Véronique Olmi: Der Mann in der fünften Reihe

Ein halbes Jahr haben sich Nelly und Paul nicht mehr gesehen. Ihre Trennung geschah einvernehmlich, fast spontan während eines Telefonats. Für Nelly, eine bekannte Schauspielerin, blieb das Wichtigste ungesagt.

Eines Abends entdeckt sie ihn wieder. Er sitzt im Publikum in der fünften Reihe, so dass sie ihn direkt beim Einzug in den ersten Akt sieht. Das Ungesagte, Verdrängte kommt so plötzlich in ihr hoch, dass sie den Text vergisst und in ihrer Rolle komplett versagt. In der Pause kann sie ihren Nervenzusammenbruch nicht mehr verheimlichen. Nelly rennt aus dem Theater. Weil es für sie keinen Ersatz gibt, wird die Aufführung abgebrochen. Der Eklat ist perfekt. Auf einer Parkbank findet sie einen obdachlosen Zuhörer. Die ganze Nacht spricht sie über ihr Leben. Erst am frühen Morgen glaubt sie, eine Lösung für ihren Konflikt gefunden zu haben. Weiterlesen

Lennart Malmkvist und der ziemlich seltsame Mops des Buri Bolmen

Lennart Malmkvist hat es schon früh in seinem Leben zu etwas gebracht. In einer, was sage ich, der angesehensten Unternehmensberatung Schwedens ist er als Senkrechtstarter angetreten Karriere mit einem ganz großen K zu machen. Das Salair sprudelt mehr als üppig, so dass er sich in einer der angesagtesten Viertel Göteborgs eine Wohnung leisten kann. Da kann ihn auch seine Beziehungs-Allergie kaum stören. Immer dann, wenn er einer Frau emotional zu nahem kommt, zeigt sich ein juckender Ausschlag. Also One-Night-Stands und den Gedanken an Familiengründung einmal ganz weit wegschieben – schließlich macht er ja auch Karriere.

Für sein leibliches Wohl sorgt die alternde Nachbarin Maria Calvino, die, das vermutet er einmal stark, in den im Erdgeschoss residierenden Ladeninhaber Buri Bolmen verliebt ist. Weiterlesen

Ian Rankin: REBUS: Alle Inspector-Rebus-Stories

Seit fast drei Jahrzehnten (1987 ist er zum ersten Mal in „Verborgene Muster“ aufgetreten) macht Detective  Inspector John Rebus Edinburgh unsicher, nicht ohne dabei Freunden und Vorgesetzten auf die Nerven zu gehen – von seinen Feinden ganz zu schweigen. Jetzt ist bei Goldmann ein Band mit 31 Kurzgeschichten (davon zehn neuen Rebus Stories) erschienen. Sie begleiten ihn auf den verschiedenen Stationen seines Lebens, von seinem allerersten Fall bis zu seiner – wie wir ja mittlerweile wissen – glücklicherweise nur vorläufigen Pensionierung.

Der Sammelband ist ein unbedingtes Muss für jeden Rebus-Fan! Aber auch Neulingen ist dieser Band als Einstieg wärmstens empfohlen, lernt man den ebenso genialen wie streitlustigen, whisky- und musikliebenden Detective Inspector in all seinen Facetten kennen. Weiterlesen

Rainbow Rowell: Landline

Georgie und Neal sind seit Jahren ein Paar, verheiratet und haben zwei Kinder. Ständiges Streitthema ist jedoch Georgies Job. Sie schreibt Comedyserien und verbringt deshalb sehr viel Zeit mit ihren Kollegen. Mehr Zeit als mit ihrer Familie, während Neal sich für die Rolle des Hausmannes aufopfert und die Kinder aufzieht. Als es auf Weihnachten zugeht und Georgie mit ihrem Team einen ganz großen Auftrag an der Angel hat, kommt es zu einer folgenschweren Entscheidung. Neal fährt mit den beiden Töchtern allein zu seinen Eltern über die Feiertage, Georgie bleibt daheim und muss arbeiten. Sie hat kein gutes Gefühl bei der Sache und versucht, Neal telefonisch zu erreichen. Doch es will einfach nicht klappen, sie bekommt ihn nicht ans Telefon. Erst als sie vom Festnetz ihrer Mutter einen Versuch startet, erreicht sie Neal. Doch es ist nicht der Neal der Gegenwart, sondern Neal aus dem Jahre 1998. Sie erwischt ihn in der Weihnachtswoche des Jahres, in dem die beiden einen heftigen Streit hatten. Weiterlesen

Graeme Simsion: Der Mann, der zu träumen wagte

Wer die beiden Vorgänger-Romane des australischen Autors Graeme Simsion, „Das Rosie-Projekt“ und „Der Rosie-Effekt“, gelesen hat, könnte über Werk Nummer drei etwas enttäuscht sein.

