Mariona Tolosa Sisteré: Das geheime Leben der Popel

Was soll ich sagen?!? Mein Sohn liebt dieses Buch! Geht es ja auch um ein Thema, das Kinder wahnsinnig fasziniert. Und hier erfahren sie wirklich alles Wissenswerte rund um die glibberigen Bewohner in ihrer Nase.

Mit großflächigen, sehr fantasievollen und bunten, um nicht zu sagen poppigen, Zeichnungen erfahren die kleinen Leser alle erstaunlichen, witzigen und zum Teil ekligen Details rund um den Popel. Zum Beispiel, dass wir es bei Popeln mit unerschrockenen Superhelden unseres Immunsystems zu tun haben. Sie erfahren, woraus die schleimigen Gesellen bestehen und wo genau im Körper sie leben. Was sagt der Schleim uns über unseren Gesundheitszustand? Wie halten es die Tiere mit ihren Popeln? Und was können wir Menschen respektive Kinder alles mit ihnen anstellen? Weiterlesen

Frank Goosen: Sweet Dreams

Man kann dem Bochumer Autor Frank Goosen sicherlich vorhalten, mehr oder weniger immer dasselbe zu schreiben. Seine Bücher sind nostalgische Erinnerungen an das Leben im Ruhrpott – speziell in Bochum – in den 70er und 80er Jahren. In gefühlt jedem seiner Texte kommen die berühmten C-90-Kassetten vor – in seinem neuesten Werk „Sweet Dreams“ sogar auf dem Cover (in einem Walkman).

Und doch: Wer selbst im Pott aufgewachsen und ungefähr im selben Alter wie Goosen ist, wird an diesem Buch seine Freude haben. Das steigert sich, wenn man einen Bezug zu Bochum hat: Die Ruhr-Uni kommt genauso vor wie der VfL Bochum in der Bundesliga und die „Zeche“ mit ihren vielen tollen Konzerten.

Besonders zu Anfang liest sich „Sweet Dreams“, das offenbar nah an einer Autobiografie ist, unterhaltsam. Man begleitet den Ich-Erzähler und seine Freunde Brocki, Spüli, Förster und einige andere gerne durch ihr Leben als Jugendliche, das sich um die typischen Themen dreht, die für die meisten Jungs im Alter von 17, 18 oder 19 eben das Wichtigste sind: Mädchen und Alkohol. Weiterlesen

Susanne Fröhlich: Abgetaucht

Die Hauptdarstellerin in „Abgetaucht“ heißt Andrea Schnidt (sic!), ist Ü50, hat ein paar Kilos zu viel auf den Hüften und kurvt durch ihren turbulenten Alltag. Es gilt eine Patchworkfamilie am Laufen zu halten. Das verlangt ihr manchmal einiges an Nerven ab. Die Tochter wird z.B. bei einem One-Night-Stand schwanger. Vom Kindsvater kennt sie nur den Vornamen. Ihr Freund kehrt ihr daraufhin erbost den Rücken. Der kleine Halvar ist dann allerliebst und Andrea eine schwer besorgte Helikopteroma, die Mutter und Kind dauernd umsurrt.

Weil sie selbst geschieden und wieder liiert ist, mit dem Arzt Paul, wird Weihnachten zur emotionalen Tour de Force. Es kommen ihre beiden Kinder, davon die alleinerziehende Tochter mit Baby, und auch die schöne Model-Ex von Paul mit der gemeinsamen Tochter. Außerdem ist Andreas Ex-Schwiegervater Rudi mit dabei, den sie aber sehr mag und der sie immer unterstützt.

Irgendwie verträgt man sich unter dem Tannenbaum letztendlich dann doch. Turbulenzen gibt es allerdings genug. Die schöne Ex zieht in die unmittelbare Nachbarschaft, Andrea und ihr Ex-Schwiegervater fahnden auf eigene Faust nach dem Vater von Baby Halvar, was dessen Mama aber nicht wissen darf. Weiterlesen

Karen M. McManus: The Cousins

Die drei Cousins Milly, Aubrey und Jonah Story haben keinen Kontakt zueinander, da ihre Eltern nicht mehr miteinander sprechen. Alles begann mit einem mysteriösen Brief vor ihrer Geburt: Ihre Großmutter enterbte ihre Eltern in einem kurzen Schreiben, mit der Begründung: „Ihr wisst, was ihr getan habt“.

Als Milly, Aubrey und Jonah jeweils einen Brief von ihrer Großmutter erhalten, in dem diese sie auffordert, über die Sommerferien in ihrem Hotel auf einer kleinen Insel zu arbeiten, sind die Reaktionen unterschiedlich: Die drei wollen die Briefe einfach ignorieren, ihre Eltern hingegen drängen sie mit allen Mitteln, das Angebot anzunehmen. Sie hoffen auf eine Versöhnung und die Beendung ihrer Enterbung und Verbannung.

