Abdel Hafed Benotman: Müllmann auf Schafott

Rau, manchmal brutal, ausgestattet mit viel Galgenhumor und nie gekünstelt – das ist der im französischen Original bereits 2003 entstandene Roman „Müllmann auf Schafott“ von Abdel Hafed Benotman, der nun, übersetzt von Lena Müller, auch auf Deutsch erschienen ist.

Der junge Fafa wächst mit seiner Familie, zu der Vater, Mutter und drei Geschwister gehören, in einem Pariser Vorort auf. Seine Eltern können nicht lesen und schreiben. Die Erziehung besteht ausschließlich aus immer härteren Prügelorgien vom Vater, während die Mutter Schübe von Wahnsinn erleidet.

In der Schule muss sich Fafa, dessen Familie aus Algerien stammt, mit Rassismus auseinandersetzen. Mehr und mehr entwickelt er sich zum Kleinkriminellen, der zuerst Spielzeugautos klaut und später in Wohnungen einbricht.

​Auch wenn dieser Roman mit dem Hinweis beginnt, alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen seien zufällig, darf man wohl davon ausgehen, dass der 1960 geborene und 2015 gestorbene Autor viel von seiner eigenen Biografie darin verarbeitet hat. Wie sein Held verbrachte auch er wegen Raubes einige Jahre im Gefängnis.

Der Roman lässt sich als gesellschaftskritischer Erklärungsversuch lesen, warum es gerade in den sozialen Brennpunkten mit hohem Migrantenanteil zu einer erhöhten Kriminalitätsrate kommt – mit Schuldigen auf mehreren Seiten.

Abdel Hafed Benotman: Müllmann auf Schafott.
Matthes & Seitz Berlin, Juli 2020.
278 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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