vorteil für Commissario Luciani

Der italienische Journalist und Schriftsteller Claudio Paglieri (Jahrgang 1965) lebt in Genua und arbeitet seit 1990 für eine regionale Tageszeitung. Vor zehn Jahren startete er seine Krimireihe um den mageren Genueser Kommissar Marco Luciani mit „Kein Espresso für Commissario Luciani“, in dem es um Verbrechen im Profifußball-Milieu ging. Seitdem sind vier weitere Krimis erschienen. Am 18. August 2017 legte der Aufbau Verlag den sechsten Band mit dem Titel „Kein Vorteil für Commissario Luciani“ vor. Darin widmet sich Claudio Paglieri kriminellen Verstrickungen im Tennissport.

Marco Luciani hat mit seinem Sohn Alessandro die Stadt Genua, seine Arbeit bei der Polizei und Alessandros Mutter Sofia verlassen und ist in Barcelona untergeschlüpft. Dort vermietet er die Wohnung seiner Ex-Freundin, der Sängerin Alice, an Touristen, während Alice mit ihrer Band auf Tournee ist. Eines Tages bittet sie ihn um Hilfe bei der Suche nach der Tochter von Mauro Rossi, einem italienischen Unternehmer, mit dem sie befreundet ist. Martina Rossi ist aus einer renommierten Tennisakademie in Barcelona verschwunden. Die spanische Polizei bleibt untätig, da Martina volljährig ist. Luciani beginnt, trotz seiner Abneigung gegenüber Martinas Vater, zu recherchieren. Dazu meldet er sich als Teilnehmer eines Trainings in der Tennisakademie des „Großen Meisters“ Hector Benitez, einem ehemaligen Tennisstar, an. Es kostet ihn große Überwindung, Alessandros Mutter Sofia, der er unbedingt aus dem Weg gehen will, zu bitten, sich während dieser Zeit um ihren gemeinsamen Sohn zu kümmern. Lucianis Nachforschungen bringen die brutalen Schattenseiten rund um den Profi-Tennissport in der Akademie ans Tageslicht. Am Ende löst er das Rätsel um Martinas Verschwinden. Die kriminellen Machenschaften der Branche bleiben jedoch ungestraft. Dafür vollbringt Lucianis Sohn Ale eine sportlich-akrobatische Höchstleistung und sorgt dafür, dass sich seine Eltern wieder näher kommen.

„Kein Vorteil für Commissario Luciani“ ist ein solider Krimi. Für die Fans dieser Reihe liefert das Buch eine spannende Geschichte mit dem bekannten Personal an einem neuen Schauplatz, der spanischen Stadt Barcelona. Claudio Paglieri lässt seinen Commissario unter widrigen Umständen in Spanien ohne Kollegen und Polizeiapparat ermitteln. Das unterstreicht die Einzelgänger-Mentalität seines Protagonisten und eröffnet eine weitere Facette seines schwierigen Privatlebens.

Wie es sich für eine Krimireihe gehört, entwickeln sich die Hauptpersonen  von Buch zu Buch weiter. So ist es für die Lesenden, die die Vorgänger-Krimis um Marco Luciani noch nicht kennen, nicht immer einfach, Lucianis Beziehungs- bzw. Liebesleben in diesem Band zu verstehen.

Mit der Figur Marco Luciani hat Claudio Paglieri einen ganz und gar untypischen Italiener entworfen: Commissario Luciani ist großgewachsen und spindeldürr mit einer tiefen Abneigung gegen alles Kulinarische, übellaunig, beziehungsunfähig und stur mit einem verbissenen sportlichen und beruflichen Ehrgeiz.

Und gerade das macht für mich den Reiz des Protagonisten (und damit der Krimireihe) aus, der so gar nicht mit dem Charme eines venezianischen Guido Brunetti oder der Männlichkeit eines sizilianischen Salvo Montalbano vergleichbar ist.

„Kein Vorteil für Commissario Luciani“ spielt im Profi-Tennismilieu, und Claudio Paglieri wechselt erzählerisch zwischen den gegenwärtigen Ermittlungen Lucianis und den in Rückblenden erzählten Geschehnissen um das Verschwinden des Tennissternchens Martina Rossi hin und her. Das hält die Spannung aufrecht, ist doch der Plot an sich recht schnell vorhersehbar. Aus diesem Grund halte ich den aktuellen Krimi nicht für den stärksten der Reihe, eine Leseempfehlung bekommt er trotzdem.

Claudio Paglieri: Kein Vorteil für Commissario Luciani.
Aufbau Verlag, August 2017.
372 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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