Tamara Bach: Sankt irgendwas

„Schräg.“ Dies sagt einer, der nicht dabei war.

„Jedenfalls war keiner im Gefängnis und es gab wohl keine Brandstiftung.“ (S. 120)

Die 10d begibt sich mit ihrem Klassenlehrer, Dr. Utz, auf eine Studienfahrt ins Ausland. Für alle ist diese Reise mit viel Extraarbeit verbunden, denn Utz hat jedem der 28 Schülerinnen und Schülern ein Referat über eines der Ausflugsziele aufgegeben. Darüber hinaus muss täglich ein Protokoll geschrieben werden. Abgesehen davon, dass Utz nicht gerade zu den beliebtesten Lehrern gehört und zwischen ihm und der Klasse schon einige Differenzen ausgetragen worden sind, merken die Protokollanten schnell, dass sie ihre Berichte auf keinen Fall dem Klassenlehrer aushändigen dürfen. Denn wer würde schon gern von seinen Entgleisungen und dem Desaster seiner Studienfahrt lesen wollen? Weiterlesen

CTK: Midnight Rain

Als Mike und Ethan sich im Waschsalon begegnen, haben sie sich nicht viel zu sagen. Doch Ethan weiß, woher die Wunden an Mikes Körper kommen. Nur wenige Tage später bricht Mike mit einer Stichwunde im Bauch auf Ethans Türschwelle zusammen. Ethan hilft ihm und pflegt Mike wieder gesund, welcher darauf hin abhaut und erneut mit Schlägern aneinandergerät. Wieder ist es Ethan, der ihn findet und zurück zu sich nach Hause bringt. Mike ist misstrauisch und schon bald erfährt er von Ethans Schulden. Ein Schläger und ein Schuldner kann das gut gehen?

„Midnight Rain“ ist düster und hebt sich deutlich von den meisten anderen Mangas ab. Statt einem Highschooldrama oder einer Reise in eine andere Welt wird hier die brutale Realität, wie sie nun mal in vielen Länder existiert, aufgezeigt. Wir begleiten Ethan und Mike, welche beide kein einfaches Leben haben und begleiten sie auf einem kleinen Stück ihres Lebensweges. Weiterlesen

Hina Sakurada: Liebe im Anzug 01

Tsubaki ist eine verwöhnte Göre aus reichem Haus. Jeder ist stets nach ihrer Pfeife getanzt und sie hat stets das bekommen, was sie will. Entsprechend behandelt sie ihre Umgebung und damit auch ihren Butler. Als sie jedoch eines Tages bestohlen wird, ist es eben jener Butler in zivil, welcher den Diebstahl verhindert und ihr hilft. Sie erkennt ihn nicht, verliebt sich aber auf den ersten Blick in ihn.

Von nun an versucht sie den jungen Mann wiederzufinden, der ihr Herz gestohlen hat und lässt dabei keine Möglichkeit aus. Selbst als sie ihn findet und zurückgewiesen wird, lässt sie nicht locker. Hat ihre Liebe eine Zukunft? Und wie geht es dem Butler mit seinem Doppelleben? Weiterlesen

Yuki Shibamiya: Boys will be Cats 01

Kagetora geht in die 10. Klasse der Silberwein Oberschule und hat nur ein Ziel. Er will Kosei von der Anser-Akademie besiegen. Denn anders als die Schüler der Silberwein, werden jene von der Anser als intelligent und kultiviert angesehen. Gleichzeitig tragen sie den Championtitel des letzten Klopp-Festivals. Genau bei diesem will Tora seinem Erzfeind gegenüber treten. Als er jedoch herausfindet, dass die Anser in diesem Jahr nicht teilnehmen wird, macht er sich auf den Heimweg und findet eine Katze. Statt weiterzugehen, hilft er dem Tier, welches darauf hin verschwindet.

Wie es der Zufall will, trifft er nur wenige Minuten später auf Kosei und kämpft mit diesem. Als Tora verliert, verwandelt er sich zu seiner Verwunderung in eine Katze. Den Schülern der Anser ist dieses Phänomen bereits bekannt, welches überall in der Stadt Katzwerder auftaucht. Jeder, der einer Katze hilft und danach in einem Kampf k.o. geht, verwandelt sich selbst einen Tag lang in einen süßen Vierbeiner. Tora passt das jedoch gar nicht und er beschließt trotz aller Umstände weiterhin zu trainieren, denn er will Kosei besiegen. Daran ändert auch eine Katzenverwandlung nichts! Weiterlesen

Rory MacLean: Durch Europa!: Eine Reise auf der Suche nach der Wahrheit

Russland, Estland, Kaliningrad, Transnistrien, Ukraine, Ungarn, Polen, Deutschland, Schweiz und Großbritannien – diese Aufzählung (mit Ausnahme der letzten Drei) zeigt, dass Rory MacLean den Titel und Inhalt seines Buches auf spezielle Art verstanden wissen möchte. Unsere Reise beginnt unter Moskau.

