Candice Carter-Williams: Queenie

„… Kyazike lachte. ‚Denkst du, das Leben ist ein Film? Und selbst wenn es einer wäre, Fam, wir sind schwarz. Egal, in welcher Schattierung‘, ahmte sie meine Stimme nach, ‚wir wären die Ersten, die sterben müssen.‘“ (S. 372) Die Auszeit sollte befristet sein. Dies hatten Queenie und Tom vereinbart. Danach wollten sie wieder für ein Gespräch zusammenkommen, um ihre Beziehung zu kitten. Mit viel Hoffnung zog Queenie aus der gemeinsamen Wohnung, die sie allein nie hätte finanzieren können. Eine bezahlbare Wohnung in London zu finden, bedeutet für sie, in einer Bruchbude ein WG-Zimmer zu mieten. Und während sie auf das Ende der Auszeit wartet und sich auf ein gemeinsames Leben mit Tom freut, stürzt Queenie von einem Chaos ins nächste. Anfangs dachte sie, wenn sie sich eine Liste mit Vorsätzen schreibt, hätte sie einen Leitfaden für ein ruhigeres Leben. Sie glaubt, Regeln reduzieren automatisch das ständige Chaos in ihrem Leben. Gleichzeitig lässt sie sich auf Parties mit den falschen Männern ein. Schneller als gedacht, erlaubt sie eine Ausnahme und dann nach eine, bis Queenie schließlich wieder all ihre Regeln bricht. Das Chaos wächst, bis eine heftige Panikattacke sie zum Nachdenken zwingt.

Candice Carty-Williams arbeitet unter anderem als Journalistin und Drehbuchautorin. Der Roman Queenie ist ihr überzeugendes Debüt, in dem sowohl kurzweilige Unterhaltung, Drama aber auch aktuelle Gesellschaftspolitik miteinander verbunden sind. Henriette Zeltner-Shane übersetzte den gelungenen Roman.

Im Zentrum steht die junge Schwarze Queenie, die in London lebt und in ihrer Familie viel Schreckliches erfahren hat. Damit folgt sie einer fest verankerten Tradition, die die Leidensfähigkeit der Frauen prüft. Als der weiße Tom aus begüterten Verhältnissen ihr Lebenspartner wird, könnte sie in ihrem Leben Glück haben. Doch in seiner Familie erfährt sie Rassismus und Ablehnung. Vor diesem Hintergrund versucht sich Queenie auf ihren Job bei der Zeitung zu konzentrieren und pflegt den Kontakt zu ihren Freundinnen. Ehrlichkeit und Direktheit sind der Motor ihrer Chats. Dies liest sich sehr erfrischend und lebensnah. Auch die Art und Weise, wie kontaktsuchende Männer gezeichnet werden, erlaubt den Gedanken, wie weit die Würde und Gleichberechtigung der Frau allein schon über sexuelle Beziehungen verloren gegangen ist. Denn Queenie erfährt nur dann Aufmerksamkeit, wenn sie Willigkeit und Aussehen in die Waagschale wirft, während ein Mann nur Forderungen stellt. Aus dieser Misere versucht sie einen Weg hinaus zu finden.

„… Der Test war okay, aber trotzdem entsprechend unangenehm. … Mir ging es gut. Keine Ahnung, warum all diese Leute im Krankenhaus so besorgt waren und so unhöflich. Elspeth hätte versuchen können, ein bisschen netter zu sein. Dann hätte sie die Informationen vielleicht auch nicht quasi mittels Waterboarding aus mir rausholen müssen.“ (S. 198)

Candice Carter-Williams: Queenie.
Blumenbar, August 2020.
544 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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