Bert Wagendorp: Ventoux

ventBert Wagendorp, niederländischer Journalist, Kolumnist, Radfahrer und Radrennsportfan, hat mit „Ventoux“ aus einem Drehbuch für einen Film einen Roman gemacht. Dieser erschien 2013 in den Niederlanden und wurde zum Bestseller.
Der btb Verlag liefert nun übersetzt von Andreas Ecke die deutsche Erstausgabe. Und obwohl der deutsche Untertitel „Ein Sommer, der das Fieber des Lebens in sich trug“ arg kitschig geraten ist, lohnt sich ein Blick ins Buch.
Denn in erster Linie erzählt der Roman die Geschichte einer Freundschaft von fünf Männern und einer Frau.

Die Geschichte beginnt 2010 mit einem Prolog: der Ich-Erzähler Bart Hoffmann – wie Wagendorp ebenfalls Journalist – kramt ein Foto hervor, das ihn und seine Freunde André, David, Joost, Peter und Laura auf einem Campingplatz in der Provence am Fuß des Mont Ventoux im Sommer 1982 zeigt.
Nach dreißig Jahren treffen die Freunde wieder aufeinander, nur einer fehlt. Ausgelöst durch eine Nachricht von Laura, der einzigen Frau in der Runde, nehmen die Männer Kontakt miteinander auf. Laura wünscht sich ein Wiedersehen mit ihnen am Mont Ventoux.
Im Folgenden erfährt der Lesende einiges über das Leben der vier Männer und der Frau. Bart ist Gerichtsreporter, geschieden, mit einer Leidenschaft für den Radrennsport und einer fast erwachsenen Tochter Anna, die er nach einer Figur aus Peters Gedichten nannte. André, ein gerade freigesprochener Krimineller aus dem Drogenmilieu, hat einen Vater, der ein bekannter Radamateur war. David mit Wurzeln in der ehemaligen niederländischen Kolonie Suriname (Südamerika) betreibt erfolgreich ein Reiseunternehmen in der Heimatstadt der Freunde und Joost wird als Erwachsener ein genialer Physik-Professor. Peter, der Dichter, der auf dem Bordellschiff seiner Eltern aufwächst, stößt etwas später zu der Gruppe und Laura, die Bildschöne, bringt die Gefühle der Jungs durcheinander.
Sie verbringen die Schulzeit miteinander und zum Schulabschluss  entsteht die Idee einer gemeinsamen Reise zum Mont Ventoux, der unter Rennradfahrern legendär ist. Diese Reise verändert alles: einer kehrt nicht zurück und die Gruppe zerfällt.
Nun soll es ein Revival dieser Reise geben, denn Laura möchte die Männer wiedersehen. Und so machen sich die restlichen vier Freunde mit ihren Rennrädern auf den Weg zum Mont Ventoux und zu ihrer Vergangenheit.
Am Ende stehen alle auf dem Berg und Laura lüftet ihr Geheimnis.

Bert Wagendorp spickt seinen Roman mit vielen Details für Freunde des Radrennsports, so fallen die Namen der Legenden des Radsports, wie Eddy Merckx, Tom Simpson, Fausto Coppi und Gerrie Knetemann. Er  beschreibt spezielle Fahrradmarken (Raleigh, Gazelle, Bianchi) und vergisst auch nicht den italienischen Fahrradbauer Dario Pegoretti zu erwähnen. Dazu mischt er die Musik der 1970er und 1980er Jahr von Frank Zappa, Pink Floyd, Elvis Costello. Und diese Mischung funktioniert gut für Lesende, die zu der Generation der Helden des Romans gehören und sich an ihre eigene Jugend erinnert fühlen.

Wagendorp gelingt es, die Stimmung und Sprache seiner Protagonisten sowohl in den 1980er Jahren als auch 30 Jahre später einzufangen. Ihre Entwicklung erscheint nachvollziehbar. Er beschreibt die Reise der Freunde in die Vergangenheit mal mit Humor, mal mit Spannung und mal mit Wehmut. Dabei hält er für den Lesenden die eine oder andere Überraschung über seine Charaktere bereit, wenngleich diese bisweilen konstruiert und klischeehaft wirken (dies gilt insbesondere für die Beschreibung der Beziehung zwischen Peter und Laura). So merkt man den Figuren, der Handlung und dem Höhepunkt aus meiner Sicht an vielen Stellen des Romans ihre Wurzeln als Drehbuch an und der Schluss erinnert dann doch eher an eine Seifenoper.

Bert Wagendorp: Ventoux.
btb, Juni 2016.
320 Seiten, Gebundene Ausgabe, 19,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.