Robert Dinsdale: Die kleinen Wunder von Mayfair

London, 1906: Als Cathy in einer Zeitung eine Annonce entdeckt, scheint die ihre letzte Rettung. Denn Cathy ist jung und schwanger. Ihre Eltern wollen sie zwingen, das Baby nach der Geburt abzugeben und so zu tun, als wäre nichts gewesen. Die Annonce allerdings verspricht Rettung, denn man kann in der Vorweihnachtszeit in einem Londoner Spielzeugladen anheuern. Papa Jacks Emporium. Der Laden öffnet mit dem ersten Frost und schließt im Frühjahr, wenn die Schneeglöckchen zu blühen beginnen. Wenigstens ein Vierteljahr Arbeit und Ruhe, Cathy macht sich auf ins Emporium und ahnt nicht, dass das ihr Leben für immer verändern wird.

Papa Jacks Emporium ist ein besonderer, fast magischer Spielzeugladen. Die Spielzeuge sind mit besonderem Talent von Papa Jack und seinen eben gerade volljährigen Söhnen hergestellt. Sie scheinen lebendig und verzaubern das Publikum. Das Emporium ist gerade in der Vorweihnachtszeit übervoll mit Kindern und interessierten Kunden. Weiterlesen

Gill Sims: Mami muss mal raus

Vor zwei Jahren hat Ellen mit ihrer App „Mami braucht nen Drink“ ganz groß abgeräumt. Nun ist das Geld aber weitgehend aufgebraucht, die Kinder nicht minder anstrengend und Ellen braucht nun keinen Drink, sondern einen Job. Natürlich wollen Kinder und Mann aber auch die gleiche Aufmerksamkeit wie vorher. Und was tun, wenn im neuen Job keiner weiß, dass sie eine verheiratete Mutter ist und sie alle für eine Single-Frau Mitte vierzig halten? Da spielt man doch mit, oder nicht? Das Unheil nimmt seinen Lauf und das Chaos ist vorprogrammiert.

Ellens Kinder Jane und Peter sind mittlerweile 11 und 9 Jahre alt. Und vor allem Jane bringt Ellen an den Rand des Wahnsinns. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, ein gefeierter Internetstar zu werden und braucht deshalb ein Instagram-Profil. Das will ihr Ellen aber erst mit 13 Jahren erlauben. Naja, dann frag‘ ich eben Papa, denkt sich Jane und dann gibt’s auch noch Ehestreit. Weiterlesen

Tana French: Der dunkle Garten

Es beginnt alles mit einem nächtlichen Überfall, der Tobys Leben für immer verändert. Eine Kopfverletzung macht ihn schwach und anfällig, aber vor allem kann er sich nicht mehr auf seine Erinnerungen verlassen. Gerade noch 28, verliebt, erfolgreich im Beruf, traut er sich jetzt kaum noch hinaus. Er zieht sich in das Haus seiner Kindheit zurück, in dem sein Onkel gerade eine Krebsdiagnose  bekommen hat und Betreuung braucht. An einem sonnigen Nachmittag zieht Tobys kleiner Neffe einen Schädel aus einem hohlen Baum und damit beginnt eine Reise in die Vergangenheit, die für Toby um so schwieriger ist, weil er eben seinen Erinnerungen nicht trauen kann. Er kann doch nicht der Mörder sein, oder etwa doch?

Tana French zieht den Leser mit hinein, in diese am Anfang so einfach und liebevoll erscheinende und dann plötzlich doch so komplizierte und grausame Familiengeschichte. Hier versucht jeder, jeden zu beschützen, aber wer kennt denn die Wahrheit? Der Tote ist bereits seit mehreren Jahren tot, ein Mitschüler der Geschwister, beliebt, aber in seinen letzten Monaten war er irgendwie seltsam. Und dann soll er sich umgebracht haben, aber die Leiche wurde nie gefunden – bis jetzt. Was hat er in dem Garten zu suchen gehabt, wo doch jeder glaubte, er habe sich weit entfernt ins Meer gestürzt? Und recht bald ist klar, dass er sich nicht selbst umgebracht haben kann. Wie kam die Leiche in den Familiengarten? Weiterlesen

Kati Naumann: Was uns erinnern lässt 

Thüringen, 1945: Genau am beliebten Rennsteig im Thüringer Wald liegt das Hotel Waldeshöh. Es wird von der Familie Dressler betrieben und muss in den Nachkriegsjahren vorerst stillgelegt werden. Doch Johanna glaubt fest daran, dass sie eines Tages wieder einen normalen Hotelbetrieb sicherstellen können. Ihr Mann Arno kommt aus dem Krieg verändert wieder und Johanna muss erkennen, dass sie nun vielfach auf sich allein gestellt sein wird. Zum Glück hilft der fast erwachsene Sohn Werner tatkräftig mit.

