Aimee Molloy: Das Therapiezimmer

Eigentlich hätte es der erfolgreiche Psychotherapeut Dr. Sam Statler kaum besser treffen können: Zum ersten Mal hat es ihn emotional richtig erwischt. Er liebt seine Frau Annie von ganzem Herzen. Sie haben New York verlassen, um in Chestnut Hill, der Kleinstadt seiner Kindheit, ihren Lebensmittelpunkt aufzubauen. Dort lebt auch seine erkrankte Mutter in einem Pflegeheim. Nun könnte er sie regelmäßig besuchen und für sie da sein. Sogar die Praxisräume im Souterrain einer alten Villa passen bestens in Sams Arbeitskonzept. Und dank eines Zeitungsinterviews kommen ständig neue Patienten, die ihn weiter empfehlen.

Sam könnte kaum glücklicher sein, wenn nicht jemand im Verborgenen sein Leben stalkt und von Grund auf umkrempeln wollte. Ohne es zu ahnen, gerät er in große Gefahr.

Die Autorin Aimee Molloy begann ihre Karriere mit Sachbüchern. Und nachdem ihr Thrillerdebüt Die Mutter monatelang auf der Bestsellerliste der New-York-Times stand, schrieb sie einen Zweiten, der von Katharina Naumann übersetzt worden ist. In Aimee Molloys Thriller befindet sich ein luxuriöses Therapiezimmer im Zentrum des Geschehens. Weiterlesen

Willi Achten: Rückkehr

Jakob kehrt in das Dorf in den Bergen zurück, in dem er aufgewachsen ist. Dort muss vor vielen Jahren etwas Schlimmes vorgefallen sein. Jakob und seine Freunde setzten sich damals gegen einen gewissen Bolltner zur Wehr, der aus der unberührten Natur ein modernes Skigebiet machen wollte.

Willi Achtens Roman „Rückkehr“ ist für den Leser ein langes Tappen im Dunkeln. Erst im letzten Viertel des Romans erschließt sich, was damals vorgefallen ist. Es ist eine langsam erzählte Geschichte, die immer wieder von Natur- oder Landschaftsbeschreibungen ausgebremst wird, aber andererseits dadurch eine zur Bergwelt, in der der Roman spielt, stimmige Atmosphäre aufbaut.

​Als „archaisch“ ließe sich wohl die Grundstimmung dieses Textes beschreiben. Die Natur ist übermächtig, und die Menschen, die in ihr leben, sind etwas maulfaul und in sich gekehrt. Weiterlesen

Patricia Briggs: Alpha & Omega 06: Pfad der Wölfe

Der Marrok, Anführer aller Werwölfe in Amerika, entsendet drei seiner Besten um ein Rätsel zu lösen. Sein Sohn Charles, dessen Gefährtin, die Omega Anna und Tag, von dem Magie abperlt wie Wasser von einem Öltuch, machen sich nach Kalifornien auf. Im urwüchsigen Norden, inmitten einer Wildnis besitzt der Marrok seit Jahrzehnten Land, auf dem sich eine wilde Kolonie ausgebreitet hat, besser gesagt hatte. Hierher verschlug es menschliche Aussteiger, die nichts mehr mit der Zivilisation zu tun haben wollten, die es zurück zu ihren Wurzen zog.

Das Dorf ist verlassen, die Menschen verschwunden ausgerechnet hier, wo vor rund zwei Jahrhunderten ein magisches Übel mühsam in seine Schranken verwiesen, nie aber richtig besiegt worden war. Vor Ort angekommen stößt unser Triumvirat auf Spuren von Hexen, Göttern Wanderern und einem uralten Bösen, dem Sänger …

Über die Jahre hat Patricia Briggs mit ihren beiden, miteinander verzahnten Urban-Fantasy Reihen um die KFZ-Mechanikerin und Wer-Kojotin Mercy Thompson sowie die Werwölfe Alpha & Omega eine sehr eigenständige Schöpfung kreiert. Natürlich gibt es auch bei ihr Hexer, Vampire und Werwölfe – aber sie inkludiert immer auch Ungewöhnliches. Seien es die alt-irischen Fae, germanische Übernatürliche oder Walker, Naturgötter und Geister aus den indianischen Überlieferungen. Weiterlesen

Rainald Grebe: Rheinland Grapefruit. Mein Leben. Eine Autobiografie

Eine Biografie von und über Rainald Grebe?!? Ich war von der Idee begeistert – und wurde nicht enttäuscht. Sie ist genauso wie der Künstler, „darf man das noch sagen?“, selbst: Bunt, schillernd, ein wenig chaotisch und sprunghaft und dabei immer äußerst geistreich. Manchmal kommt sie recht laut daher, wenn er zum Beispiel von seiner Zeit in Berlin erzählt, dann aber auch wieder in ganz leisen Tönen, wenn er uns an seiner Krankheit und seinem Reha-Aufenthalt teilhaben lässt. Einfach anders als die anderen und darum vielleicht auch so ergreifend.

