Willem Frederik Hermans: Die Dunkelkammer des Damokles (1955)

Henris Lebensgeschichte ist keine normale Biografie. Als er ein Kind ist, tötet seine Mutter den Vater. Er selbst wird dadurch zu einem Außenseiter, dem Sohn einer verrückten Mörderin. In der Pubertät bleibt die Stimme hoch und der Wuchs klein. Auf die übliche Gesichtsbehaarung wartet Henri vergeblich. Sein Gesicht bleibt mädchenhaft. Er lernt Judo, so dass jeder Angriff seiner Mitschüler ins Leere geht. Am Anfang des Krieges rutscht er in den Widerstand, um gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Weil er für den Dienst an der Waffe zu klein geraten ist, folgt er einem gewissen Dorbeck, der ihm zum Verwechseln ähnelt. Immer wieder tötet er auf dessen Anweisung. Weiterlesen

Jonathan Stroud: Lockwood & Co. 04: Das Flammende Phantom, gelesen von Anna Thalbach

Lucy hat die Lockwood-Agentur verlassen und schlägt sich als freie Mitarbeiterin für andere Agenturen durch. Das ihr am nächsten stehende Wesen ist der wispernde Schädel, der – wie wir aus den Vorbänden wissen – nicht immer ein verständnisvoller Gefährte ist. Wirklich glücklich macht Lucy das neue Leben nicht, auch deswegen sagt sie sofort zu, als Anthony Lockwood sie bittet, ihn bei einem Auftrag zu unterstützen.  So kann sie sich in die Agentur flüchten, als ihr der Schädel gestohlen wird und sie sich mit einem Artefakte-Jäger-Ring anlegt, hinter dem deutlich mehr steckt, als es zu Anfang scheint. Weiterlesen

Jeff Kinney: Gregs Tagebuch 11: Alles Käse!

Im neuesten Comic-Buch-Abenteuer findet Jeff Kinney wieder zu den Ursprüngen der Greg Reihe zurück und mir hat das gut gefallen. War es im ersten Band ein Tagebuch, mit dem Gregs Mom ihn zu einem besseren Menschen machen wollte, so ist es in Band 11 ein Hobby, dass sie von ihm verlangt. Dabei hat Greg gerade erst – nicht ganz freiwillig – Lektüre gefunden , die ihn zu einem regelmäßigen Leser machen könnte: Die Schlotterbein-Romane von Reiner Grusel. Aber seine Mom möchte, dass er etwas „kreatives“ macht und außerdem steht gerade Halloween vor der Tür. Was bietet sich also besser an, als einen Horrorfilm zu drehen. Da Gregs Ego es zwar durchaus zulassen würde, Regie und Rollen gleichzeitig zu übernehmen, er aber einsehen muss, dass er unmöglich gleichzeitig vor und hinter der Kamera sein kann, muss sein bester Freund Rupert als Hauptdarsteller herhalten. Das ist – wie fast alles, was mit Rupert zu tun hat – nicht nur eine gute Idee. Weiterlesen

Richard Ford: Rock Springs: Short Storys

Richard Ford, amerikanischer Schriftsteller (Jahrgang 1944), erhielt  den Pulitzerpreis und PEN/Faulkner Award für seinen 1995 erschienenen Roman „Unabhängigkeitstag“. Ich-Erzähler und Protagonist Frank Bascombe aus diesem und den Romanen „Der Sportreporter“, „Die Lage des Landes“ und „Frank“ steht für den „American Everyman“. Und den Durchschnittsamerikaner treffen die Lesenden auch in den Kurzgeschichten „Rock Springs“ aus dem Jahre 1987, die dtv im November 2016 kurz nach den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen in einer Taschenbuchausgabe (übersetzt von Harald Goland) herausgegeben hat.

Darin zehn Short Storys, in denen Richard Ford über Menschen in ihren Alltagsleben erzählt. In einem Leben, das wenig mit dem amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär gemein hat. Die Menschen in Fords Kurzgeschichten bleiben, wenn sie Glück haben, Tellerwäscher. Weiterlesen

Julian Fellowes: Belgravia

Julian Fellowes hat das angestaubte Genre der Adelsgeschichten so populär gemacht, dass sein „Downton Abbey“ im Guinessbuch der Rekorde landete, als „die von Kritikern am besten bewertete TV-Serie“. Wer seit dem Serienende unter Entzugserscheinungen leidet, kann aufatmen: In seinem Roman Belgravia verknüpft der britische Autor gekonnt Liebe und Intrigen mit geschichtlichen Ereignissen des 19. Jahrhunderts. Industriealisierung, Emanzipation und Klassenkampf lesen sich unglaublich spannend vor dem Hintergrund des nobelsten Londoner Stadtteils.