Schließlich geben die drei nach und reisen zu ihrer Großmutter. Auf der Fähre zur Insel begegnen sie sich zum ersten Mal und während Milly und Aubrey sich sofort verstehen, bleibt Jonah mit seiner unfreundlichen, abweisenden Art eher ein Außenseiter.

Als sie auf der Insel angekommen von einem alten Mann angesprochen werden, der sagt, dass sie nicht hätten zurückkommen dürfen, wird ziemlich schnell klar, dass ihre Eltern ihnen etwas verschwiegen haben. Weiterlesen

Marc Hofmann: Der Mathelehrer und der Tod

Ein eigenbrötlerischer Deutschlehrer als Hobbydetektiv auf der Spur des Mörders eines Mathelehrers – das ist kurzgefasst die Handlung dieses Kriminalromans.

Marc Hofmann legt seinen Protagonisten eindeutig als Serienheld an, was sogar auf dem Cover so angegeben ist. Der Nachteil dieses deutlichen Hinweises ist, dass es der Spannung abträglich ist, dazu später mehr. Gregor Horvath, Alter unbekannt, feinsinniger und nach eigenem Bekunden im falschen Jahrhundert geborener Gourmet, findet eines Morgens die Leiche eines Kollegen. Als ermittelnder Kriminalbeamter taucht, welche ein Zufall, Horvaths Zwillingsbruder auf. Doch ein weiterer Doppelmord in der Innenstadt Freiburgs unterbricht die Arbeit der Polizei in der Schule, der Tod des Lehrers wird als Suizid zu den Akten gelegt.

Horvath will sich damit nicht abfinden und mobilisiert eine Gruppe von ihm besonders geschätzter Schüler. Antrieb für seine Nachforschungen gibt ihm ein bislang unbekannter Geheimbund aus Lehrern, Eltern und ehemaligen Schülern, dem der Tote angehörte und in welchen nun er als Mitglied aufgenommen werden soll. Mit Hilfe seiner Schüler und unterstützt durch eine Mitarbeiterin seines Bruders kommt Horvath dem Täter auf die Spur, gerät dabei aber selbst in Lebensgefahr. Das ist die Stelle, wo die Spannung leidet, da man als Leserin ja weiß, dass er überleben wird, sonst könnte es schließlich keine Folgebände geben.

Wie bei den meisten Krimis liest man flott bis zum Ende, ist man doch an der Lösung interessiert. Vor allem die vielen Verdächtigen, vom Autor geschickt mit Motiv und Gelegenheit ausgestattet, machen die Handlung ausreichend spannend. Weiterlesen

Marlies van der Wel: Seesucht

Als Jonas zwei Jahre alt ist, lernt er das Meer und seine Bewohner kennen. Er ist von dieser ersten Erfahrung so begeistert, dass ihn die Liebe zum Wasser und seinen Bewohnern nicht mehr loslässt. Auch die Fischer, seine Retter in heiklen Situationen, sind mit dem Meer verbunden. Sie sind immer in der Nähe, wenn sich Jonas und die Fische begegnen, und manchmal spotten sie über seine Abenteuerlust.

Marlies van der Wel ist Trickfilmregisseurin und Illustratorin. Nachdem ihr Animationsfilm Jonas and the Sea ab 2016 mehrfach auf internationalen Festivals ausgezeichnet wurde, erscheint in diesem Jahr das eigenständige Bilderbuch zu Jonas‘ Seesucht. Die kurzen Textpassagen wurden von Birgit Erdmann aus dem Niederländischen übersetzt.

Der zunächst noch kleine Jonas fällt mit seiner kreisrunden Brille, der roten Mütze und dem rotgeringelten Pullover auf und bleibt seinem Kleidungsstil sein Leben lang treu. Sein offener, staunender Blick nimmt immer wieder Kontakt zu seinen Betrachtern auf, als wolle er jeden auf seine Reise mitnehmen. Weiterlesen

Robert Bloch: Psycho (1959)

Jeder kennt „Alfred Hitchcocks PSYCHO“ – den Film. Jeder Film hat ein Drehbuch, viele Drehbücher basieren auf einem Roman.  Sie haben Robert Blochs „Psycho“, erschienen 1959, noch nicht gelesen? Holen Sie es nach!

Der Thriller steigt direkt ein mit einer unheimlichen, verregneten Nacht: Norman Bates, ein verklemmter, unattraktiver Mann, leitet zusammen mit seiner Mutter ein abgelegenes Motel. Als sich durch lautes Klopfen scheinbar ein Gast ankündigt, erschreckt ihn das eher, als dass es ihn freut.

