Sarah J. Maas: Das Reich der sieben Höfe 04: Frost und Mondlicht

Die Geschichte um Feyre und Rhysand schien erzählt, die Trilogie abgeschlossen. Der verheerende Krieg gegen Hybern ist überstanden, nun gilt es die Wunden zu lecken, die Zerstörungen wieder aufzubauen und das Leben fortzusetzen.

Der innere Zirkel des Hofs der Nacht beschäftigt sich somit weitgehend mit Verwaltungsaufgaben. Die Stadt Verlaris hat, wie das gesamte Reich gelitten, jetzt muss das Weiterleben organisiert werden. Dennoch ist auch Zeit zum sich versammeln und zum Feiern. Zur Wintersonnenwende treffen sich Fehre, Rhysand, Amren, Morrigan, Azriel, Cassian, Elain, Nesta und Varian im Stadthaus um zu feiern. Es wird gelacht, aber auch der Verluste gedacht – und es wird nach vorne geschaut …

Es fällt mir schwer, die Handlung zusammenzufassen. Dies mag damit zu tun haben, dass uns Verlag und Autorin dieses Mal nicht etwa einen neuen Roman, eine Fortsetzung der gefeierten Trilogie offerieren, sondern „nur“ eine Novelle mit einem kurzen Ausblick auf die nächste Trilogie vorgelegen. Weiterlesen

Marc Elsberg: Gier

Marc Elsberg hat sich durch seine Romane in den letzten Jahren zu einem der bekanntesten deutschsprachigen Autoren entwickelt. Bereits mit seinen Thrillern ‚Blackout‘, ‚Zero‘ und ‚Helix‘ feierte er große Erfolge. Dabei erhielten ‚Blackout‘ (2012) und ‚Zero‘ (2014) von der Zeitschrift ‚Bild der Wissenschaft‘ jeweils die Auszeichnung als Wissensbuch des Jahres.

Die Handlungen von Elsbergs Büchern basieren auf wissenschaftlichen und technischen Entwicklungen, aus deren Möglichkeiten und Risiken er spannende Plots aufbaut. So spielt er in ‚Blackout‘ mit den Folgen eines umfassenden Stromausfalls in Europa, in ‚Zero‘ behandelt er mögliche Auswirkungen der Digitalisierung und beschäftigt sich in ‚Helix‘ mit dem Thema Genmanipulation.

Nun liegt mit ‚Gier‘ sein neueste Buch vor, in dem er sich diesmal nicht mit einer auf neuen technologischen Möglichkeiten basierenden Entwicklung befasst. Es geht um unsere Gesellschaft und deren Entwicklung vor dem Hintergrund von Globalisierung, Kapitalismus und der Tatsache, dass immer größere Vermögen in den Händen eines immer geringer werdenden Teils der Menschheit liegen. Wie geht die Menschheit mit Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Zukunftsängsten um? Weiterlesen

Christoph Simon: Spaziergänger Zbinden

Es kommt auf die richtige Freizeitbeschäftigung an. „… Das unbesorgte Sterben ist eine große Probe auf die Richtigkeit einer Freizeitbeschäftigung. Meine Großmutter spazierte bis ins hohe Alter. Mit vierundneunzig Jahren bückte sie sich so tief nach einer Wiesenblume, dass ihr Herz versagte.“ (S. 90)

Wenn bei anderen der Gedanke an das eigene Lebensende in den Vordergrund tritt, dann geht der pensionierte Lehrer Zbinden spazieren. Er wohnt im Alter von 87 Jahren in einem Seniorenheim. Jeden Tag sucht er das Gespräch, den Weg nach draußen, um mit möglichst vielen Menschen zu sprechen. Neue Menschen kennenzulernen wird zu seinem Motor.

Der Spaziergang über eine sehr lange Treppe hinunter bringt ihm den neuen Zivildienstleistenden Kâzim näher. Das, was im Leben wichtig ist, kommt unweigerlich zur Sprache: Die Liebe.

Der Autor und Kabarettist Christoph Simon aus Bern schlüpft in die Rolle eines wesentlich Älteren. Seine Perspektive kommt so nah an Lukas Zbinden ran, wie es nur in einem inneren Monolog möglich ist. Weiterlesen

Judith Knigge: Zusammen ist der schönste Ort

Nach dem Tod ihres Mannes steht Dagmars Welt Kopf. Sie erkennt, dass sie das große Anwesen, welches sie mit ihm bewohnt hat, wohl oder übel verkaufen muss. Es ist finanziell nicht zu halten – es sei denn … Dagmar hat eine ungewöhnliche Idee: Wie wäre es, eine Art Wohngemeinschaft ins Leben zu rufen? Die zahlreichen Zimmer an Untermieter zu vermieten? Obwohl Freunde und Verwandte ihr davon abraten, wagt Dagmar diesen Schritt und lädt mehrere fremde Personen in ihr Heim ein. Natürlich ist da das Chaos vorprogrammiert.