James Trenchard hat es geschafft. Vom Sohn eines Markthändlers hat er sich zum Baunternehmer emporgearbeitet. Doch ein Schatten liegt auf ihm: Weiterlesen

Thomas Finn: Dark Wood

Reality-TV-Shows erobern immer mehr die Fernsehbildschirme. Ein neues Format erlangt immer mehr Aufmerksamkeit: Firmen in finanziellen Notlagen schicken ihre Mitarbeiter-Teams auf eine Abenteuerreise gegen andere Firmengruppen und der Gewinner erhält eine Geldspritze, die dem Unternehmen wieder auf die Beine hilft. Genau das richtige für die kleine Hamburger Werbeagentur.
Dagmar, Bernd, Lars, Gunnar, Katja und Sören werden auf einen Trip nach Trollheim in Norwegen geschickt und denken sich nichts Böses. Ein netter Outdoor-Urlaub und wenn alles gut läuft, haben sie danach weiterhin einen Job. Doch den Machern der Sendung schwebt Anderes vor und Trollheim ist nicht gerade ein geeignetes Touristenziel. Etwas Uraltes schlummert in den verlassenen Wäldern Norwegens … Weiterlesen

Ursula Poznanski: Elanus, gelesen von Jens Wawrczeck

Jona ist 17 Jahre alt und ein Supergenie. Zumindest in naturwissenschaftlicher, insbesondere mathematischer Hinsicht. Er wurde mit Stipendium auf eine Eliteuniversität aufgenommen und selbst da langweilt er sich in den Anfängerkursen. Leider erstreckt sich sein Genie nicht auch auf seine sozialen Kompetenzen und so eckt er immer und überall an und gerät sehr schnell in die Rolle des Mobbingopfers oder zumindest die die Rolle dessen, der sich so fühlt. Dabei ist er es, der auf den Nerven seiner Umwelt herumtrampelt, er ist ein Besserwisser und Klugscheißer und hält damit auch nicht hinter dem Berg. Als Ausgleich hat er sich „Elanus“ angeschafft, eine Drohne, mit der er all die heimlich beobachten kann, die ihm in seinen Augen Böses wollen. Weiterlesen

T.C. Boyle: Die Terranauten

Anfang der 90er-Jahre haben sich in den USA acht Menschen für zwei Jahre in eine künstliche Welt einschließen lassen, um ein Leben zu simulieren, das vollkommen unabhängig vom Rest der Erde auskommt. „Biosphäre 2“ hieß das Projekt. Es sollte wissenschaftliche Erkenntnisse für eine mögliche Station auf dem Mars liefern.

US-Kultautor T.C. Boyle hat unter dem Titel „Die Terranauten“ die Erfahrungen der Teilnehmer von damals zu einem 600-Seiten-Wälzer verarbeitet: Mit großem Enthusiasmus gestartet, kommt es schnell zu ersten Problemen. Die selbst erzeugten Nahrungsmittel sind einseitig und reichen nur so gerade eben aus, um das ganze Team zu ernähren. Wenn die Sonne draußen nicht scheint, produzieren die Pflanzen im Innern des Glaskomplexes nicht genügend Sauerstoff. Der Wert sinkt auf ein Level, das gefährlich für das Überleben der Menschen und Tiere wird. Weiterlesen

T. S. Orgel: Die Blaustein-Kriege 02: Sturm aus dem Süden

Die Macht des Kaiserreichs Berun ist legendär. Seitdem, vor Generationen die Reisenden die Götter niedergeworfen hatten, herrscht Berun über weite Teile der bekannten Welt. Feinde wurden unterworfen und zwangs-eingegliedert, Vasallen ans Reich gebunden.

Neben der Inquisition sorgte der Orden und dessen Ritter und Kriegsknechte dafür, dass der Machtanspruch absolut und unantastbar blieb. Der Orden hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Erbe der Reisenden zu bewahren und dafür Sorge zu tragen, dass die alten, besiegten Götter nie wieder aus ihrem Grab zurückkehren. Dass sie dabei die durch Blaustein geweckten, verpönten und unter Ächtung gestellten besonderen Gaben der Naturvölker selbst nutzen ist ein streng gehütetes Geheimnis. Doch es regt sich Widerstand gegen den schwachen, seinem eigenen Geschlecht zuneigenden Kaiser und dessen bestimmende Mutter. Widerstand von innen, wie von außen. Die Vasallenvölker rebellieren, eine Prophezeiung macht die Runde, dass die alten Götter aus ihrem Grab befreit und zu neuer Macht erhoben werden können. Weiterlesen

Fedor de Beer: Das Buch der 1269 Wünsche

Als die Großmutter der 13-jährigen Marit mit nur 69 Jahren bei einem Flugzeugcrash stirbt, ist das junge Mädchen zutiefst betrübt. Oma Johanna war immer so vital, stets auf Achse und hat niemals Ruhe genossen. Ganz so wie auch ihre Tochter Eva, die lieber in den Konzertsälen der Welt zuhause ist, als Zeit mit Marit zu verbringen. Dann entdeckt Marit ein über Jahre gehegtes Geheimnis im Nachlass ihrer Oma Johanna. 1943 gelangte eine jüdische Familie bestehend aus vier Kindern und den Eltern in einem nationalsozialistischen Arbeitslager in den Niederlanden. Nur eine der sechs Personen überlebte: das kleine Baby. Und das alles Dank Marits Urgroßmutter, die mutig das kleine Wesen an sich nahm. Weiterlesen