Akram El-Bahay: Die Bibliothek der flüsternden Schatten 02: Bücherkönig

Willkommen zurück im Orient. Hier, inmitten des großen Sandmeeres liegt sie gleich einem Juwel – Mythia, die prächtige Stadt in dessen Palast der Weiße König residiert, deren unbezwingbare Wälle die Metropole vor den äußeren Feinden schützen und dessen Inneres von der Palastwache, allen voran, den Iblissen geschützt wird.

Was kaum einer der vielen Bewohner der Stadt wahrnimmt ist die Sammelleidenschaft ihres Herrschers. Unterhalb der Stadt hat er seine Sammlung sicher bewacht untergebracht – in riesigen, wohltemperierten und vor der ausbleichenden, gnadenlosen Sonne geschützt liegen seine Schätze. Bücher über Bücher, Bücher, die magisch sind. Vor Urzeiten, lange aus dem Gedächtnis der Menschen entfleucht, stritten zwei Arten um die Herrschaft über die Erde. Ein Krieg brach aus, verheerend und verlustreich. Die Mythen, alle Zauberwesen standen an seinem Ende vor dem Nichts – und einer Entscheidung. Entweder sie würden alle getötet, oder aber ihre geheimen Namen und mit diesen sie selbst, ihr Ich würde in Bücher geschrieben und sie aus der Welt getilgt.

Mittlerweile sind einige der Fabelwesen, die die Menschen nur noch aus uralten Märchen kennen aus ihren blätternen Gefängnissen in Paramythia entkommen. Sam war einst der versierteste Dieb der Stadt. Weiterlesen

Matthew J. Arlidge: D.I. Helen Grace 07: Blinder Hass

Es sieht so aus, als hätte sich alles und jeder gegen DI Helen Grace verschworen. Schon am frühen Morgen entdeckt sie auf einer einsamen Straße eine Tote. Kurz vorher raste ihr ein Wagen entgegen, in dem vermutlich der Mörder davon fuhr. Und während die Mordermittlung versucht herauszufinden, wer hinter dem Mord steckt, gibt es den nächsten tödlichen Überfall. Und danach wieder einen. DI Helen Grace und ihr Ermittlungsteam sehen einen Zusammenhang zwischen den Morden. Allmählich sprechen die Indizien dafür, dass sie ein junges Paar jagen.

Die Suche nach dem Motiv wird im Laufe der nächsten Stunden immer drängender, weil an diesem Tag noch mehr Menschen sterben. Wer wird das nächste Opfer sein, wie kann die Polizei den Mörder aufhalten? Dies fragt auch die Presse mit Nachdruck. Southampton befindet sich im Ausnahmezustand. Es sieht so aus, als könne die gesamte Polizei den flüchtigen Mörder nicht aufhalten. Weiterlesen

Carmen Korn: Zeitenwende

Vier Hamburger Freundinnen wurden zu Beginn des letzen Jahrhunderts geboren, da hatte Deutschland noch einen Kaiser. Alle vier haben beide Kriege überlebt, wenn sie auch mehr oder weniger beschädigt daraus hervorgegangen sind, sie haben ihre Familien durch Inflation und Wirtschaftswunder gebracht und im letzten Band erleben sie die Zeit der Studentenunruhen, des Deutschen Herbstes, der Wiedervereinigung und auch den Jahrtausendwechsel.

Groß ist er geworden, der Freundeskreis, in dem man Freunde und Familie kaum noch auseinanderhalten kann. Das Buch setzt 1970 mit Henny Ungers 70. Geburtstag ein, es gibt alleinerziehende, erfolgreiche Mütter, die schwule Lebensgemeinschaft ihres Sohnes wird endlich legal. Trotzdem muss man sich um die Verwandtschaft noch jede Menge Sorgen machen. Da träumt die eine von einer Karriere als Kriegsreporterin, die andere lässt sich während des Studiums mit der RAF ein. Es sind die großen und kleinen Sorgen, die diese Trilogie ausmachen und die sie so liebenswert machen.

Jeder kann sich ausrechnen, dass nicht alle der Akteure der ersten Stunde dieses Buch überleben werden, die meisten sind schließlich Anfang des Jahrhunderts geboren. Deswegen ist der letzte Teil der Trilogie auch ein Abschiednehmen von lieb gewonnen Protagonisten. Weiterlesen

Günter de Bruyn: Der neunzigste Geburtstag

Der deutsche Schriftsteller Günter de Bruyn (Jahrgang 1926) wurde in Berlin geboren, erlebte Nazi-Deutschland, arbeitete als Bibliothekar und Schriftsteller in der DDR und lebt heute in Görsdorf (Brandenburg). De Bruyn wurde vielfach ausgezeichnet und besonders durch seine kulturgeschichtlichen Essays und seine autobiographischen Werke bekannt. Am 26. September 2018 ist sein Roman „Der neunzigste Geburtstag“ im S. Fischer Verlag erschienen.