Judith Knigge entwirft eine schöne Geschichte, in der sich die unterschiedlichsten Personen tummeln. Bald schon hat Dagmar ein volles Haus. Da gibt es eine Schwangere, die niemanden in ihre Schwangerschaft eingeweiht hat, einen Mann, der von seiner Familie verfolgt wird und der untertauchen muss, einen abgehalfterten Schlagerstar, der überraschend einen Hund mit in die WG bringt. Und eine Frau, die schon sehr bald einen Rollstuhl brauchen wird. So viel Durcheinander hätte Dagmar wohl nicht erwartet. Weiterlesen

Lisa Genova: Im Traum höre ich dich spielen

Karina und Richard sind seit einigen Jahren geschieden und haben nicht mehr viel miteinander zu tun. Die gemeinsame Tochter ist auch erwachsen, geht eigene Wege und studiert weiter weg. Als Karina hört, dass Richard, ein gefeierter Star-Pianist, an ALS erkrankt sei, weiß sie nicht, was sie tun soll. Doch als sie ihn so sieht, ist die Entscheidung klar: Richard muss nach Hause kommen, in das ehemals gemeinsame Heim. Karina setzt alles daran, Richard zu pflegen und ihm die beste Betreuung zukommen zu lassen. Aber ALS ist grausam und unaufhaltsam. Bald muss Richard sich wichtigen Fragen stellen. Wie weit möchte er beim Leben unterstützt werden und wann ist es einfach mal genug?

Amyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS, ist eine nicht heilbare Krankheit des Nervensystems. Sie führt unter anderem zu Lähmungen und lässt die Patienten immer mehr die Kontrolle über ihren Körper verlieren. Auch atmen können sie irgendwann nicht mehr und müssen dauerhaft an ein Beatmungsgerät angeschlossen sein. Weiterlesen

Nicky Singer: Davor und Danach

Die 14-jährige Mhairi lebt in einer Welt, die dem Klimawandel zum Opfer gefallen ist. Wasser ist ein knappes Gut und die Welt ist völlig überbevölkert. Das löst man durch eine ganz einfache Abmachung: Mit 74 Jahren sind die Menschen gezwungen, eine Spritze zu nehmen, die sie sterben lässt. So verbrauchen sie dann keine weiteren Rohstoffe mehr. Aber man kann auch dazu genötigt werden, die Spritze bereits früher nehmen zu müssen. Etwa wenn man Straftaten begangen hat. Und einen nicht registrierten fünfjährigen Jungen über die Grenze zu Schottland zu schmuggeln zählt definitiv dazu, oder nicht, Mhairi?

Nicky Singer unterteilt die Welt und ein Davor und Danach. Beides findet im vorliegenden Jugendroman seinen Platz, manchmal kommt es einem aber so vor, als halt sich Singer viel zu sehr mit dem Davor auf. Der Roman ist insgesamt sehr einfach und platt formuliert, selbst von einem Jugendroman würde ich sprachlich deutlich mehr erwarten. Stellenweise ist auch die Handlung etwas eintönig. Mhairi wandert mit den namenlosen 5-Jährigen durch die Einöde und er spricht nicht mit ihr. Also führt sie manchmal Selbstgespräche, schweigt an anderer Stelle. Von der Handlung hatte ich mir deutlich mehr erwartet. Weiterlesen

Kasie West: 5000 Gründe, warum ich dich liebe

Zu wenig Gefühl, das ist das niederschmetternde Urteil des Mannes, der die Kunstaustellung in ihrem Ort leitet. Abby ist am Boden zerstört, denn sie hielt ihre Bilder bisher für toll und bekam auch gute Rückmeldungen von Verwandten und Freunden. Fehlt es ihren Gemälden wirklich an Herz? Um sich in die Thematik einzuarbeiten, erstellt Abby eine Liste von Dingen, die sie erleben möchte, um das Leben besser zu verstehen und mit Gefühl neue Bilder zu malen. Sich neu verlieben, Leben entstehen sehen, Leben gehen sehen … all das möchte sie in den Sommerferien erleben! Gar nicht so einfach, wenn man an seiner Seite den besten Freund weiß, in den man heimlich verliebt ist, der die Liebe aber nicht erwidert.

Kasie Wests Roman klingt auf den ersten Blick nach einem dieser Listenromane, bei dem ein Mädchen sich Ziele steckt und diese dann nach und nach erreicht. Liebe, Herzschmerz, das ganz große Leben inklusive. Weiterlesen

Kevin Hearne: Das Spiel des Barden

Eilet herbei, ihr all, eilet nach Pelemyn, Brynläns Hauptstadt. Hier und nur hier wird Geschichte geschrieben, werden Vorkommnisse aufgedeckt und Geheimnisse gelüftet – der Barde Fintan ist zu Gast und erzählt von einer Mär, die uns alle, Männer und Frauen von Teldwen angeht.

