Andrea Camilleri: Das Nest der Schlangen

Der italienische Schriftsteller Andrea Camilleri wurde 1925 auf Sizilien geboren, und das ist auch die Heimat seines berühmten Commissarios Salvo Montalbano, den er seit Ende der 1990er Jahre in der fiktiven sizilianischen Stadt Vigàta ermitteln lässt. Montalbanos erster Fall „Die Form des Wassers“ erschien im Frühjahr 2000 in Deutschland. Den neuen Krimi „Das Nest der Schlangen“ veröffentlichte Bastei Lübbe in einer Übersetzung von Rita Seuß und Walter Kögler am 31. Januar 2019, Camilleri schrieb den Roman aber schon 2008, wie er in seinen Anmerkungen am Ende des Buches erklärt.

Commissario Montalbano träumt und lauscht andächtig dem Gesang einer Nachtigall. Als er wach wird, hört er immer noch dieses wunderbare „Il cielo in una stanza“. Das kommt jedoch von einem Mann, der sich auf seiner Veranda vor dem Regen untergestellt hat. Montalbano bietet dem Fremden Kaffee und eine heiße Dusche an:

„Ein Vagabund, soviel war klar.“ (S. 7)

Dann klingelt das Telefon, und Catarella informiert ihn über den Mord an dem Buchhalter Cosimo Barletta.

Der Sohn des Toten, Arturo Barletta, hat seinen Vater tot in der Küche seiner Villa gefunden. Genickschuss beim Espresso Trinken.

Montalbano, Fazio und Mimì Augello übernehmen die Ermittlungen. Buchhalter Barletta, Witwer, liebte junge Frauen und war ein harter Geschäftsmann. Barlettas Tochter Giovanna und sein Sohn Arturo versuchen, sich gegenseitig zu beschuldigen. Aber da finden sich ein paar blonde Frauenhaare in Barlettas Bett und Dottor Pasquano, der Gerichtsmediziner, entdeckt Gift im Espresso.

Fotos und Briefe führen Montalbano zu Barlettas jungen Geliebten, zu seinen Schuldnern und immer wieder zurück zu Barlettas Kindern. Inzwischen besucht Montalbanos Verlobte Livia ihn in Marinella und schließt Freundschaft mit dem Vagabunden Mario, der in einer Höhle haust und der später eine wichtige Information im Fall Barletta hat.

Wieso wird Barletta erschossen, obwohl er schon tot ist? Diese Frage treibt Montalbano an bis er die grauenvolle Antwort findet.

Andrea Camilleri ist ein Garant für sehr gute Krimi-Unterhaltung. Und auch nach mehr als 20 Bänden der Montalbano-Reihe kommt bei mir als Lesende keine Langeweile auf.

Camilleri, der Theaterregisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller, unterhält mit prägnanten Charakteren, lebendigen Dialogen, spannendem Plot und seinem unvergleichlichen Humor.

Seine Hauptfigur Commissario Salvo Montalbano, dem Camilleri ein unwiderstehliches Charisma verleiht,  ist der unumstrittene Star des Krimi-Ensembles. Um ihn herum komponiert Camilleri die ganze, todernste Geschichte der Familie Barletta. Dabei schweift er nicht ab, und er hält sich nicht mit seitenlangen Beschreibungen auf. Camilleri erzählt logisch konsequent, schnörkellos, und er gibt den Dialogen seiner Figuren Vorrang. Das macht das Lesen dieses Krimis so spannend wie abwechslungsreich.

Kurzum: Mit „Das Nest der Schlangen“ ist Andrea Camilleri wieder ein Krimi-Meisterwerk gelungen. Bitte lesen!

Andrea Camilleri: Das Nest der Schlangen.
Bastei Lübbe, Januar 2019.
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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