Thüringen, 2017: Bei ihrer Suche nach einem von ihr so geliebten verloren Ort, an dem seit langem keine Menschenseele mehr war, stolpert Milla über einen verlassenen Keller. Hier findet sie Zeitzeugnisse aus den 1970er Jahren. Sie macht sich auf die Suche nach dieser Familie Dressler, der die Dinge zu gehören scheinen.

Wie zu erkennen ist, verläuft die Romanhandlung auf zwei Ebenen. In der Haupthandlung trifft Milla auf die Familie Dressler in der Gegenwart und lernt die nächsten Generationen kennen, deren Groß- und Urgroßmutter Johanna war. Milla selbst ist alleinerziehende Mutter und in einer Anwaltskanzlei beschäftigt. Als sie hört, dass die Dresslers in den 1970er Jahren zu DDR-Zeiten enteignet wurden und der schöne Forst ihnen gar nicht mehr gehört, ist ihr Interesse geweckt. Da müsste man doch Einspruch einlegen können. Weiterlesen

Heike Leitschuh: Ich zuerst!: Eine Gesellschaft auf dem Ego-Trip.

Heike Leitschuh hat Politikwissenschaften studiert und ist selbständige Journalistin, Autorin, Moderatorin und Beraterin. Sie ist Autorin und Mitherausgeberin mehrerer Bücher und beschäftigt sich nun in ihrem neuesten Werk mit einer sehr interessanten Frage: Welche Rolle spielt das Ego in unserer Gesellschaft?

Die Autorin findet darauf eine sehr klare Antwort, die sich bereits im Titel des Buches ‚Ich zuerst!‘ widerspiegelt. Sie zeigt anhand vieler eigener Erlebnisse und zahlreicher weiterer Beispiele, wie sehr das ‚Ich‘ in unserer Gesellschaft das ‚Wir‘ verdrängt hat.

Da wäre beispielsweise das Problem, dass bei Unfällen die Bildung einer Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge für viele Menschen ein Problem zu sein scheint. Leitschuh schildert einen Unfall im Mai 2017, bei dem die Rettungskräfte sich schließlich zu Fuß zur Unfallstelle durcharbeiten mussten.

Oder das Filmen mit dem Handy: immer wieder ist es Menschen wichtiger, an einer Unfallstelle zu filmen, statt zu helfen. Oft genug behindern sie dabei noch die Rettungsarbeiten. In diesem Zusammenhang ist auch die Gewalt gegen Rettungskräfte erwähnenswert, die ebenfalls um sich greift und zu einem Problem geworden ist. Weiterlesen

Dov Alfon: Unit 8200

Der 16. April wird für viele Geheimdienstmitarbeiter, Polizisten, Politiker und Auftragsmörder ein sehr langer Tag. Er beginnt am Morgen dramatisch mit dem Verschwinden eines israelischen Fluggastes, nachdem dieser direkt nach der Ankunft am Flughafen Charles de Gaulle einer rot uniformierten Blondine gefolgt war.

Der neue Chef des israelischen Geheimdienstes Unit 8200, Oberst Abadi, landet kurz darauf am gleichen Flughafen. Zusammen mit dem ermittelnden Kriminalrat Léger beginnt eine aufreibende Suche, in der bald die Fragen auftauchen: Gab es bei der möglichen Entführung eine Verwechslung und könnte ein weiterer Landsmann von Abadi in großer Gefahr schweben?

Zur gleichen Zeit sieht seine junge Stellvertreterin, Lieutenant Orianna Talmor, in Tel Aviv zahlreiche Schwierigkeiten auf sich zukommen. Das von der politischen Führung arrangierte Machtvakuum innerhalb des Geheimdienstes führt zu zahlreichen Begehrlichkeiten und Beschneidungen in den Befugnissen der Unit 8200. Darüber hinaus erschweren die Entfernung und nervenaufreibende Ereignisse den Kontakt zwischen Abadi und Orianna, so dass dieser seine Stellvertreterin nur sporadisch mit geheimen Recherchen beauftragen kann. Weiterlesen

Aravind Adiga: Golden Boy

Radha und Manju sind zwei sehr unterschiedliche Brüder, die von ihrem ehrgeizigen Vater zu künftigen Cricket-Profispielern gedrillt werden. Während der ältere Radha mit seinem Filmstaraussehen das Rampenlicht genießt, ist das Spiel dem jüngeren Bruder bisweilen verhasst. Dies liegt nicht nur am strengen Vater und seinen dogmatischen Regeln. Manju entdeckt außerhalb des Cricketplatzes noch eine ganz andere Welt – die Welt der Naturwissenschaften, der Liebe, der Freiheit. Ausleben kann er nichts davon. Denn er muss den Traum seines Vaters erfüllen. Dieser sieht als armer Chutney-Verkäufer aus dem Slum, dem die Ehefrau weggelaufen ist, keine andere Möglichkeit zum sozialen Aufstieg in Mumbai, als über eine Sportlerkarriere seiner Söhne.

