Laurent Mauvignier: Mit leichtem Gepäck

28076_4cEs gibt Bücher, die brechen über den Leser herein, entwickeln einen Sog, wie eine literarische Naturgewalt. Laurent Mauvignier hat eine davon geschaffen, zumal sein Roman mit jenem Tsunami beginnt, der am 11. März 2011 über Japan hinwegfegte.

Guillermo und Yuko geben sich hier dem Rausch ihrer Jugend hin. Alkohol, Sex, Partys. „Ihre Körper schreien nach dem Leben“. Doch der Tod lauert bereits im Ozean. Wir begleiten das Paar auf seinen letzten Stunden, die Spannung steigert sich ins Unermessliche, die Welle und ihre Zerstörung beschreibt der Autor so, als habe er sie tatsächlich erlebt, als habe er selbst noch Tage später die schwarze, salzige Flüssigkeit aus Meerwasser, Schlamm und Todesrudimenten erbrochen.

Auch die übrigen Protagonisten dieses Buches machen sich auf die Reise, um auf Erhofftes, Unvorhergesehenes und Neuartiges zu treffen. Weiterlesen

Alexandra Burt: Remember Mia

miaNach einem heftigen Autounfall leidet die 27-jährige Estelle unter einer Amnesie. Sie kann sich an einige Tage vor dem Unfall nicht mehr erinnern. Sie beginnt zu spüren, dass etwas Wichtiges fehlt. Wo ist ihre sieben Monate alte Tochter Mia? Ein Säugling kann doch nicht einfach verschwinden. Nach und nach kommt heraus, dass Mia schon einige Tage zuvor verschwunden sein muss. Doch warum ist Estelle nicht zur Polizei gegangen, um ihr Verschwinden zu melden? Und wo sind Mias Sachen, ihre Fläschchen, Decken, Anziehsachen, hin? Estelle muss sich in einer psychiatrischen Anstalt auf Spurensuche in ihrem Gedächtnis begeben. Weiterlesen

John Williams: Augustus

augustusDie Geschichte

…. von Octavius, dem späteren Augustus, könnte ein Märchen sein. Er wird von seinem Onkel, Julius Cäsar, adoptiert, und die ganze römische Welt scheint ihm zu Füßen zu liegen. Doch dann wird Julius ermordet. Es ist ein Mord, hinter dem eine politische Verschwörung im großen Stil steckt. Zu diesem Zeitpunkt ist Octavius 19 Jahre alt, kränklich, schmächtig, jemand, dem die Philosophen mehr liegen als der Kampf und das Schwert.

»… Der Junge, der die Zukunft nicht kennt, hält das Leben für eine Art episches Abenteuer, eine Odyssee über fremde Meere und unbekannte Inseln, auf der er seine Kraft erproben und beweisen kann, um so seine Unsterblichkeit zu entdecken.« (S. 400)

Die Realität sieht anders aus. Traditionell müssen die Erben eines verstorbenen Herrschers mit einem plötzlichen und unfreiwilligen Ableben rechnen.  Weiterlesen

John Burnside: Wie alle anderen

Wie alle anderen von John BurnsideJohn Burnside, einer der profiliertesten schottischen Autoren, hat einige seiner Romane autobiographisch angelegt – zum Beispiel „Lügen über meinen Vater“, in dem er radikal mit seinem Erzeuger abrechnet (2011).

Autobiographisch ist auch sein neues Werk „Wie alle anderen“, das im englischsprachigen Original bereits 2010 erschienen ist. Burnside, geboren 1955, beschreibt darin seine Versuche, ein bürgerliches Leben zu führen, um von seiner Alkohol- und Drogensucht sowie seiner Schizophrenie loszukommen. Weiterlesen

Ken Liu: Seidenkrieger 01: Die Schwerter von Dara

daraDreiundzwanzig Jahre hat der Imperator Mapidéré dafür benötigt, seinen Traum zu verwirklichen. In unermüdlichen Kämpfen hat er die Inseln von Dara unter seiner Herrschaft vereint, hat Könige und ihre Familien meucheln, Schlachten austragen und Städte schleifen lassen.
Seitdem gilt in ganz Xana ein einheitliche Maßsystem, wird einheitlich in denselben Buchstaben geschrieben und in gleichen Zahlen gerechnet. Selbst die Straßen sind, was Breite und Aufbau anbelangt normiert, und ermöglichen ein verglichen mit früher komfortables Reisen und einen ständigen Warenaustausch. Der Handel und Wohlstand hat beständig zugenommen, die Pläne, die Inseln durch unterirdische Tunnel miteinander zu verbinden wurden vorangetrieben. Dies alles kostete Geld, viel Geld, so dass die Bevölkerung verarmt und allzu oft perspektivlos ihr Dasein fristet.

