Monika Feth: Blutrosen

Romy hat ihren Traumjob gefunden und wie es aussieht auch ihren Traummann. Und sie hat eine Geschichte für die Zeitung, für die sie arbeitet, im Kopf. Es soll eine Story über Frauenhäuser und die Frauen werden, die sich dorthin flüchten. Dabei ist Romy doch gerade selbst frisch verliebt. Sie lässt sich tief auf das Thema ein, freundet sich mit der jungen Fleur an, die schon mehrfach vor ihrem dominierenden Freund Mikael geflohen ist. Bislang hat er sie immer gefunden, aber Köln ist immerhin eine Großstadt, da dürfte es nicht so einfach sein. Zudem bleiben die Anschriften der Frauenhäuser gut geschützt. Fleur erzählt Romy nach und nach ihre Geschichte und eines wird immer klarer: wirklich sicher fühlt sie sich nie. Weiterlesen

Walter Moers: Prinzessin Insomnia & der alptraumfarbene Nachtmahr

Ein neues Buch von Walter Moers – ein Grund für Fans, Leser und Buchhändler gleichermaßen zu jubeln. Die Druckereien fahren Sonderschichten, im Verlag knallen die Korken – eigentlich. Ursprünglich stand mit dem „Schloss der träumenden Bücher“ ja die Fortsetzung des letzten Zamonien-Romans aus – und steht noch – da der Meister, nachdem schon Gerüchte um seinen Gesundheitszustand die Runde machten, sich lieber neuen Ufern zuwandt. Trotzdem oder gerade deshalb warteten die Leser ungeduldig auf den neuen Moers.

Dass das Buch in unterschiedlichen Farben gedruckt und farbig illustriert war, ist der Käufer Moer´scher Prachtwerke der bibliophilen Art ja gewohnt. Dass der Meister allerdings die Zeichnungen nicht selbst beisteuert, sondern mit Lydia Rohde eine schwer-kranke Illuminatorin verpflichtete, war bemerkenswert. Weiterlesen

Geoff Dyer: White Sands

Geoff Dyer, ein 1958 geborener Autor und Journalist, legt mit „White Sands“ eine Sammlung von zehn Reise-Erinnerungen vor, die er halb erfunden, halb wirklich so erlebt hat, wie er im Vorwort erklärt. Am stärksten ist dabei gleich die erste Geschichte, die von einem Peking-Aufenthalt handelt, bei dem sich der Ich-Erzähler ausgerechnet am letzten Tag in eine verkappte Reiseleiterin verliebt. Diese Geschichte ist rasant und sprüht vor Lebenslust und Überraschungen.

Danach geht‘s leider bergab. Etwas zu oft lässt der Autor seine Bildung heraushängen. Das wirkt nicht nur latent unsympathisch, sondern hemmt auch noch den Lesefluss. Es gibt Stellen, da hat man Mitleid mit den Menschen, denen Geoff Dyer/der Ich-Erzähler auf seinen Reisen begegnet Weiterlesen

Nicole C. Vosseler: Der englische Botaniker

China, 1843: Der schottische Botaniker Robert Fortune lässt seine Familie in der Heimat zurück, um die Pflanzenwelt des fernen Landes zu erforschen. Er will unbekannte Pflanzen katalogisieren, seltene Exemplare mit nach England bringen und vielleicht sogar Namensgeber für bisher unbekannte Exemplare werden. Dass er dafür ein ganzes Jahr von seiner Frau und den kleinen Kindern getrennt ist, muss er in Kauf nehmen. Über Briefe bleiben sie allerdings in Kontakt. Als seine Reise aufgrund der Feindlichkeit der Chinesen gegenüber Fremden ins Stocken gerät, lernt Fortune die Kämpferin Lian kennen, die ihm weiteren Zutritt zu entfernten Gärten der Chinesen verschafft. Doch zwischen den beiden ungleichen Menschen keimen noch ganz andere Dinge … Weiterlesen

Jo Nesbø: Durst

Der 57jährige, norwegische Schriftsteller Jo Nesbø ist durch seine Kriminalromane um den Ermittler Harry Hole weltweit bekannt geworden. Mitte Oktober 2017 kommt die Verfilmung von „Schneemann“ (Harry Holes siebter Fall) in die deutschen Kinos. Die Ullstein Buchverlage haben am 15. September 2017 Harry Holes elften Fall mit dem Titel „Durst“ in einer Übersetzung von Günther Frauenlob herausgebracht.

