Adam Sternbergh: Spademan

spadeHallo, ich nenne mich Spademan. Ich will ihren Namen nicht wissen. Betrachten sie mich als Kugel, sagen sie mir den Namen des Menschen, den sie getötet haben wollen, überweisen den Betrag im Voraus, den Rest erledige ich. Ich bringe Männer, wie Frauen um, sonst würde ich das weibliche Geschlecht diskriminieren. Nur Kinder sind tabu. Irgendwo muss man eine Grenze ziehen.
Ich lebe in Jersey. Seitdem eine dreckige Bombe auf dem Times Square in New York hochgegangen ist gibt es hier Platz, viel Raum in aufgegebenen Flats der geflüchteten Brooker.

Dann verpflichtet mich ein Fernsehprediger seine entlaufene Tochter umzubringen – eigentlich kein Problem, wenn die junge Dame nicht schwanger von ihrem eigenen Erzeuger wäre. Nachdem der schwerreiche Prediger, der dafür gesorgt hat, dass ein Fundamentalist ins Weiße Haus eingezogen ist, auch noch einen Kollegen auf mich und meine Freunde ansetzt, wird das Ganze persönlich …

Adam Sternbergh hat seine Meriten als Redakteur des New Yorker Magazins verdient. In seinem ersten Roman präsentiert er uns einen hard-boiled Thriller, der insbesondere durch den launischen, zynischen und sarkastischen Protagonisten besticht. In einer Welt der nahem Zukunft, in der New York das zweite Mal von einem verheerenden Anschlag heimgesucht wurde, fristet er sein letztlich bedeutungsloses Leben. Durch die Auftragsmorde muss er zumindest nicht hungern, doch innerliche Befriedigung, Erfüllung gar findet er nicht. Nach wie vor trauert er seiner während den Anschlägen gestorbenen Frau hinterher, ohne dabei ins Selbstmitleid zu versinken. Statt dessen umgibt ihn der Nimbus der Gefühllosigkeit. Ohne Freude, Angst oder Bestimmung lebt er nicht, er vegetiert vor sich hin.

In diese sterile, kalte Welt bricht sein neues Opfer ein, weckt ihn aus seiner Stasis und fordert erstmals wieder eine klare Positionierung. Umgeben von Menschen, die ihr Glück, oder besser das, was sie dafür halten in der Virtual Reality – man kann sogar den kirchlichen Himmel alias Paradies besuchen – kommt es zu einer tödlichen Vendetta. Das wirkt direkt, schockierend brutal und doch ehrlich und packend.

Eine Buch, wie ein Orkan, ein Buch, das den Leser mit einem lesefreundlichen Grosssatz packt und bis in das leider nicht gänzlich überzeugende Finale ohne großen Knalleffekt – das einzige Manko – nicht mehr loslässt.

Adam Sternbergh: Spademan.
Heyne, März 2014.
304 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.