Die Geschichte um die Familie Leydenfrost siedelt Günter de Bruyn im Jahre 2015 im Dorf Wittenhagen in Brandenburg an. Hedwig Leydenfrost, die früher „radikale Wortführerin der außerparlamentarischen Opposition“ gewesen ist, wird im nächsten Jahr neunzig Jahr alt. Dieser runde Geburtstag soll mit einer Spendensammlung für Flüchtlinge verknüpft werden. Die Organisation der Feier liegt in den Händen von Hedwigs Bruder Leonhardt, ihrer Pflegetochter Fatima und Leonhardts Tochter Wilhelmine sowie deren Sohn Walter.

Leonhardt Leydenfrost, der selber weit über achtzig Jahre alt ist und im Gegensatz zu seiner Schwester die DDR nie verlassen hatte, ist ehemaliger Bibliothekar und lebt mit Hedwig, Wilhelmine, Fatima und Walter in der Villa auf dem ehemaligen Gutshof der Familie. Weiterlesen

Richard Flanagan: Der Erzähler

Mit seinem neuen Roman „Der Erzähler“ reicht der australische Autor Richard Flanagan nicht an die Qualität der beiden guten Vorgänger „Der schmale Pfad durchs Hinterland“ (2015) und „Die unbekannte Terroristin“ (2017) heran.

Zum Inhalt: Der erfolglose Schriftsteller Kif muss aus purer finanzieller Not einen heiklen Auftrag annehmen. Er soll die Biographie des australischen Wirtschafts-Kriminellen Nummer eins, Siegfried Heidl, schreiben. Der hat die Banken um 700 Millionen Dollar erleichtert, indem er sie erfolgreich um Kredite für ein Projekt gebeten hat, das es gar nicht gibt.

Für Kif entpuppt sich die Aufgabe als überaus schwierig, weil Heidl nicht gewillt ist, Details aus seinem Leben preiszugeben. Aber ohne Details keine Biographie und ohne Biographie kein Geld. Seine Hoffnung, irgendwann ein fertiges Buch in Händen zu halten, schwindet mehr und mehr.

„Der Erzähler“ hat gleich mehrere Probleme. Erstens tritt der Text über hunderte von Seiten auf der Stelle, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Kif versucht in einem tristen Verlagsbüro vergeblich, etwas aus dem Gangster herauszubekommen. Für den Leser ist das wechselweise nervtötend bis langweilig. Weiterlesen

Dörthe Binkert: Vergiss kein einziges Wort

Deutschland in den 1920er Jahren: Das Ehepaar Carl und Martha Strebel lebt mit seinen sechs Kindern in der Stadt Gleiwitz/Gliwice, einem Ort in Oberschlesien, westlich von Krakau. Polnische und deutsche Bürger leben Tür an Tür, der Ort gehört mal zu Deutschland, mal zu Polen. Kein Wunder also, dass Sohn Konrad eine Polin heiraten möchte. Ausgerechnet eine Polin! Der zweite Sohn Heinrich interessiert sich für die NSDAP, die älteste Tochter Ida für Mode, Hedwig lernt als Krankenschwester, die stille Klara geht noch zu Schule, die quirlige Luise erkundet die Paulstraße gerade auf eigenen Beinen. Vor der Familie liegen gute und schwere Zeiten, ein Weltkrieg, die Nachkriegszeit, Ehen, Kinder und Tode.

Dörthe Binkert gelingt es hervorragend, Zeitgeschichte und die Leben ihrer Figuren miteinander zu verbinden. Auch wichtige Nebenfiguren wie Luises Freundinnen Maria und Magda, Magdas Mutter Anna Kuznik oder die Nachbarn der Familie Liedka nehmen wichtige Plätze ein. Sie alle könnten unterschiedlicher nicht sein und so gestaltet sich dann auch die Handlung des Romans. Weiterlesen

Andreas Eschbach: NSA – Nationales Sicherheits-Amt

Helene glaubt, nicht viele Talente zu haben. Aber Programmieren, oder „Programme stricken“, das kann sie, auch wenn die neuartigen Komputer (sic!) sich im Deutschen Reich erst in den Anfängen durchgesetzt haben. Eugen dagegen ist von sich schon überzeugt, der Vater ist im Weltkrieg als Kriegsheld gefallen, die Mutter übergroß. Beide arbeiten bei der NSA, dem Nationalen Sicherheits Amt und ihre Aufgabe besteht darin, die Unmenge von Daten, die es über jeden Staatsbürger gibt, auszuwerten.

