Walter Wüllenweber: Frohe Botschaft

Sensationelles Buch zur richtigen Zeit. Walter Wüllenweber gelingt mit diesem (Sach-)Buch ein Paradox zu beschreiben, weil es gleichzeitig warnt und entspannt.

Man sich endlich mal Zeit nehmen kann, sich zurückzulehnen, weil die Dinge tatsächlich mal so wie sie sind bewertet werden – in allen positiven Entwicklungen der letzten Jahrzehnte  – und man wiederum im nächsten Moment aufschreckt, ob der unglaublichen Ungerechtigkeit in der Verteilung des Reichtums und der Ressourcen in dieser Welt! Dabei ist es immer wichtig, seine eigene Position zu orten, denn die Frage bleibt, wie und was hab ich damit zu tun und was geht überhaupt noch, wenn ich mich einmische? Es ist, so analysiert Wüllenweber richtig, so leicht, sich auf den „Es-geht-eh-alles-den Bach runter-Virus“ zu berufen und dann mit guten Freunden in ebensolchen Restaurants mit einem noch besseren Roten anzustoßen. Mich hat dieses Buch schwer beeindruckt, denn die gnadenlose Zusammenfassung der letzten Jahrzehnte, in denen es – auch mir – immer besser ging und die Verhältnisse (immer natürlich relativ und von statistischen Werten ausgehend ) wie, Z.B. „Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau“ (erinnern wir uns an Willy Brandt Anfang der  70ger) tatsächlich besser wurden. Weiterlesen

Jill Myles: Queen of Blood 01: Die Bestimmung

Seri ist nur ein einfaches Bauernmädchen vom Stamm der Vidari. Schon 100 Jahre unterdrücken die herrschenden Athoniten ihr Volk und es regt sich langsam so etwas wie organisierter Widerstand unter den Vidari. Seri ist wenig begeistert, als sie herausfindet, dass ausgerechnet ihr Liebster Rilen zu den Widerständlern zählt, denn das ist mehr als gefährlich. Dann kommt der Blutprinz Graeme ins Land, um den Platz auf seinem Thron einzunehmen und ein weiteres Mal nach einer Ehefrau fürs Leben zu suchen, seiner so genannten Eterna. Als Seri in diesem Zusammenhang die Möglichkeit erhält, als Dienerin einer der adeligen Frauen viel Geld zu verdienen, nimmt sie Chance an. Und es passiert Unsagbares: Seri wird von der Gottheit der Athoniten zu Graemes Eterna auserkoren und soll ihn heiraten! Dabei ist sie doch schon in Rilen verliebt und plant ganz gewiss nicht, am Hof der Athoniten zu leben.

Über die Blutprinzen findet Seri später noch weitere schockierende Details heraus. Ihr Leben erinnert an das von Vampiren, ohne dass sie im Roman selbst auch nur einmal so genannt werden. Jessica Clare, bekannt durch diverse erotisch angehauchte Fantasy- und Nicht-Fantasy-Romane, schreibt hier unter dem Pseudonym Jill Myles eine Vampirgeschichte im weitesten Sinne, Weiterlesen

Evelyn Skye: The Crown’s Game

Russland, 1825: Die 16-jährige Vika trainiert mit ihrem Vater seit vielen Jahren, um einmal die Zauberin des Zaren zu werden. Der Zar beschäftigt stets einen Zauberer, der ihm in der Kriegsführung hilft. In manchen Generationen werden allerdings zwei Zauberer geboren und Vika muss feststellen, dass der etwa gleichaltrige Nikolai auch Anspruch auf den Platz erhebt. Es kommt zu einem Wettkampf in fünf Runden, dem Spiel um die Krone, bei dem es nur einen Sieger geben. Der andere Zauberer muss sterben. Als Vika auch noch beginnt, etwas für Nikolai zu empfinden, scheint die Lage aussichtslos.

Evelyn Skye hat russische Literatur und Geschichte studiert. Das spürt man auch in ihrem Roman. Sie legt die Handlung ins Russland des beginnenden 19. Jahrhunderts. Von den Menschen weiß aber kaum jemand, dass Zauberei überhaupt existiert. Sieht jemand einen Zauber, versucht er ihn ganz banal zu erklären. Deshalb lebte Vika bisher eher im Verborgenen auf einer russischen Insel. Weiterlesen

Kent Nerburn: Nicht Wolf nicht Hund. Auf vergessenen Pfaden mit einem alten Indianer

In diesem Buch wird unterhaltsam der authentische Versuch einer Annäherung an die indianische Kultur beschrieben.

Bereits 1994 wurde Nicht Wolf nicht Hund in den USA verlegt und avancierte dort zum Bestseller. In Großbritannien wurde das Buch  2017 neu herausgebracht. Hierzu hat Robert Plant, der Sänger von Led Zeppelin ein Vorwort verfasst.