Um Harry Hole ist es ruhig geworden. Wie in seinem letzten Fall „Koma“, unterrichtet er weiter an der Polizeihochschule Oslo. Er hat seine Liebe, Rakel, geheiratet und führt ein zufriedenes und glückliches Leben am Holmenkollen mit Blick auf die Stadt Oslo und den Fjord. Oleg, Rakels Sohn, studiert inzwischen an der Polizeihochschule. Weiterlesen

Peter Keglevic: Ich war Hitlers Trauzeuge

Ein spannender Abenteuerroman vor historisch ernstem Hintergrund ist Peter Keglevic unter dem Titel „Ich war Hitlers Trauzeuge“ gelungen. Harry Freudenthal, ein junger Jude aus Berchtesgaden hat 1945 nur eine Chance, dem nationalsozialistischen Rassenwahn zu entgehen: Er muss an der Veranstaltung „Laufen für den Führer“ teilnehmen, bei der die Teilnehmer in mehreren Etappen 1000 Kilometer von Berchtesgaden nach Berlin laufen: Der Sieger darf dem Führer am 20. April persönlich zum Geburtstag gratulieren. Freudenthal, der sich zu Tarnzwecken Paul Renner nennt, trifft auf gleich mehrere Persönlichkeiten, die damals eine Rolle spielten – zum Beispiel die bekannte Filmregisseurin Leni Riefenstahl, Winifred Wagner in Bayreuth, Eva Braun und natürlich ganz am Ende – Adolf Hitler selbst. Weiterlesen

Sven Regener: Wiener Straße

Sven Regener ist ein künstlerisches Multitalent. Er ist bekanntlich nicht nur Sänger und Gitarrist der Band „Element of Crime“, sondern hat mit „Herr Lehmann“ im Jahre 2001 auch einen der wichtigsten Kultromane dieser Zeit verfasst.

Nun legt er mit „Wiener Straße“ erneut einen Roman vor, in dem Frank Lehmann und neben ihm auch andere Figuren aus Regeners Büchern vorkommen, aber nicht im Mittelpunkt stehen.

Leider jedoch fällt „Wiener Straße“ gegenüber dem sympathischen „Herr Lehmann“ und auch gegenüber Regener-Werken wie „Neue Vahr Süd“ (2004) deutlich ab. Weiterlesen

Emma Garnier: Grand Hotel Angst

Geistergeschichten spielen im Normalfall in abgelegenen englischen Landhäusern, in herbstlicher Atmosphäre zwischen Hochnebel und Moor. Das geht auch anders, dachte sich Autorin Emma Garnier und verlegte ihre Geschichte zur Frühlingszeit an die italienische Adria – den Ort Bordighera, der sich 1899 vom einstigen Fischerdorf zum noblen Tourismusziel für den europäischen (Geld-) Adel entwickelt hat. Im luxuriösen Grand Hotel Angst reisen die junge Nell und ihr Ehemann Oliver an. Sie wollen hier ihre Flitterwochen verbringen. Doch das Honeymoon-Feeling währt nicht lange. Nell ähnelt einer gewissen Lucrezia, die unter ungeklärten Umständen starb und durchs Haus spuken soll. Seltsame Vorkommnisse, unheilvolle Visionen, die dubiosen Geschäftspartner ihres Ehemannes: Nell muss schnell feststellen, dass nichts so ist, wie es scheint – und stellt eigene Nachforschungen an. Weiterlesen

Margit Ruile: Dark Noise

Das ist wieder mal ein Buch, bei dem ich zweigeteilt bin. Ich habe es nicht ungern gelesen, fand das Thema auch enorm wichtig, aber die Ich-steh-im-Nebel-über-den-Dingen-Protagonisten war schon sehr nervend, zumindest am Anfang. Am Anfang lernen wir sie nämlich nur als in der Ecke stehend und Zafer beobachtendes seltsames Wesen kennen. Ich dachte erst, ich wäre in einem Fantasy-Roman. Aber es handelt sich tatsächlich um einen waschechten Wirtschafts-/Polit-/Internet-Thriller.

Zafer ist eher menschenscheu und verdient seinen Unterhalt damit, Videos zu retuschieren. Hier eine unliebsame Produktplatzierung aus einer Serie entfernen, dort nachbessern. Und dabei ist er richtig, richtig gut. Weiterlesen

Gerhard Falkner: Romeo oder Julia

Im vergangenen Jahr war Gerhard Falkner mit seinem Roman „Apollokalypse“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. In diesem Jahr steht der 66-jährige Autor mit „Romeo oder Julia“ wieder auf der Shortlist des begehrtesten Buchpreises in Deutschland, der am Montag in Frankfurt vergeben wird.

„Romeo oder Julia“ ist jedoch mehr eine Erzählung als ein Roman. – Zwar 267 Seiten dick, aber mehr ein Stationen-Prosastück. Zum Schluss überrascht Falkner dann mit einer Kriminalhandlung. Da hat das Buch dann Spannung, und Motive aus den vorherigen drei Kapiteln puzzeln sich logisch zu einem Liebesdrama zusammen. Weiterlesen