„Der Mann, der zu träumen wagte“ ist anders: weniger lustig, insgesamt normaler als die beiden so originellen Rosie-Romane: Ein 49-jähriger Mann, der sich in seinem Leben leidlich gut eingerichtet hat, bekommt nach 22 Jahren eine E-Mail von seiner ehemaligen Geliebten Angelina. „Hi“ ist das einzige, was sie schreibt. Doch diese zwei Buchstaben setzt eine ganze Kettenreaktion in Gang. Soll er antworten? Wenn ja, was? Soll er sie womöglich sogar treffen? Was kann er seiner Frau Claire darüber sagen? Weiterlesen

Rob McCarthy: Todeszeitpunkt, gelesen von Steffen Groth

Harry Kent ist Intensivmediziner mit Fronterfahrung. Viele seiner Nächte verbringt er im Dienste der Polizei. In einer solchen Nacht wird er in ein Take-away gerufen, in dem ein Jugendlicher Geiseln genommen hat. Der Jugendliche ist krank, und durcheinander führ Harry in eine Szene, die er lieber nicht kennengelernt hätte. Er merkt plötzlich, dass in seinem Umfeld, um engsten Kollegen- und Freundeskreis Dinge passieren, die niemand für möglich halten würde. Weiterlesen

William H. Gass: Mittellage

An seinem letzten großen Erfolg, dem vielfach ausgezeichneten Roman „Der Tunnel“, hat der Amerikaner William H. Gass mehrere Jahrzehnte geschrieben.

Nach diesem Buch, das 2011 auf Deutsch erschien, hat es sich der 92-Jährige nun leichter gemacht und bereits veröffentlichte Kurzgeschichten zum Bildungsroman „Mittellage“ zusammengefügt. Das ist in dem 600 Seiten starken Epos nicht immer leicht zu durchschauen.

Es geht um den Pianisten Joseph, einen Hochstapler und Lügner, Weiterlesen

Michel Bergmann: Weinhebers Koffer

Die Geschichte fängt ein wenig an wie Michael Endes Unendliche. Ein junger deutscher Jude, namens Elias, findet (in unserer Gegenwart) bei einem Berliner Trödelhändler einen interessanten alten Lederkoffer mit den Initialen L.W.. Neugierig geworden, ertastet  er in einer Ritze dieses Lederfossils einen Brief, der ihn auf die Spuren eines gewissen Leonard Weinhebers führt. Er recherchiert und findet heraus, dass dieser Weinheber ein Schriftsteller und Künstler war, der 1939 vor den Nazis, quasi im letzten Augenblick, fliehen konnte. Er wollte Palästina erreichen, wo seine junge Geliebte sehnsüchtig schon auf ihn wartet. Er erreichte also Marseille um nach Jaffa in Israel zu gelangen. Danach wird es rätselhaft auch für Elias Ehrenwerth, denn außer diesem Koffer, scheint es kein Lebenszeichen mehr von Weinheber zu geben. Weiterlesen

E. S. Schmidt: Die zweite Finsternis

Ich liebe gute Endzeit-Geschichten, und E.S. Schmidts Roman beschreibt definitiv das Leben der Menschheit nach ihrem Ende als Beherrscher der Welt. Im Prolog kurz zusammengefasst die Ursache für die Zerstörung der menschlichen Zivilisation: Ein außerirdisches Raumschiff stürzt auf der Erde ab und drachenähnliche Reaper mit telepathischen Fähigkeiten, die große Teile der Menschheit und der Tierwelt ausrotten, werden freigelassen.

In den USA gibt es nur noch wenige menschliche Siedlungen, die mit den Möglichkeiten der untergegangenen Zivilisation gesichert sind. Weiterlesen

Richard Dübell: Der Jahrhunderttraum

Im Jahrhundert der Industrialisierung schien plötzlich alles möglich. 1891 sind die ersten Flugpioniere unterwegs und Levin von Briest will unbedingt einer von ihnen werden. Sein älterer Bruder Otto strebt zwar ein Ingenieurstudium an, hat mit der neuen Technik aber nur wenig im Sinn. Ihn treibt es eher in das Detektivbüro von Edgar Trönicke, der den Tod seiner Großeltern aufklären soll. Die sind bei einem Zugunglück in der Schweiz umgekommen, aber war es wirklich ein Unglück oder war es Sabotage? Otto ist fasziniert von der Arbeit Edgars und von dessen Schreibkraft. Die jüngste der Geschwister, Amalie, scheint sich in ihr Leben zu fügen. Endlich hat sie eine Freundin gefunden, doch die große Liebe scheint auf sich warten zu lassen – oder hat sie sie doch schon gefunden. Weiterlesen