Der Autor Kent Nerburn ist Ethnologe und Theologe. Nach einem Telefonanruf sucht er den alten Lakota-Indianer Dan auf Bitten von  dessen Tochter Wenonah in einem Reservat auf. Dan möchte, dass Kent Nerburn die Geschichte seines Volkes aus Sichtweise eines Indianers und nicht aus Sicht der Weißen für die Nachwelt aufzeigt und niederschreibt. Hierzu übergibt Dan an Kent Nerburn einen Schuhkarton mit Notizen, die er über lange Jahre angereichert hat. Alle Aufzeichnungen wie Briefe, Zeitungsausschnitte, Fotos oder schnelles Gekritzel auf Servietten, liegen wild durcheinander in dem Karton. Hieraus eine Story zu entwickeln erweist sich für Kent Nerburn als schwierig. Weiterlesen

Todd Calgi Gallicano: Magic Guardians 01: Der Fluch des Greifen

Sam London lebt in einem kleinen Kaff in Californien. Seine alleinerziehende Mutter ist Lehrerin, und so hat er es nicht eben leicht, schließlich kennt sie alle Tricks und Schliche, mit denen man sich vor der Schule drücken kann aus dem ef-ef. Seit einigen Jahren schon versucht Sam herauszufinden, für was er wirklich begabt ist – sein Zimmer legt beredt Zeugnis davon ab, was er nicht alles ausprobiert hat. Sport, Musik, Kunst – alles nicht sein Ding.

Nur eines fasziniert den Zwölfjährigen wirklich – Fabelwesen, Tiere, die nie ein Mensch zuvor zu Gesicht bekommen hat. Seine Obsession geht soweit, dass er schon von diesen Wesen träumt! Gerade in letzter Zeit hat er von der Begegnung mit einem waschechten Greifen – ja die mit Adlerschnabel und Löwenkörper – geträumt, als er in den Nachrichten einen Bericht von einer Tankstelle im Death Valley sieht, die er aus seinen Träumen kennt. Ihm ist klar – er muss da hin, vielleicht gibt es den Greifen ja wirklich? Gesagt, getan – zwar war es nicht einfach, doch Sam schafft es in die Wüste zu kommen, und dort seinen Greifen zu treffen.
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Frank Goldammer: Roter Rabe

Dresden im Jahr 1951. Oberkommissar Max Heller lebt mit seiner Frau Karin und der kleinen Pflegetochter Anni im immer noch teilweise zerstörten Dresden. Die Polizei arbeitet wieder als Polizei, aber so richtig unabhängig fühlt sich Heller nicht. Hängt doch viel von den neuen Herren ab, denen er sich so gar nicht anschließen möchte, wie er das auch in der Nazizeit schon nicht getan hat. Er hat das Gefühl, das manche Ermittlungsarbeit politischem Kalkül zum Opfer fällt. Gerade aus einem unerwartet genehmigten Ostseeurlaub zurück, erhält seine Frau Karin ebenso unerwartet die Erlaubnis, den in Köln lebenden Sohn zu besuchen. Aber nur sie. Max bleibt mit Pflegetochter Anni zurück. Und ausgerecht zu der Zeit, kommt ein neuer zeitfressender Fall auf ihn zu. Zwei der Spionage verdächtige Männer sterben in der Haft. Es sieht nach Selbstmord aus, aber die beiden waren doch Zeugen Jehovas? Kann es sein, dass gläubige Menschen den Freitod wählen? Heller ermittelt und plötzlich kommen immer mehr mysteriöse Tote dazu. Hier ein Schlaganfall, da ein seltsamer Unfall, was geht hier vor. In der Stadt geht das Gerücht um, ein „Amerikaner“ würde in Dresden spionieren, um den letzten Schlag vorzubereiten, vielleicht sogar die Atombombe, die 1945 Deutschland nicht mehr traf? Weiterlesen

Lars Simon: Lennart Malmkvist und der überraschend perfide Plan des Olav Tryggvason

Der letzte Band hatte ja einen wirklich gemeinen Cliffhanger. Denn der sprechende Mops Bölthorn lag so gut wie tot zu Füssen von Lennart und alles schien verloren. Aber zu Beginn des dritten Bandes gibt es wieder Hoffnung: Noch ist Zeit, wie ein herunterzählender Timer auf Böthorns Fell behauptet. Da gibt es den geheimnisvollen Kapitän Darraben, dessen Schiff die Macht haben soll, jedweden zu heilen, der einen Tag auf dem Schiff verbringt. Dumm nur, dass das Schiff nicht mehr existiert. Aber die orakelnde Keksdose kann helfen: die Statue des „Muschelmanns“ muß zum Leben erweckt werden, alsdann ist nicht das ganze Schiff, sondern lediglich ein bestimmter der Masten für das Wunder erforderlich, der muss gefunden werden und dann wird alles gut. Aber das alles bitte, bevor der Fell-Countdown abläuft.

