Alexander McCall Smith: Das Dezernat für heikle Fälle

Auch um diese Fälle muss sich ja schließlich jemand kümmern, sollte man meinen. Fälle, bei denen man vielleicht nicht unbedingt erwartet, dass sie in die Zuständigkeit der Polizei fallen.

Dieses Buch spielt auf absurde Weise mit dem absurden Verhalten von Menschen in absurden Situationen.

Ulf, Anna, Carl und Erik bilden das Team innerhalb der Polizei Malmö, das sich um die „heiklen“ Fälle zu kümmern hat. Da geht es beispielsweise um eine hinterhältige Attacke mit einem Messer von hinten auf die Kniekehle eines scheinbar unbescholtenen Mannes. Oder das mysteriöse Verschwinden eines jungen Mannes, vermisst gemeldet von der Freundin seiner Freundin – wobei an der Wahrheit der Freundschaft zwischen den beiden jungen Frauen einige Zweifel angebracht sind. Und dann der besonders heikle Fall, den Ulf persönlich für den Polizeipräsidenten aufklären soll. Nur gemordet, das wird in diesem Krimi nicht.

Die vier Mitglieder des Dezernats arbeiten schon lange zusammen und kennen sich und ihre jeweiligen Marotten gut. So zum Beispiel Erik, dessen ganzes Leben sich um das Fliegenfischen dreht oder Carl, der jede Arbeit übernimmt, um den Kollegen zu helfen oder Ulf und sein depressiver Hund Martin. Dazu noch die aufkeimenden Gefühle zwischen Anna und Ulf. Und natürlich begegnen sie bei ihrer Arbeit ständig besonders skurrilen Mitmenschen.

Das alles klingt witzig und spritzig, es birgt einiges an Potential, an Humor wie durchaus auch an Spannung. Dennoch konnte mich der Roman nicht überzeugen. Die Figuren führen permanent lange Unterhaltungen, die nur ganz nebenbei mal Bezug zur Handlung haben und diese voranbringen. Besonders Ulf und Anna driften in ihren Gesprächen immer wieder zu allen möglichen und unmöglichen Themen ab, wenn sie sich miteinander unterhalten ebenso wie wenn sie ein Verhör führen. Das ist vielleicht lustig beim ersten oder auch noch beim zweiten Mal, im Laufe des Romans hat es aber leider schon ein wenig genervt. Die Dialoge erscheinen so unsinnig, wenn zum Beispiel während der Vernehmung einer jungen Frau das Gespräch sich plötzlich für eine ganze Weile um Nepal dreht. Oder bei der Diskussion über einen Fall auf einmal nur noch über Austern gesprochen wird.  Und so geht es durch das ganze Buch, so dass man irgendwann die eigentliche Handlung ziemlich aus dem Blick verliert.

Dabei hat sich der Autor sichtlich Mühe gegeben, seine Charaktere zu entwickeln. Er hat sie liebevoll kreiert, sich herrliche Marotten für sie ausgedacht und ihnen auch wirklich Leben eingehaucht. Und durch die absurden Dialoge die Absurdität des Lebens dargestellt. Trotzdem hat mich das Buch leider nicht recht erreicht.

Alexander McCall Smith: Das Dezernat für heikle Fälle.
Knaur, Juli 2020.
304 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Renate Müller.

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