Selbst mit seinem Nachruf hat er sich bereits beschäftigt: „Und dann gibt es bei Facebook einen Todespost, zwei bis drei Tage geht der Bär ab: Fassungslos! So jung! Ich bin sprachlos! Trauer! Die Tournee wird weitergehn! Es ist gut, Rainald! Dann gibt es eine Todesnachricht auf dem Theaterportal nachtkritik, zwei Kommentare. Unfassbar! Wieder einer gegangen. In unseren Herzen lebst du weiter. Und dann verblasst das Ganze sehr schnell, denn der Outputmeister ist ja tot, der Instagrammer, der Posterboy postet nix mehr.“ (Seite 84) Weiterlesen

Grégoire Delacourt: Die wärmste aller Farben

Ob man einen Roman mag oder nicht, hängt ja oft davon ob, ob man die Hauptfiguren mag oder nicht. Bei dem vorliegenden Buch des französischen Bestseller-Autors bin ich deswegen hin und her gerissen. Denn die eine Hauptfigur beginnt man zu lieben, während die andere einfach nur abstoßend, unsympathisch ist.

Die Handlung spielt zur Zeit der Gelbwesten-Proteste in Frankreich. Pierre engagiert sich dabei an vorderster Front – wobei der Begriff Front hier tatsächlich wörtlich zu verstehen ist. Denn es hat den Anschein, als wähne sich Pierre im Krieg. Mit jedem und allen.

Mit seiner unversöhnlichen, aggressiven Art der Demonstration verdirbt er es sich nicht nur mit seinen Mitstreitern, vor allem verprellt und vergrellt er damit seine Familie. Louise, seine Frau, Krankenschwester auf der Palliativstation eines Krankenhauses, leidet mit jedem der Kranken mit, die sie versorgt. Sie leidet an Pierre und sie leidet an Geoffroy, ihrem Sohn.

Der ist 13 Jahre alt und Autist. Damit kommt Pierre überhaupt nicht klar. Seit das erkannt wurde, zieht er sich immer mehr von Frau und Kind zurück. Louise hingegen liebt ihren Sohn, so wie er ist. Und Geoffroy liebt Djamila. Sie ist etwas älter als er und die Einzige, die in der Schule zu ihm hält. Weiterlesen

Elisa Aseva: Über Stunden: Posts

„Über Stunden“ ist eine scharfzüngige und schwindelerregend feinsinnige Lektüre, die gleichsam wachrüttelt und fasziniert. Das Buch ist viel mehr als nur Posts, Prosaminiaturen und gesammelte Lyrik, denn zwischen den Zeilen ihrer ehrlichen, zum Teil politischen Statements und poetischen Alltagsbeobachtungen funkelt die Glut. Ja, Glut kann funkeln, wenn sie von Elisa stammt, dieser starken modernen Frau.

Im Kern geht es jedoch auch um ihre Erfahrungen als Woman of Color in Berlin. Dabei fängt sie eine rohe Wahrheit ein, die so persönlich und gleichzeitig so universell ist. Sie schreibt in einem lebhaften, coolen Stil und zeigt sich nur im Ungesagten verletzlich.

Mit einer guten Prise Humor und Ironie seziert sie poetisch Themen wie Rassismus, Klassenunterschiede, Gentrifizierung, Beziehungen und das Virus. Sie nimmt uns als Leser* an die Hand und lässt uns durch ihr Kaleidoskop in ihre Welt blicken. Weiterlesen

Laura Labas: Lady Of The Wicked 02: Die Seele des Biests

Darcia Bonnet ist die Herrin der Wicked, der bösesten Hexenseelen, die jemals gelebt haben. Um dies zu erreichen, musste sie dreizehn Hexen töten, auf einem Scheiterhaufen verbrennen und sich selbst ertränken. Nachdem sie all diese grausamen Aufgaben nun gemeistert hat, kann sie endlich ihren Wunsch verwirklichen und ihre Schwester Rienne zurück aus der Welt der Toten holen, denn Rienne starb vor vier Jahren, um Darcia zu schützen.

Doch als sie ihre Schwester endlich wieder in die Arme schließen kann, muss Darcia feststellen, dass die ersehnte Erlösung nicht weiter entfernt sein könnte. Denn Rienne scheint nicht die gleiche zu sein, die sie vor ihrem Tod war. Sie ist kalt und ungeduldig und scheint keine Liebe und kein Mitgefühl mehr zu spüren.

