Stephan M. Rother: Die Königschroniken 03: Ein Reif von Silber und Gold

„Die Blätter der Esche welken, ein Thronwechsel steht bevor.“ Mit „Der Reif aus Silber und Gold“ neigt sich die epische Saga um die Königschroniken ihrem Ende zu. Das Kaiserreich der Esche hat sich seit Beginn der Geschichte sehr verändert, es sind Zeiten des Krieges angebrochen und die Figuren müssen die Seite wählen, auf der sie kämpfen. Im Mittelpunkt stehen diesmal besonders Sölva, die Tochter des Stammesfürsts Morwa, und Leyken, die junge Frau aus dem Oasenvolk, die durch die Suche nach ihrer Schwester Ildris auf der Esche gelandet ist und dort von den Herrschenden festgehalten wird. Beide Frauen haben das Schicksal des Kaiserreichs der Esche in ihrer Hand und können die entscheidenden Schachzüge in dem großen Krieg um das Fortbestehen der Welt machen.

Zur genauen Handlung möchte ich gar nicht so viel verraten, denn Neulingen der Trilogie soll auf keinen Fall die Spannung genommen werden. Auch ein Quereinstieg in diesen dritten Band sei niemandem zu empfehlen. Die Ereignisse aus dem ersten und zweiten Band werden zwar grob skizziert, aber man braucht diverse Hintergrundinformationen, um den Band wirklich genießen zu können. Die gelieferten Infos erleichtern aber den Wiedereinstieg, nachdem der zweite Band schon einige Monate zurückliegt. Weiterlesen

Jean-Philippe Blondel: Ein Winter in Paris

Der Weg in die Welt der Erwachsenen ist für Victor zunächst ein schleichender Prozess. Als Zweitgeborener nutzt er seine Freiheit, eigene Wege auszuloten. Einer ist das Lycée in Paris, die Eintrittskarte zur Eliteuniversität. Victor, das fleißige Landei mit scharfem Verstand, findet sich wie gewohnt in seiner Außenseiterrolle wieder. Ist er bei seinen Eltern der unverstandene Kluge, sehen die Mitschüler in ihm nur den mittellosen Provinzler. Wider Erwarten schafft er es im ersten Jahr unter die 20 Besten. In seinem zweiten einsamen und zugleich arbeitsintensiven Vorbereitungsjahr lernt er in den Pausen Mathieu kennen, der wie er als Außenseiter die gleiche ruhige Ecke zum Rauchen aufsucht. Auch Mathieu leidet unter dem Leistungsdruck und den verletzenden Bemerkungen der Lehrer.

An dem Tag, an dem Victor beschließt, Mathieu zu seinem Geburtstag einzuladen, eskaliert das angespannte Verhältnis zwischen dem angehenden Freund und einem Lehrer. Mathieu rennt aus dem Klassenzimmer und stürzt sich im Treppenhaus zu Tode. Victor ist bei diesem Freitod Ohrenzeuge und rennt zu ihm. Der Schock rüttelt ihn auf. Weiterlesen

Volker Kutscher: Marlow: Der siebte Rath-Roman

Der Schriftsteller Volker Kutscher (Jahrgang 1962) lebt und arbeitet in Köln. Mit seinen Krimis über den Kriminalkommissar Gereon Rath wurde er berühmt. Die Krimis spielen im Berlin der 1920er und 1930er Jahre. Die Krimireihe wurde mit dem Titel „Babylon Berlin“ u.a. unter Regisseur Tom Tykwer verfilmt. Die zweite Staffel läuft zurzeit in der ARD.

Volker Kutscher ist aktuell mit seinem siebten Rath-Krimi „Marlow“ in Deutschland auf Lesereise. Der Krimi ist am 30. Oktober 2018 im Piper Verlag erschienen.

„Marlow“ so heißen ein Mecklenburgisches Dorf und ein Verbrecherkönig in Berlin. Auf dem Gut des kaiserlichen Forstinspektors Friedrich Larsen in der Nähe von Marlow im Jahre 1918 beginnt Volker Kutscher in seinem Krimi „eine andere Geschichte“.