Eines jeden Abends erklimmt der Barde die Bühne und nutzt sein Kenning um buchstäblich in die Haut desjenigen zu schlüpfen, von dem er erzählt. Und seine Saga hat alles, was man sich erhoffen, ja mehr noch, was man von einer solchen befürchten mag. Dramatik, Gefahren, Helden und Opfer, Geheimnisse und die Offenbarung eines neue Kennings – so mancher mag auch glauben, dass uns Fintan gar von einem siebten Kenning berichten mag. Doch nun, Bühne frei für den gefeierten Barden und seine Saga .

Kevin Hearne ist dem Leser als Verfasser der Saga um den Eisernen Druiden (dt. bei Klett-Cotta) ein Begriff. In dieser Urban Fantasy um alt-ehrwürdige Götter und Druiden hat er sich eine treue Gefolgschaft von Lesers erschrieben, die den Abenteuern um Atticus gebannt folgt.

Nachdem er diese Reihe im Original erfolgreich zum Abschluss gebracht hat, wandt er sich einem neuen Projekt zu. Es sollte eine High Fantasy Geschichte werden, die Hearne aber ganz bewusst anders als gewohnt erzählen wollte. Weiterlesen

Alexey Pehov: Die Beschwörer 01: Tag der Geister

Sie haben es fast geschafft, die jungen Menschen, die sich vom Orden zu Geisterbeschwörern haben ausbilden lassen. Ein letzter Test steht ihnen noch bevor, dann werden ihnen ihre Zertifikate ausgehändigt. Doch dann verlangt ihr Meister, dass sie ausgerechnet am Tag der Geister den gefahrvollen Weg quer durch die Ansiedlung zum Ordenshaus zurücklegen. Dabei hieß es während des Ausbildung doch immer, dass man den Geistern an diesem einen Tag im Jahr aus dem Weg gehen solle, dass dieser Tag den Wesen aus den Zwischenreichen gehören würde.

Einer von ihnen gibt auf, alle andere Mitlernenden machen sich, ein jeder für sich, auf den gefahrvollen Weg. Ray ist einer von ihnen. Mit seinem selbst gebauten Gefährt durchquert er die Stadt, trifft auf Geister und muss sich seiner Haut wehren. Er schafft es ins Ordenshaus, ist dann aber doch mehr als überrascht, als er nur auf zwei weitere Lehrlinge trifft. Gegen den Rat dieser begibt er sich erneut in Gefahr, um seine Freunde in den Gassen der Ansiedlung zu suchen und ihren beizustehen.

Bei der Rettungsaktion betritt er das Reich der Geister, und es gelingt ihm tatsächlich zwei seiner Kommilitonen zu retten. Wieder am Ordenspalast angekommen aber wartet der Meister auf ihn. Seine mutige Hilfeleistung bringt ihm statt eines Lobs den Ausschluss aus dem Orden, er und seine beiden geretteten Freunde werden verbannt und müssen sehen, wo sie bleiben. Weiterlesen

Michaela Karl: „Ich würde so etwas nie ohne Lippenstift lesen“

Maeve Brennan (1917 – 1993) misst 1,50 m, ist quirlig, klug und freiheitsliebend. 1933 zieht ihre Familie nach Washington. Die Berufung ihres Vaters als Legationsrat der irischen Gesandtschaft ermöglicht der Familie einen noch nie gekannten Luxus und eine finanzielle Sicherheit. Nach dem Umzug geht Maeve weiter zur Schule und studiert, während der Vater seine politische Karriere nach vorn treibt.

Eine unglückliche Liebe führt sie ohne Universitätsabschluss nach New York. Anfang der vierziger Jahre ist es nicht leicht, in Manhattan eine bezahlbare Wohnung zu finden. Maeve wird eine Frau, die häufig umzieht und dabei Greenwich Village bevorzugt. Während sie in New York als Bibliothekarin arbeitet, beginnt sie mit dem Schreiben. Ihre erste Kurzgeschichte Die Besucherin, wird nach ihrem Tod entdeckt und als eines ihrer wichtigsten Werke angesehen.

1943 beginnt sie als Werbetexterin bei Harpers’s Bazaar und wird schnell – auch über ihre Arbeit bei Junior Bazaar – zur Stilikone. Das Kleine Schwarze will nicht zu dem von der Mode diktierten Tellerrock passen. Doch für Maeve hat dieser Look durchaus praktische Erwägungen: Sie kann direkt von der Arbeit zur Party gehen und ist immer passend angezogen. Zu ihren Markenzeichen gehören hochgesteckte Haare, eine auffallende Brille, Perlenkette und ein stark geschminktes Gesicht. Dort, wo sie sich gerade aufhält, vermischt sich der Rauch ihrer Zigaretten mit einem luxuriösen, schweren Parfüm. 1949, nach einer erneuten Beförderung bei Harper’s Bazaar, wechselt sie zum New Yorker, ein Magazin, das speziell für die New Yorker Bevölkerung konzipiert worden ist und Heimat vieler berühmter Autoren war. Weiterlesen