Als sei das nicht schon genug, muss Darcia auch noch erfahren, dass die Wicked noch lange nicht befriedigt sind. Sie zu beherrschen, bringt Opfer. Nicht überschaubare Zerstörung, die droht, Darcia auch noch das letzte zu nehmen, was ihr im Leben geblieben ist. Weiterlesen

Tracy Wolff: Die Katmere Academy Chroniken 01: Crave – Liebe mich, wenn du dich traust

Sie wuchs auf der Sonnenseite des Lebens auf. Die Rede ist von Grace, ein Surfer-Girl aus San Diego, ein Mädchen an der Grenze zur Erwachsenen, die jäh und unerwartet aus ihrem Idyll gerissen wird. Ausgerechnet nach einem unnötigen Streit, nach harten, herausgeschrienen Worten, verunglücken ihre Eltern und lassen sie allein auf der Welt zurück. Einen Onkel hat sie, passenderweise Leiter eines elitären Internats in den Weiten Alaskas. Ihre Cousine holt sie, die bislang Schnee nur aus dem TV kannte, mit einem Schneemobil am Flughafen im Nirgendwo ab, dann geht es in die Wildnis.

Abseits jeglicher Zivilisation taucht dann das Internat auf. Ein Bau, der sie an die Schlösser und Burgen Europas erinnert, bestückt mit Gargoylen und im Inneren Schüler, die sie alle ablehnen. Vehement ablehnen, mal abgesehen von ihrer Cousine und dem Bad Boy der Schule. Gleich zu Beginn ihres Aufenthalts bekommt sie eine Warnung mit auf den Weg. Niemanden, aber wirklich Keinem zu trauen, sich immer eine Fluchtmöglichkeit suchen und offenhalten. Gleich in der ersten Nacht wollen zwei Mitschüler sie leichtbekleidet vor die Tür werfen – bei minus 20 Grad! Sie sollte die Warnung und den damit verbundenen Rat also besser beherzigen. Weiterlesen

Henning Ahrens: Mitgift

Greta Derking war bis vor kurzem die Totenfrau eines kleinen niedersächsischen Dorfes. Sie wurde gerufen, wenn es galt, einen Verstorbenen herzurichten – zu frisieren, zu maniküren und zu kleiden, bevor er seinen letzten Weg antritt. Nun im Alter fühlt sie sich dieser Aufgabe nicht mehr gewachsen. Als ihr Nachbar, der einflussreiche Bauer Wilhelm Leeb, vor ihrer Tür steht und sie um ihre Dienste bittet, will sie zunächst ablehnen. Leeb, der sie vor vielen Jahren geheiratet hätte, wenn sie eine Mitgift in die Ehe hätte einbringen können. Als sie erfährt, wer der Tote ist, erklärt sie sich schließlich bereit.

Henning Ahrens erzählt die Geschichte der Familie Leeb über mehrere Generationen, Episoden aus vergangenen Jahrhunderten, detaillierte Schilderungen aus den letzten Jahrzehnten und kehrt immer wieder zurück zu jenem Augusttag im Jahre 1962, an dem Wilhelm Leeb an die Tür von Greta Derking klopft.

Die Leebs hatten sich im Laufe der Jahrhunderte einen kleinen Wohlstand erarbeitet, sie haben allen Widrigkeiten getrotzt. Es galt, das Familienerbe zu wahren, dafür war kein Opfer zu groß. Ahrens schreibt von Traditionen und Verpflichtungen. Über allem Geschehen liegt ein Schatten von Unbehagen, von stetiger Unzufriedenheit. Es wird selten gelacht. Weiterlesen

Joel Sartore: Photo Ark Wunder: Die einzigartige Vielfalt des Tierreichs

Zu viele Tierarten auf unserem Planeten sind vor dem Aussterben bedroht – und oft wissen wir noch nicht einmal, welche das eigentlich sind. Oder mit welchen faszinierenden Tierarten wir uns allgemein unseren Lebensraum teilen.

Dieses Buch zeigt es uns. Der Fotograf Joel Sartore hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Aufmerksamkeit der Menschen auf jede Art von Lebewesen zu lenken. Er nimmt den Leser und Betrachter mit auf seine Reisen und zeigt uns Tiere, mit denen wir gut vertraut sind, neben Tieren, deren Existenz wir uns nicht in unseren kühnsten Träumen ausmalen könnten. Seine Fotos sind einzigartig, charakterstark, manchmal witzig und insgesamt vor allem eines: atemberaubend. Jedes einzelne Lebewesen wird hier auf dem Papier lebendig und scheint aus dem Buch herauszukommen, um uns zu zeigen, dass es existiert und dass wir darauf achten müssen, dass das auch so bleibt.

Was dieses Fotobuch von jedem anderen Fotobuch über Tiere unterschiedet, ist die humorvolle, einsichtige und überzeugende Sortierung, die einen Ähnlichkeiten zwischen verschiedenen Tieren erkennen lässt, die niemand für möglich gehalten hätte. Außerdem sind die Bilder unterstrichen von Berichten des Autors über seine Reisen, unterstützt von Kommentaren seiner Frau und seiner Kinder, die einen staunen und schmunzeln lassen. Weiterlesen