Und im Berliner August des Jahres 1935 steigt Gerhard Brunner im hellen Sommeranzug in das Taxi von Otto Lehmann. Der Taxifahrer gibt Gas und rast mit seinem Gast in vollem Tempo gegen eine Mauer. Weiterlesen

A. J. Steiger: Jeder von uns ist ein Rätsel

Alvie hatte es im Leben noch nie leicht. Mittlerweile ist sie 17 Jahre alt und lebt in einer eigenen Wohnung, ist so gut wie eine auf sich ganz allein gestellte Erwachsene. Dann kann sie endlich tun und lassen, was sie will. Doch kann sie dann auch keine Hilfe mehr in Anspruch nehmen und muss das Leben allein meistern. Und das hat so seine Tücken. Mehrmals wollten Ärzte und Psychologen Alvie schon das Asperger-Syndrom diagnostizieren. Ja, mit Menschen zu kommunizieren fällt Alvie zugegeben schwer. Mit Tieren ist es viel einfacher und die junge Frau liebt ihren Job im Wildpark. Dann fordert ihr Sozialarbeiter Alvie dazu auf, sich Freunde und soziale Kontakte zu suchen. Alvie wählt den 19-jährigen Stanley als ihr „Opfer“ aus. Er soll mit ihr schlafen, die einfachste Sache auf der Welt. Das wird Alvie doch wohl noch hinbekommen …

J. Steigers Roman stellt zwei ganz besondere junge Menschen in den Mittelpunkt der Handlung. Alvie hat eine soziale Behinderung in Form des Asperger-Syndroms, eine Form des Autismus. Sie ist lieber für sich oder unter Tieren. Soziale Interaktion fällt ihr schwer und sei es nur im Supermarkt an der Kasse. Sex hat sie schon bei Tieren beobachtet und selbst die bekommen das hin. Weiterlesen

André Herzberg: Was aus uns geworden ist

Am Anfang stehen die Mütter und die Väter: Horst, der Karriere in der Politik macht, von seinem Sohn Richard bewundert und verehrt; Harry, Arzt und strenggläubiger Vorsteher einer jüdischen Gemeinde, der seinen neugeborenen Sohn Eike beschneidet und so versucht, seinem Gott ein Stück näher zu kommen; Paul, der Affären hat und seine Frau Lea, die ihn mit Bob betrügt bis sie sich letztendlich trennen und vor allem ihren Sohn Jakob in tiefe Verwirrung stürzen; Lutz, das Heimkind, das auch seinen Sohn Anton und dessen Schwester in Moskau in ein Heim gibt, um der Partei besser dienen zu können; Jacques, der belgische Musiker, dessen Bruder im Lager in seinen Armen starb und der seiner Frau Gudrun in den neuen Staat folgt.

Sie alle sind jüdischer Abstammung, leben nach dem 2. Weltkrieg in Ostberlin, sind früher oder später zurückgekehrt oder neu angekommen und setzen Kinder in die Welt. Ihre Leben sind geprägt von Krieg, Verfolgung, Flucht, Angst, Emigration, Haft und Verlust. Sie flüchten sich in Schweigen über diese Zeit. Aufbruch ist angesagt. Ablenkung. Der Blick in eine bessere Zukunft. Weiterlesen

Lucy Invision & Tom Ellen: Dance. Love. Learn. Repeat.

Für Phoebe beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Endlich hat sie die Schule hinter sich und geht auf die Universität studieren. Doch gleich am ersten Tag erfährt sie etwas, das sie völlig aus dem Konzept bringt. Ihr langjähriger Schwarm Luke, früher ihr Klassenkamerad, geht auf die gleiche Uni! Doch er scheint sich nicht zu erinnern, dass er und Phoebe jahrelang gemeinsam die Schulbank gedrückt haben. Das könnte daran liegen, dass Phoebe sich nie getraut hat, ihre Gefühle öffentlich zu machen. Oder daran, dass Luke eine Freundin hat. Phoebe stürzt sich unglücklich in die Erstsemester-Woche und lernt neue Menschen kennen. Wer braucht schon Luke?

Nach „Sannah & Ham“ und „Never Evers“ ist „Dance. Love. Learn. Repeat.“ bereits der dritte Roman von Tom Ellen und Lucy Invision, der auf Deutsch übersetzt wurde. Im Mittelpunkt steht eine locker-flockige Collegestory in England, die sehr viele überaus witzige Szenen enthält. Weiterlesen

M. Hjorth & H. Rosenfeldt: Die Opfer, die man bringt

In diesem Roman ist der Kriminalfall selbst ganz interessant, aber nicht überragend und auch nicht wirklich besonders glaubhaft. Aber das Ermittlerteam ist wieder das ganze Buch wert. Da ist zunächst mal Sebastian Bergmann, der Kriminalpsychologe mit der psychischen Störung, der einfach den „Hosenstall nicht zulassen kann“. Der steht in direktem Konflikt mit seiner Tochter Vanja, ebenfalls erfolgreiche Polizistin und im gleichen Team, der er immer wieder in dem, was er unter „gutem Glauben“ versteht, das Leben ruiniert. Sie könnte keine erfolgreiche Polizistin ein, wenn sie sich das gefallen lassen würde. Mit Ursula hatten sowohl Sebastian als auch der Leiter des Teams Törgel bereits ein Verhältnis.