Es ist eine alternative Welt, die Andreas Eschbach für seine Roman geschaffen hat. Aber er hat sie derart mit historischen Realitäten durchsetzt, dass das Buch den Leser verstört zurücklässt. Deutschland hat den Weltkrieg 1917 verloren, die Nazis sind 1933 an die Macht gekommen, Nürnberger Gesetze, Wannseekonferenz, alles eingebettet in eine Welt, in der Soziale Medien und Elektronisierung einfach einige Jahre früher gekommen sind. Es gibt ja viele Romane über die Gefahren der Datenausnutzung, wir werden jeden Tag davor gewarnt, zuviel von uns preiszugeben. Weiterlesen

Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten

Allan Karlsson ist wieder da – der Hundertjährige, der 2012 aus dem Fenster stieg und verschwand – und dessen schwedischer Autor Jonas Jonasson damit einen literarischen Welterfolg landete.

Während der sympathisch-lebensbejahende und freundliche Senior im früheren Buch Abenteuer quasi im gesamten 20. Jahrhundert erlebte, konzentriert sich der Folgeband – „Der Hundertjährige, der zurückkam und die Welt rettete“ heißt er – ganz auf die Gegenwart.

Allan, dem sein Dauerurlaub mit Kumpel Julius auf Bali zu langweilig geworden ist, stürzt mit einem Heißluftballon im Meer ab, wird von einem nordkoreanischen Schiff aufgegriffen und direkt zu Kim Jong-un weitergeleitet. Ein paar Seiten später macht er Bekanntschaft mit der schwedischen Außenministerin, um dann gemeinsam mit ihr bei Donald Trump vorbeizuschauen. So weit, so turbulent. Und das alles nur, weil das nordkoreanische Boot angereichertes Uran für den Diktator an Bord hat. Weiterlesen

C. O. Chirovici: Das Buch der Spiegel

„Alle hatten sich geirrt und durch die Fenster, in die sie zu spähen versuchten und die sich am Ende alle als Spiegel herausstellten, nur immer sich selbst und ihre eigenen Obsessionen gesehen.“ C. O. Chirovici ist mit diesem Roman in der Tat ein Spiegelkabinett der meisterlichen Täuschung gelungen. Es geht hier um Wahrnehmung, um Erinnerungen, um (Selbst-)Betrug. Der Fall eines ermordeten Professors wird von drei verschiedenen Protagonisten verfolgt – einem vermeintlichen Augenzeugen, einem Journalisten und einem Polizisten. Jede dieser Personen hat eigene Filter, eigene Wahrheiten. Noch deutlicher wird dies, als die Verdächtigen, Zeugen und Nebenfiguren nach fast 30 Jahren nochmals befragt werden. Was geschah wirklich? Was hat die Erinnerung verzerrt?

Dem Literaturagenten Peter Katz wird ein Auszug aus einem Manuskript zugespielt. Es geht um den Mord an einem renommierten Professor von Princeton, einer Koryphäe auf dem Gebiet der Psychologie. Professor Wieder wurde 1987 ermordet, die Tat nie aufgeklärt. Das Geschriebene stammt ausgerechnet von Richard Flynn, einem der Hauptverdächtigen, der damals für den Professor gearbeitet hat. Seine Freundin Lisa soll eine Affäre mit Wieder gehabt haben. Ist sein Roman ein Geständnis? Wird endlich das große Geheimnis gelüftet? Peter Katz wittert einen Knüller, einen „Real-Crime“-Bestseller und fordert das gesamte Manuskript an. Doch Flynn verstirbt, das vollständige Manuskript bleibt verschollen. Weiterlesen

Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London 01: Autowahn

Mein Name ist Peter Grant, und ich bin Mitglied einer mächtigen Armee der Gerechtigkeit, allgemein als Metropolitan Police bekannt, wenngleich bestimmte Kreise uns eher als miese Pisser bezeichnen … Genauer gesagt gehöre ich einer Abteilung innerhalb der Metropolitan Police an, die sich mit Magie und dem Übernatürlichem beschäftigt  … der krasse Scheiss, wie manche meiner Kollegen meinen. Man nennt uns Falcon oder Folly. Wir sind die Sondereinheit für spezielle Fälle. Wenn es allerdings soweit ist, dass man uns ruft, ist die Kacke echt am Dampfen … Ein Polizist lebt bekanntermaßen von seinen Informanten. Ich habe in der Hinsicht Glück im Unglück. Meine Tippgeber gehören zumeist Spezies an, die dem gemeinen Bürger unbekannt sind. So was wie Flussgottheiten und ähnliche übernatürliche Wesen. Als mich also die Tochter der Themse anruft und etwas von einem BMW erzählt, der mit hilflosem Fahrer doch glatt ohne zu zögern in den Fluss gefahren ist, mache ich mich an meinen Job – sprich ich gehe meinen Kollegen und der Allgemeinheit mit meinen Fragen gehörig auf den Geist. Weiterlesen