Nicht nur der Vater ist hinter dem Ruhm der Jungen her. Talentsucher, Sponsoren, Medien… sie alle befeuern sogar die Rivalität unter den Brüdern. Doch je älter sie werden, desto mehr begehren sie auf. Da ist die reiche Sofia, mit der Radha eine Beziehung eingeht. Da ist der ebenso wohlhabende Moslem Javed, Radhas größter Konkurrent, der sich jedoch zu Gedichten und einem freigeistigen Leben hingezogen fühlt. Zwischen Angst und Agonie, Selbstbestimmung und Familientradition, Verleugnung und Erkenntnis, versuchen die Jungen ihren Weg zu gehen. Wo der Druck zu groß ist, entlädt er sich auf unterschiedlichste Weise – zur Not mit Gewalt. Weiterlesen

William Saroyan: Tja, Papa (1957)

Der amerikanische Drehbuchautor und Schriftsteller William Saroyan (1908-1981) lehnte in den 1940er Jahren einen Pulitzerpreis ab und erhielt einen Oscar. Sein Roman „Papa you’re crazy“ erschien 1957. Die deutsche Erstausgabe unter dem Titel „Tja, Papa“ veröffentlichte dtv in einer Übersetzung von Nikolaus Stingl am 28. Februar 2019. Das Buch enthält Illustrationen von Katharina Netolitzky.

William Saroyan widmet das Buch seinem eigenen Sohn Aram Saroyan, weil der ihn 1953 als Zehnjähriger darum gebeten hat, es zu schreiben.

Und so erzählt Saroyan eine Vater-und-Sohn-Geschichte mit einer Herzenswärme, die mich als Lesende sofort fasziniert. Es sind kleine Episoden aus dem Alltag der beiden Figuren, in denen es um Alltägliches und um Besonderes geht. Die Kapitel tragen Überschriften wie Buch, Wolke, Unkraut oder Knochen. Der zehnjährige Pete zieht einige Monate zu seinem Vater, der Schriftsteller ist, in ein Strandhaus im kalifornischen Malibu. Petes Eltern haben sich getrennt und seine Schwester bleibt bei der Mutter. Fortan stellt Pete seinem Vater Fragen: über das Bücherschreiben, über das Meer, über Gott und tausend andere Dinge. Fragen über das Leben. Weiterlesen

Lori Nelson Spielman: Heute schon für morgen träumen

Als Emilia mit ihrer Großtante Poppy und ihrer Cousine Lucy nach Italien, dem Heimatland ihrer Großeltern und ihrer Großtante, aufbricht, weiß sie noch nicht, worauf sie sich einlässt. Poppy hat sich in den Kopf gesetzt, an ihrem kurz bevorstehenden 80. Geburtstag an einer bestimmten Sehenswürdigkeit in Italien zu stehen, um ihre große Liebe, die sie seit gut 60 Jahren nicht gesehen hat, wiederzutreffen. Emilia ist mehr als skeptisch, der Mann könnte immerhin seit Jahren tot sein. Aber sie und Lucy lassen sich auf das Abenteuer ein und kommen endlich dem Geheimnis auf die Spur, warum Oma Rosa der Großtante Poppy gegenüber so abweisend ist.

„Heute schon für morgen träumen“ hat zwei Handlungsstränge. Die Gegenwart mit Blick auf Emilia und die Vergangenheit in den 1960er Jahren, erzählt von Poppy. So erhält man als Leserin oder Leser einen sehr guten Blick auf die komplette Familiengeschichte. Und in der gibt es natürlich alles, was ein guter Spielman-Roman braucht: Intrigen, Gefühle, Geheimnisse, die ganz große Liebe, das menschliche Leben in all seinen Facetten. Weiterlesen

Marissa Meyer: Renegades 01: Gefährlicher Freund

Mit den Luna-Chroniken hat Marissa Meyer eine tolle Reihe vorgelegt, die auf Märchen basierte und die mich von Anfang bis Ende begeistert hat. Leider war sie irgendwann zu Ende. Mit „Renegades – gefährlicher Freund“ führt sie uns jetzt in eine Welt, die genauso spannend zu werden verspricht.

In Gatlon-City regieren die Renegades, Menschen mit Superkräften,die den Rest der Stadt beschützen sollen (laut der Autorin selbst sind Vergleiche mit Gotham-City durchaus legitim). Nur klappt das mit dem Beschützen eher mäßig, wie Nova als Kind schmerzlich erfahren musste. Als ihre Familie getötet wurde, hat sie bis zum Schluß auf die Renegades gehofft, aber es kam niemand. Deswegen schloss sie sich mit wachsender Überzeugung den Anarchisten an, einer Untergrundbewegung. Jetzt ist sie fast erwachsen und soll ihre Kräfte nutzen, um sich bei den Renegades einzuschleichen und zu kundschaften. Dabei verliebt sie sich ausgerechnet in den Renegade-Kommandanten Adrian, was die Sache verkompliziert. Und es macht es auch nicht einfacher, dass dieser ebenfalls ein Geheimnis hat, das es um jeden Preis zu wahren gilt. Weiterlesen