Törgel versucht das Team zusammenzuhalten, ist aber viel mehr mit seiner neuen Liebe beschäftigt. Und damit, dass sein Posten ausgerechnet der energischen Einsatzleiterin gefällt, die die Reichsmordkomission zu den Vergewaltigungsfällen zu Hilfe gerufen hat. Weiterlesen

Kai Wieland: Amerika

Die erste erschaffe, die zweite bewahre, die dritte zerstöre: Solcherlei Lektionen über den Generationenwandel erfährt ein junger Chronist, der mit vier Personen im „Schippen“ zusammensitzt. Der Treffpunkt im schwäbischen Dorf Rillingsbach hat wie der Ort seine besten Zeiten hinter sich. Er wurde vom Drei- zum Zweisternehotel über eine Vesperstube zur Kneipe heruntergewirtschaftet. Neben der Wirtin Martha, die nie aus dem Schwäbischen Wald herausgekommen ist, sitzen da noch Alfred, ein Amerikafan mit Faible für Kriegsfilme sowie der unbeliebte Frieder, der als Sohn des ehemaligen Oberscharführers auch nach dem Zweiten Weltkrieg gewisse Führungsansprüche für sich geltend gemacht hat. Alle drei sind über 80 Jahre alt. Sie sind Relikte in einem mittlerweile fast ausgestorbenen Ort. Jüngste im Bunde ist die wilde Hilde, immerhin erst 60 Jahre alt. Diese ist getreu dem Motto Sex, Drugs, Rock `n Roll mit amerikanischen GIs durch die Nächte gezogen. Während sie in Erinnerungen schwelgen, stößt der Chronist auf Ungereimtheiten und ein dunkles Geheimnis. Ein mysteriöser Todesfall scheint die Fronten im Dorf bis heute zu verhärten. Weiterlesen

C. Kurz & F. Rieger: Cyberwar – Die Gefahr aus dem Netz

Immer mehr Lebensbereiche sind digitalisiert. Im Privaten und im Beruflichen. Als die ersten Warnungen über Sicherheitslecks bekannt wurden, sagten noch viele, sie hätten nichts zu verbergen. Private Bilder in den sozialen Medien konnten nicht privat genug sein. Mit dem Handy in der Hand wird inzwischen ein großer Teil des Lebens organisiert: Geldangelegenheiten, Haustechnik, Konsum, informieren und kommunizieren. Was hinter den Programmen und Apps läuft, wissen die meisten nicht. Genauso wenig, wie das Innenleben von Computern, Routern, Fernsehern oder ferngesteuerten Elektrogeräten funktioniert. Nur technisch versierte Menschen erkennen Manipulationen. Sind die Platinen so, wie sie sein sollten? Wer hat sie gelötet, gibt es unerwünschte Funktionen? Was wäre, wenn jemand die Kontrolle über das eigene Handy und den Computer übernähme? Daten auswertet und verkauft? Die eigene Identität für kriminelle Aktionen nutzt? Dies geschieht täglich und extrem häufig.

Seit WikiLeaks und Edward Snowdens Veröffentlichungen dürfte jeder gewarnt sein. Was sich im Hintergrund abspielt, erfährt der Leser in der kurzweilig zu lesenden Zusammenfassung des Autorenteams Constanze Kurz und Frank Rieger. Weiterlesen

Hervé Le Tellier: All die glücklichen Familien

Der 1957 geborene französische Autor Hervé Le Tellier widmet sich in seinem neuen Buch „All die glücklichen Familien“ seiner Verwandtschaft. Auf dem Cover steht zwar „Roman“, aber eigentlich handelt es sich um eine Autobiographie, die sich kritisch vor allem mit seiner Mutter Marceline, seinem Stiefvater Guy und seinem leiblichen Vater Serge auseinandersetzt. Schon ein Buchzitat auf der Rückseite des Covers weist auf diese Stoßrichtung hin: „Mir war schon immer klar, dass meine Mutter verrückt ist.“

Besagte Mutter wird dabei als durchgeknallt, bösartig und lieblos beschrieben, der Stiefvater als geizig und blass, der Vater als Fremdgeher. Viele andere Figuren wie eine Halbschwester, die Großeltern, Onkel und Tanten kommen vor (und kriegen ebenfalls ihr Fett weg), so dass man als Leser ein wenig aufpassen muss, um den Überblick zu behalten. Ein Stammbaum am Anfang erweist sich als hilfreich. Weiterlesen