Christine Brand: Bis er gesteht

Allein schon wegen des ungewöhnlichen, aber wirkungsvollen Aufbaus ist dieser Kriminalroman absolut gelungen. Hinzu kommen ein besonderer Schreibstil, der gerade wegen der durchgängigen Neutralität, der reportagenhaften Distanz die Handlung umso mehr unter die Haut gehen lässt. Hier kommt deutlich die frühere Tätigkeit der Autorin als Gerichtsreporterin zum Ausdruck.

Worum geht es: In der Weihnachtsnacht erreicht ein Notruf die Polizei. Ein Vater meldet einen Einbruch und den Mord an seinen beiden kleinen Kindern. Der Junge und das Mädchen wurden offensichtlich erstickt, geraubt wurde nichts, die Wohnung nur sehr oberflächlich durchwühlt. Sehr schnell stellt sich heraus, dass es keinen Einbruch gab. Daraufhin wird der Vater als Tatverdächtiger verhaftet. Auch die Mutter bleibt in Untersuchungshaft, um zu verhindern, dass die Eltern ihre Aussagen miteinander absprechen können.

Nun verfolgen wir als Leser die Verhöre des Vaters, lesen die Aussagen der Mutter, der Nachbarn und anderer Zeugen, erfahren die Ergebnisse der Obduktionen und kriminaltechnischen Untersuchungen. Und immer wieder die Gespräche des Vaters mit der verhörenden Beamtin. Er beteuert darin stets seine Unschuld, doch sie glaubt ihm nicht. Bernhard Scherrer, so der Name des Vaters, beharrt darauf, dass ein Fremder in die Wohnung eingedrungen sein muss. Denn sonst, wenn er selbst die Kinder nicht getötet hat, bliebe nur eine andere Person, die als Täter in Frage käme.

Atemlos und gebannt liest man diesen Roman, der im Übrigen auf einem wahren Fall beruht. Christine Brand hat für ihr Buch sämtliche Gerichtsakten studiert, mit Zeugen und Juristen gesprochen. Gerade diese Form der Erzählweise, die einem das Gefühl vermittelt, bei den Verhören, den Ermittlungen, beim Prozess tatsächlich dabei zu sein, macht das Buch zu einem hochspannenden Erlebnis. Hinzu kommen die Handelnden, die man nur aufgrund der Gespräche und ihrer Aussagen kennenlernt, die aber ein ganz deutliches Profil gewinnen und geradezu real werden.

Auch wenn man nach etwa der Hälfte das Ende ahnen kann, bleibt der Roman bis zur letzten Seite fesselnd, liefert er doch tiefe Einblicke in menschliche Abgründe. Christine Brand hat in mir einen neuen Fan gefunden.

Christine Brand: Bis er gesteht.
Kampa Verlag, Juli 2021.
224 Seiten, Taschenbuch, 16,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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