Kurz erhalten wir einen Einblick in sein absurdes Leben: Die allmächtige Mutter, das altmodische Haus, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und in dem Norman versucht, durch Bücher wie „Das Reich der Inka“ und psychologische Abhandlungen den Bezug zur Welt da draußen nicht zu verlieren. Er wehrt sich vergeblich gegen das Urteil seiner Mutter, die Bücher seien böse und schmutzig: „Psychologie ist nicht schmutzig, Mutter!“

Ohne es zu ahnen, wird bald die Angestellte Mary den Weg zu Normans Motel finden. Sie hat 40.00 Dollar gestohlen und ist auf dem Weg zu ihrem Liebhaber, um mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Weiterlesen

Johann Scheerer: Unheimlich nah

Johann Scheerer ist der Sohn von Jan-Philipp Reemtsma, dem Erben der Reemtsma Cigarettenfabriken, der 1996 entführt und gegen Zahlung eines Lösegeldes freigelassen wurde. Fortan konnten die Familienmitglieder keinen Schritt mehr gehen, ohne von Sicherheitsleuten bewacht zu werden.

In seinem autobiografischen Coming-of-Age-Roman „Unheimlich nah“ beschreibt Scheerer, wie sich diese Situation besonders für einen Heranwachsenden anfühlt. Wie wirkt es auf Schulfreunde, wenn nach Schulschluss immer die dunklen BWWs an der nächsten Straßenecke warten? Und wie, wenn es zum ersten Mal zu Zärtlichkeiten mit einem Mädchen kommt? Was macht es ganz generell mit einem Kind oder Jugendlichen, wenn er in einer martialischen Macho-Welt aus Waffen und zwar freundlichen, aber stets gewaltbereiten Männern mit Muskeln und Pistolen-Holster unter dem Jackett aufwächst? All diesen Fragen geht Johann Scheerer in seinem Roman nach. Weiterlesen

Michael Engler & Julianna Swaney: Das alles ist Familie

Familie…eines der wichtigsten Themen überhaupt für Kinder. Aber was bedeutet das heutzutage?

Es gibt sie schon lange nicht mehr, die „klassische“ Familie aus Vater, Mutter, Kind. Es gibt die unterschiedlichsten Kombinationen und in diesem Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren lernen wir sie alle kennen:  Das gleichgeschlechtliche Paar, die Patchworkfamilie, die internationale Familie, und die Großfamilie. Wir treffen auf ein unverheiratetes Paar, eine Familie mit einem Adoptionskind, und auf ein Mädchen, dessen Mutter gestorben ist und das nun allein mit seinem Vater lebt. Auch ein geschiedenes Paar kommt in der Geschichte vor und ein Elternpaar, das sich ständig streitet, um sich dann aber wieder zu versöhnen.

„Das alles ist Familie“ zeigt uns die ganze Vielfalt und versichert den kleinen Lesern, dass jede Familie genauso, wie sie ist, richtig ist. Dabei tauchen im Buch nicht nur unterschiedliche Nationen / Hautfarben auf, sondern auch ein Kind im Rollstuhl. Weiterlesen

Alexey Pehov: Das Reich der blauen Flamme 01: Der Gebannte

Vor langer, langer Zeit, Generationen ist es her, wandelten die Magier, göttergleich auf Erden. Sie schufen Rassen, sorgten für Lebensraum und für Frieden. Dann erschütterte ein Zwist die Idylle – verlustreiche, gnadenlos geführte Kriege löschten ganze Völker aus, die Magier selbst bekämpften sich, bis von ihnen keiner mehr übrig blieb. Seitdem sind die Menschen fast alleine in den Weiten des Landes. Wenn allerdings bei Nacht ein Mensch stirbt und sich die Flamme des Feuers blau färbt, dann weiß man, dass etwas Böses den noch warmen Leichnam übernommen hat. Etwas, das die Seele malträtiert, das auf Jagd nach Menschenfleisch geht, etwas, dem man den Weg ins Jenseits zeigen muss.

In dieser Welt begegnen wird drei Schicksalen – zusammengeführt von einem inzwischen mystischen Wesen, werden sie gezwungen, eine Reise zur legendären, lang vergessenen Hauptstadt der Reiche anzutreten. Theo ist eigentlich als Seiltänzer im Zirkus unterwegs. Als er ein uraltes magisches Artefakt findet und veräußert, erscheint ein Mal der Leere auf seinem Rücken – ein Zeichen dafür, dass er zur willenlosen Hülle für die dunkle Magie zu werden droht. Laviany gehört dem Nachtclan, einem Assassinenorden an, der sich aus einem einst magiebegabten Volk entwickelt hat. Als sie sich einseitig von diesem trennt, ist ihr Leben kein Staubkorn in der Wüste mehr wert – außer, sie kann den Anführer des Ordens aufspüren und töten. Dazu aber muss sie zunächst einmal dessen Aufenthaltsort kennen.  Scheron hat die Gabe, Untote zur Ruhe zu betten. Als ihr Kind verschwindet, tut sie alles, um ihren Zögling zu befreien – und wenn es notwenig ist, mit dem Gebannten, der seit Generationen allein gefangen in seiner alten Hauptstadt sitzt, zu reden, muss sie das Wagnis eingehen … Weiterlesen