Christine Brand: Blind

Nathaniel Brenner ist um die 40 Jahre alt und lebt als Blinder mit seinem Hund in Bern. Über eine App lässt er sich gelegentlich von Sehenden helfen, etwa wenn er ein Hemd einer bestimmten Farbe aussuchen will. Durch Zufall wird er dann mit einem der sehenden Nutzer verbunden und dieser hilft ihm über ein Videotelefonat. So geschieht es auch an diesem Tag und Nathaniel wird blinder Zeuge eines seltsamen Geschehens. Es kommt ihm so vor, als sei sein Gegenüber Carole in echter Gefahr und würde gerade überfallen werden. Beim Notruf nimmt niemand den blinden Mann ernst, zumal er nicht mal weiß, wie Carole mit Nachnamen heißt. Über Kontakte schafft er es schließlich, dass Caroles Wohnung überprüft wird. Angeblich hat sie gesund die Tür geöffnet und behauptet, es sei alles in bester Ordnung. Aber kann das wirklich sein? Ist nicht mehr dran an der Sache?

Die Schweizer Autorin Christine Brand hat mit „Blind“ eine sehr spannende Geschichte entworfen. Die Figuren ergänzen sich großartig und bieten ein Bild über das große Ganze. Die Kapitel sind immer sehr kurz gehalten und zeigen meist nur ein Bruchstück, wenn’s wirklich spannend wird, gibt es einen Szenenwechsel. Dadurch ist man angehalten, ständig weiterzulesen. Man kann den Roman kaum aus der Hand legen.

Nathaniel ist als der blinde Mann ein deutlicher Protagonist. Bei einem tragischen Unglück ist er im Alter von 11 Jahren erblindet und hat seine Familie verloren. Dass das mit dem Fall um Carole in größerem Zusammenhang steht, würde man erstmal nicht vermuten. Dann gibt es noch Milla, eine Journalistin, die einst über Nathaniel und die App einen Beitrag drehte. Seitdem sind die beiden in lockerem Kontakt geblieben. Auch Millas Freund Sandro spielt eine wichtige Rolle. Er ermittelt bei der Berner Polizei in mehreren Fällen, was immer wieder zu Konflikten zwischen ihm, Milla und ihrer Journalistentätigkeit führt. Zu guter Letzt lernt man auch Carole kennen. Hochschwanger und irgendwie plötzlich in einem dunklen Zimmer gefangen. Ob ihr jemand helfen wird? Ob sie überhaupt jemand sucht?

Die Geschichte ist stark gemacht, lässt sich super gut lesen und fliegt nur so dahin. Es bleibt zu hoffen, dass Christine Brand weitere Teile rund um ihre Figuren schreiben wird. Die Lektüre war wirklich toll, durchweg spannend und ohne Längen. Alle Daumen nach oben!

Christine Brand: Blind.
Blanvalet, März 2019.
448 Seiten, Taschenbuch, 15,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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