„Unter der Erde gibt es keinen Horizont … Die Erde verschlingt sie (die Menschen), pfercht sie zusammen, macht sie namenslos …“ So startet der Autor seinen Reisebericht der besonderen Art. Die Fahrt durch halb Europa beginnt also unter Moskau. Was für origineller sprachlicher und inhaltlicher Meisterstart!

Es klingt wie ein Stereotyp, ist aber keines: Nach diesem Beginn ist die Vorfreude auf das Buch grenzenlos, sodass ich die Zahnarztschwester böse anzwinkere, weil sie mich zum Termin aus dem Wartezimmer und damit aus der Lektüre reißt.

Es ist nicht die erste Reise, die der Autor in diese Regionen unternimmt. Vor dreißig Jahren, als ein neues Zeitalter dominierte, in jenen euphorischen Tagen war der Autor bereits einmal von Berlin nach Moskau gereist und hatte dabei die vergessene Hälfte Europas besucht. Ostdeutschland, Polen, Ungarn, Rumänien, Russland. Nun kehrt der Autor in diese Länder zurück, um zu erfahren, was falsch gelaufen war! Er tut dies in umgekehrter Reihenfolge, von Moskau nach Berlin bis London. Weiterlesen

Sigri Sandberg & Anders Bache: Polarliebe: Leidenschaftliche Briefe und Geschichten aus dem ewigen Eis

Was haben Robert Peary, Roald Amundsen, Fridtjof Nansen, Peder Pedersen, Lord Hugh Cecil Lowther, Nils Strindberg, Iver Iversen, Ewald Schmutzler und Robert Falcon Scott gemeinsam? Sie alle teilen ihre Leidenschaft für Entdeckungen und Eroberungen, ihre Jagd nach Ruhm und Ehre im ewigen Eis der Polarregionen mit der Liebe zu einer Frau. Manchmal auch zu mehr als einer.

Zugegeben, die meisten der Frauen, mit denen die eingangs genannten Polarforscher und Eisjäger liiert waren, waren mir vor der Lektüre von Sandbergs und Baches Buch nicht bekannt. Wer nun glaubt, es handelt sich bei den Ehefrauen und Geliebten der berühmten Männer um Frauen, die zu Hause sehnsüchtig auf die Rückkehr ihrer Männer warteten, sieht sich getäuscht. Einige von ihnen begleiten die Expeditionen, hielten die Motivation der Gesellschaft hoch, gebaren Kinder in der Polarregion oder zeichneten sich durch eigene herausragende Leistungen aus. Weiterlesen

Fiona Mozley: Elmet

Elmet, so erfahren wir am Anfang des Romans, war das letzte unabhängige Königreich der Kelten in England. Es befand sich im Tal von York. In den vereisten Mooren, in diesem Ödland versteckten sich noch bis in das 17. Jahrhundert Gesetzesflüchtige.

Fiona Mozleys Debütroman spielt in dieser Gegend, jedoch in der Gegenwart. Der Ich-Erzähler Daniel, sein Vater und die Schwester Cathy bauen sich hier, im Land des ehemaligen Königreichs Elmet, mit eigenen Händen ein Haus.

Daniel erzählt uns die Geschichte abwechselnd in kurzen Sequenzen aus der Gegenwart, aus denen er in die Vergangenheit zurückblickt. Mozleys kurzweiliger Erzählstil verhindert, dass die Leserin/der Leser durch die Zeitsprünge aus dem Lesefluss gerissen werden. Ein gutes Beispiel wie Rückblenden literarisch opportun gestaltet werden können. Das literarische Wagnis gelingt auch, weil sowohl Vergangenheit als auch Gegenwart wie zwei, zwar miteinander verbundene, eigene Handlungsstränge funktionieren.