Als der Imperator trotz aller Versuche, das Altern aufzuhalten auf seinem Todesbett liegt, sehen die Hofschranzen ihre Zeit gekommen. Intrigen werden in Gang gesetzt, der Thronerbe betrogen und aus dem Weg geräumt, die Berater schwingen sich auf, die Macht im Reich zu übernehmen. Weiterlesen

Steinar Bragi: Hochland

hochlandEin neuer Horror-Thriller kommt aus dem hohen Norden. In „Hochland“ des isländischen Schriftstellers Steinar Bragi verirren sich vier junge Menschen in der isländischen Einöde und haben gegen allerlei mysteriöse Erscheinungen zu kämpfen.

Zwei Paare, die zu einem Kurztrip ins Hochland gestartet sind, prallen im Nebel mit ihrem Jeep gegen ein einsames Haus. Weil der Wagen nicht mehr fahrbereit ist, müssen die Vier die Nacht in dem Haus verbringen. Es wird von zwei seltsamen und wortkargen Alten bewohnt, die äußersten Wert darauf legen, dass bei Dunkelheit niemand vor die Tür geht. Weiterlesen

Gabriella Engelmann: Wildrosensommer

roseSeit mehr als zwei Jahren ist Nic, der Vater von Aurelias Töchtern, spurlos verschwunden. Da beschließt die Mutter aus München, ihre Leben grundlegend zu ändern und  zieht auf ein Hausboot  im Moorfleeter Yachthafen in Hamburg. Aber auf dem Boot spukt es, und das Schiff birgt ein Geheimnis: das des Vorbesitzers, der vor zwei  Jahren gestorben ist, und das  von Nic.
Gabriella Engelmann erzählt im romantischen Liebesroman „Wildrosensommer“ eine ähnlich märchenhafte Geschichte wie zuvor in „Apfelblütenzauber“.  Weiterlesen

Peter Goldammer: Der Zirkus der Stille

stilleThaïs hat mit zwölf Jahren ihre Mutter verloren und seitdem bei ihrer Großmutter Victoria im Zirkus gelebt. Ihre Erinnerung an die Zeit sind nicht immer glücklich, konnte ihre Großmutter doch beispielsweise nicht verstehen, warum es schöner sein sollte, ein Fahrrad statt eines Pferdes zu besitzen. Deshalb kehrte Thaïs dem Zirkus mit ihrer Volljährigkeit den Rücken zu. Jetzt mit Mitte zwanzig wird sie gezwungen, zurückzukehren und sich ihrer eigenen Vergangenheit zu stellen, als ihre Großmutter verstirbt und ihr ein Häuschen und ein Bild hinterlässt. Das kleine Foto zeigt Thaïs‘ Vater! Den Vater, dessen Name sie nicht einmal kannte. Weiterlesen

Saphia Azzeddine: Bilqiss

bilqissSaphia Azzeddine scheint ein vorausschauendes Gespür für brisant aktuelle Thematik zu haben. So hat sie in ihrem vorangegangenen Roman Mein Vater ist Putzfrau das Zuhause des jungen Protagonisten in den Banlieues von Paris angesiedelt und die Perspektiv- und Trostlosigkeit dieser Umgebung gespiegelt, was kurz darauf, nach den Pariser Attentaten, in den Focus der Medien aufgenommen wurde.

In Bilqiss tangiert Azzeddines Roman erneut aktuelles Tagesgeschehen, Politdebatten und Medienberichte – in diesem Fall  betrifft es Burka tragende Frauen (im Buch allerdings im islamischen Heimatland) und ihre innere Einstellung hierzu.  Weiterlesen

Moritz Matthies: Letzte Runde

rundeWie konnte mir diese Romanreihe bislang bloß entgehen? Diese ermittelnden Erdhörnchen sind aber auch gar zu niedlich. Ray ist eher der Typ harte Schale weicher Kern und sein Bruder Rufus ist der Schlaumeier des Teams. Gemeinsam mit ihrer Sippe leben Sie im Berliner Zoo und da passiert gerade so Einiges, was nicht so sein sollte. Zuerst wird dem Löwen die Mähne abrasiert. In der nächsten Nacht verschwinden die Stoßzähne des Elefantenbullen. Angst geht um, wer wird der Nächste sein? Höchste Zeit also, dass Rays Mitermittler mal in die Hufe kommen. Denn Rufus ist gerade sehr beschäftigt mit seinem, äh.., Patensohn, der das Denkergen von ihm geerbt hat. Und der menschliche Teil des Teams hat auch beschlossen, sich zukünftig nur noch Vorgarten und Familie zu widmen. Ermitteln? Viel zu gefährlich. Weiterlesen