Angelika Jodl: Die Grammatik der Rennpferde

Salome Sturm, genannt Salli, kennt nur eine große Liebe: die Liebe zur deutschen Sprache! 52 Jahre alt und Single, geht sie ganz in ihrer Lehrtätigkeit an einem Sprachinstitut auf. Ihr größter Wunsch lautetrenn, eine eigene Studie zu veröffentlichen.  Als Sallis Arbeitgeber Stellen abbauen muss, meldet sie sich angesichts drohender Arbeitslosigkeit und durch eine Wette mit Freundin Barbara auf die Zeitungsannonce eines gewissen Sergey: „Brauch ich Lehrer für Deutsch. Bitte anrufen mir.“ Salli möchte beweisen und dokumentieren,  dass sie selbst derart aussichtslosen Kandidaten die hiesige Grammatik samt Dativ, Passiv und Syntax beibringen kann. Nicht zuletzt möchte sie damit ihren attraktiv-intellektuellen Kollegen Anselm beeindrucken.

Wenig später landet die Münchnerin in einem Pferdestall in Dangelfing. Besagter Russe entpuppt sich als Stallknecht. Seinem herben Charme und mangelndem Lerneifer zum Trotz, setzt Salli den Unterricht fort. Sergey verfolgt eigene Pläne und benötigt sie als Vermittlerin bei einem Pferdekauf.  Plötzlich findet sich die ängstliche Salli auf dem Rücken einer Stute wieder, an der Seite eines mysteriösen Ex-Jockeys und sogar als Pächterin eines Reitstalls – mitten in einem Abenteuer…

Am Ende muss die strukturierte Sprachdozentin erkennen, dass das Leben nicht immer so logisch aufgebaut ist wie der deutsche Satzbau. Stattdessen erweist es sich gemäß einem russischen Sprichwort als wechselhaft, als gestreift, eben als Zebra!
Der Reiterin und Deutschlehrerin Angelika Jodl merkt man ihre Liebe zu Pferden und Grammatik auf jeder Seite an. Sie beweist ein gutes Gespür für interkulturellen Wortwitz. Klassische Interferenzprobleme zwischen einer emanzipierten Prüferin und einem türkischen Studenten, in dessen Muttersprache für Mann und Mensch derselbe Begriff verwendet wird, amüsieren ebenso wie Sergeys Lebensweisheiten à la „Sollma net hopp schreien, bevor man is gesprungen über Loch.“
Augenzwinkernd skizziert  die Autorin ihre Charaktere, von Pädagogen mit Selbstwertproblemen bis zu alternativ angehauchten Hippotherapeuten.

„Die Grammatik der Rennpferde“ erweist sich als Geheimtipp. Der Roman weiß durch seinen köstlichen Kultur-Clash, linguistische Feinheiten und eine außergewöhnliche Liebesgeschichte zu begeistern.

Angelika Jodl: Die Grammatik der Rennpferde.
dtv, Mai 2016.
320 Seiten, Taschenbuch, 14,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Diana Wieser.

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