Der Kapitän erweist sich als wild fluchender und saufender Seeräuber, dem seine Zeit als Statue gehörig auf den Keks gefallen ist. Der Mast ist inzwischen auf einem Wohn-Schiff verbaut, auf dem sich ausgerechnet Lennarts Eltern befinden Weiterlesen

Michael Robotham: Die andere Frau

In schöner Regelmäßigkeit schreibt der Australier Michael Robotham (Jahrgang 1960) einen neuen Psychothriller um den Psychologen Joseph „Joe“ O’Loughlin und den mittlerweile pensionierten Polizisten Vincent Ruiz. Am 27. Dezember 2018 erschien im Wilhelm Goldmann Verlag „Die andere Frau“ in einer Übersetzung von Kristian Lutze.

Professor Joseph O’Loughlins achtzigjähriger Vater liegt bewusstlos und mit schwersten Kopfverletzungen im Krankenhaus. Offenbar ist er eine Treppe herunter gestürzt. Joe eilt sofort ans Krankenbett und trifft dort auf eine ihm unbekannte, weinende Frau, die behauptet mit William O’Loughlin, „Gottes Leibarzt im Wartestand“, verheiratet zu sein. Nach und nach enthüllt sich das für Joe Unfassbare: sein ehrenwerter Vater hatte eine Zweit-Familie in London.

Die ehemalige Tennisspielerin Olivia Blackmore ist Mitte vierzig, attraktiv und lebt seit über zwanzig Jahren mit William O’Loughlin zusammen. Olivia hat einen psychisch kranken Sohn namens Ewan und einen toten Ex-Mann.

Joe glaubt nicht an einen Unfall, der ermittelnde Polizeibeamte DI Stuart Macdermid zeigt sich nicht sehr kooperativ. Seine junge Kollegin, Detective Kate Hawthorn, jedoch unterstützt Joes Ermittlungen. Außerdem weiht er Vincent Ruiz ein, der aktuell in Unternehmensbetrugsfällen ermittelt. Weiterlesen

Gabe Hudson: Gork der Schreckliche

Gork, Der Schreckliche, ist ein junger Drache und alles andere als schrecklich. Sein Status ist KuschelBär und sein Spitzname Weichei. Aus diesen Gründen steht er in der Hierarchie der Drachen ganz unten und dies obwohl sein Großvater, Dr. Schrecklich, berühmt und unermesslich reich ist. Es grenzt an ein Wunder, dass Gork zu den glücklichen 39 % zählt, die die Abschlussklasse lebend erreichen. Und wer am letzten Schultag keine Partnerin für seine künftigen Eroberungszüge vorweisen kann, wird automatisch ein Sklave. Am Morgen dieses letzten Schultages behauptet die Vorhersage, Gork würde innerhalb von 24 Stunden mit 99,9 prozentiger Sicherheit sterben. Dies mag auch an dem handfesten Streit zwischen dem Direktor der Drachenschule und seinem Großvater vom Vorabend liegen, bei dem Dr. Schrecklich dem Direktor ein Auge zerstört hat und danach spurlos verschwand. Dadurch gerät dessen Enkel unweigerlich in den Fokus des extrem rachsüchtigen Direktors, in dessen Tochter ausgerechnet Gork verliebt ist. Runcitas Status ist selbstverständlich überragend. Bisher hat sie jeden Antragsteller entweder ins Krankenhaus oder in den Tod geschickt. An Gorks letztem Schultag bleiben im Prinzip nur zwei Perspektiven übrig: entweder ein früher Tod oder ein Leben als Sklave. Weiterlesen

Jess Jochimsen: Abschlussball

„… Geschichten kann man nicht erklären. Man kann sie nur erzählen.“ (S. 249)

Martens Geschichte beginnt mit einer Verweigerung. Als kleiner Junge wohnt er in einem Haus, in dem es ständig zu laut ist. Nie findet er Ruhe, und keiner versteht sein Bedürfnis. In ihm wächst der Gedanke heran, schneller zu altern als Gleichaltrige. Und weil er es sich fest vorstellt, ist auch sein Körper mit diesem Gedanken im Einklang. Wer schnell altert, wird früh sterben, denkt Marten. Er schließt mit seinem Leben ab und wartet geduldig auf sein frühes Ende. Marten wird trotzdem erwachsen und ohne es zunächst zu begreifen, beginnt er sein Leben neu zu definieren.

Der 1970 geborene Jess Jochimsen dürfte für viele kein Unbekannter sein, denn seit 1992 tritt der Kabarettist und Autor mal auf Bühnen, mal im Fernsehen auf. 2000 erschien sein erster Roman. Was den Leser im Abschlussball erwartet, könnte man im übertragenen Sinne mit einem wundersamen Märchenroman umschreiben. Marten, ein junger Mann, zieht aus, um sich beziehungsweise den richtigen Ton in seinem Leben zu finden mit allem, was dazugehört: Schicksal, Drama, Humor und dem Kabarettisten sei Dank viel Aberwitziges. Weiterlesen