Daniel erinnert sich also an die Mutter, die nur zeitweise bei ihnen war und wenn, dann nur schlief, an die Grandma Morley, die sich liebevoll um die Kinder kümmert und sich doch mit dem Geist zuweilen ganz woanders war. Und an den Vater, der Geld mit illegalen Faustkämpfen verdiente. Bis zu dem Tag, an dem der Grundbesitzer des Stückchen Landes, auf dem Vater, Cathy und Daniel ihr Haus errichtet hatte, sie heimsuchte. Weiterlesen

Lionel Shriver: Die perfekte Freundin

Eine verzwickte Dreiecksgeschichte mit all ihren kleinsten Stimmungs-Verästelungen und -Verwirrungen beschreibt die amerikanische Schriftstellerin Lionel Shriver (geboren 1957) in ihrem dünnen Roman „Die perfekte Freundin“. Weston und Jillian waren früher mal ein Paar. Jetzt treffen sie sich noch dreimal pro Woche zum Tennis spielen. Das gefällt Westons neuer Freundin Paige überhaupt nicht. Sie will nur in Westons Heiratspläne einwilligen, wenn er Jillian für immer verlässt und verspricht, sie nie wiederzusehen.

Das stürzt den etwas entscheidungsfaulen Weston in tiefe innere Konflikte. Jillian, eine als etwas schrill und exaltiert beschriebene Hobbykünstlerin, scheint davon nichts zu bemerken. Im Gegenteil: Kurz vor der Hochzeit macht sie dem Brautpaar ein geradezu bombastisches Geschenk, was die Gesamtsituation nicht eben erleichtert. Weiterlesen

Elke Heidenreich: Männer in Kamelhaarmänteln: Kurze Geschichten über Kleider und Leute

Protect me from what I want“ So steht es jetzt auf den T-Shirts einer Frau, die sich immer wünschte, mit einem Musiker zusammenzuleben und die bekam, was sie sich wünschte ….

Ein prickelndes, erfrischendes Potpourri aus Anekdoten, Erinnerungen und skurrilen Geschichten findet sich in dem neuen Buch der bekannten Autorin Elke Heidenreich. Sie erzählt aus ihrer Kindheit und der Zeit ihrer Pubertät, als Kleiderfragen dem Alter entsprechend lebenswichtig wurden. Sie berichtet von Treffen mit Berühmtheiten, zu denen sie völlig unpassend gekleidet erschien. So geschehen bei einem Interview mit Heinz Rühmann, bei dem sie zu einer ihrer eigenen Jeans eine geliehene Seidenbluse trug, was dazu führte, dass der Schauspieler sie während des Gesprächs völlig ignorierte. Elke Heidenreich blickt auch zurück auf ihre Beziehung zu ihren Eltern und besonders zu ihrem Vater, „der einzige Mann, der Kamelhaarmäntel tragen konnte“.

Was die Autorin, die ich auch wegen ihrer anderen Bücher sehr schätze, in diesem Band in kleinen, feinen Geschichten zeigt, ist vor allem, was Kleider aus den Menschen machen können, im positiven wie im negativen, wie wichtig Kleidung für das Ego ist und wie fatal falsche Kleidung am falschen Ort für Reputation oder die eigene Selbstsicherheit sein kann. Weiterlesen

Mary Beth Keane: Wenn du mich heute wieder fragen würdest

Eine Familiengeschichte, eine Liebesgeschichte, eine Geschichte von Schuld und Verantwortung, all das ist dieser Roman. Ein Roman mit präzise ausgearbeiteten Figuren, lebensecht, sympathisch, mit Fehlern, Ängsten und Störungen, mit starken Persönlichkeiten und scheiternden Charakteren.

Kate und Peter wachsen auf als Nachbarskinder in einer Kleinstadt in der Nähe von New York. Ihre Väter sind beide Polizisten und haben kurz nacheinander die benachbarten Häuser in Gillam gekauft. Francis und Lena Gleeson haben drei Töchter, die jüngste ist Kate. Sie wird nur wenige Monate nach Peter geboren, dem einzigen Kind von Brian und Anne Stanhope. Während Lena in ihrer Familie zu Hause und mit Haushalt und der Erziehung der Kinder ausgelastet ist, kommt Anne nie wirklich im Kleinstadtidyll an und wird im Laufe der Jahre psychisch immer labiler. Das zeigt sich besonders in ihrem Umgang mit ihrem Sohn Peter und ihrer strikten Ablehnung seiner Freundschaft mit Kate. Schließlich ist genau das der Auslöser einer schlimmen Katastrophe, die das Ende der Freundschaft zwischen den Familien und die Trennung von Kate und Peter bedeutet. Sie verlieren sich aus den Augen. Weiterlesen