Katie Daynes: Warum muss ich Zähne putzen?

Wer kennt es nicht? Das leidige Thema Zähne putzen. Wie schön ist es da, wenn man für seine Argumentation dieses liebevoll gestaltete Buch an die Hand bekommt.

Kindgerecht und spielerisch wird in ihm erklärt, warum wir überhaupt Zähne putzen müssen. Wie wir sie richtig putzen. Und zum Beispiel auch, wie es in der Tierwelt aussieht. Hier lernen sogar die Erwachsenen noch etwas. Wussten Sie zum Beispiel, dass Giraffen gar keine oberen Vorderzähne haben oder welches Tier die meisten Zähne hat? (Nein, es ist nicht das Krokodil)

Durch die vielen Klappen gibt es dabei für die jungen Leser jede Menge zu entdecken. Die Illustrationen von Marta Álvarez Miguéns sind ansprechend und kindgerecht, in dezenten Farben. Die einzelnen Seiten wirken trotz der vielen Bilder nicht überladen. Sehr gelungen finde ich, dass im Buch Kinder verschiedene Nationalitäten vorkommen, sodass sich alle kleinen LeserInnen angesprochen fühlen sollten.

Mit diesem Buch macht dann sogar Zähne putzen Spaß!

Katie Daynes: Warum muss ich Zähne putzen?.
Usborne Publishing, September 2020.
12 Seiten, Gebundene Ausgabe, 9,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Nadine Roggow.

Karen Dionne: Die Rabentochter

Für Rachel, die Rabentochter, ist das Leben wie ein bitterböses Märchen. Mit nur einem Unterschied, alles um sie herum passiert nicht in der Fantasie. In der harten Realität wurden ihre Eltern getötet. Zu diesem Zeitpunkt war sie elf Jahre alt. Weil sie schwer traumatisiert ist, wird Rachel in der Psychiatrie behandelt. Keiner kann ihr helfen, ihre Erinnerungslücken zu schließen. Dies liegt unter anderem an Rachels Schuldgefühlen.

Nach fünfzehn Jahren lebt sie noch immer in der geschlossenen Psychiatrie. Vom Leben hat sie nicht viel gelernt, nur das, was sie zum Überleben zwischen psychisch Kranken braucht. Nach wie vor glaubt sie, am Tod ihrer Eltern schuld zu sein. Und sie glaubt, würde sie davon erzählen, hielten die Ärzte sie endgültig für verrückt. Aber so verrückt ist Rachel nicht. Sie schweigt mit der Gewissheit, das Leben in Unfreiheit zu verdienen. Es wäre die gerechte Strafe für ihre Schuld.

Rachels Alltag erfährt eine Wendung, als der Bruder ihres Freundes sie interviewt. Für sein Studium möchte er ihr Schicksal und den damit verbundenen alten Kriminalfall neu bearbeiten. Und ohne dass es Rachel für möglich hält, erfährt sie etwas Neues. Etwas, das sie aufrüttelt und den Mord ihrer Eltern anders aussehen lässt.

Viel zu schnell bringt sie die Spurensuche nach verdrängten Erinnerungen in eine tödliche Gefahr. Weiterlesen

Volker Klüpfel & Michael Kobr: Funkenmord

Mit dem so genannten „Funkenmord“ an Karin Kruse begann damals die Karriere von Hauptkomissar Kluftinger. Mit dem Funkenfeuer, einem Brauch aus dem alemannischen Raum, wird der Winter im Allgäu ausgetrieben. Nach Dreikönig beginnen die jungen Leute in den Dörfern mit dem Sammeln alter Weihnachtsbäume und sonstigem Brennmaterial. Am ersten Fastensonntag des Jahres wird das trockene Holz auf einer großen Wiese vor dem Dorf zu einem hohen Haufen geschichtet. Oben auf den Stapel kommt die „Funkenhex’“, eine Strohpuppe. Am Funkensonntag versammeln sich die Einwohner der Dörfer an ihren Funken und entzünden sie. (Quelle:  Allgaue.de)

In Kluftingers Fall wurde allerdings damals ein Unschuldiger verurteilt. Ihm versprach Kluftinger (vor dessen Tod im vorangegangenen Fall), den wirklichen Mörder zu finden. Der Hauptkommissar ist daher fest entschlossen, den Mord wieder aufzurollen, doch seine Kollegen zeigen wenig Interesse an einem Cold Case. Einzig die neue Kollegin Lucy Beer, die für den verstorbenen Strobele ins Team gekommen ist, unterstützt Kluftinger ernsthaft bei den Ermittlungen.

Darüber hinaus wird er, nach dem Abgang von Birte Dombrowsky, auch noch zum Interims-Präsidenten ernannt und muss sich in die Würden dieses Amtes einarbeiten. Weiterlesen

Maude Barlow: Das Wasser gehört uns allen!

Laut Buchcover bezeichnete Naomi Klein die Autorin als „eine der größten Verteidigerinnen des Wassers“. Eine Bezeichnung, die vermutlich zutrifft, denn Maude Barlow ist eine international renommierte Wasseraktivistin und setzt sich seit Jahrzehnten für den Schutz des Wassers und ein Grundrecht darauf ein.

Um das Thema Wasser geht es auch in ihrem neuen Buch. Marlow zeigt dort anhand erschreckender Beispiele auf, welche Missstände durch die Privatisierung des Zugangs zu Trinkwasser in der Welt herrschen. Hierbei wiederholt sich immer wieder das Bild, dass zuvor öffentliche Quellen privatisiert und danach nur noch von großen Getränkeherstellern für deren Abfüllanlagen genutzt werden dürfen. Der örtlichen Bevölkerung wird der kostenfreie oder zumindest kostengünstige Zugang zu sauberem Trinkwasser verwehrt.

Es ist erschreckend, über dieses hässliche Gesicht der Kommerzialisierung von Wasser zu lesen. Aber es ist meiner Ansicht nach gerade für uns im Wohlstand lebende Westeuropäer wichtig zu wissen, mit welchen Methoden die Konzerne agieren, deren Produkte wir alltäglich im Supermarkt vorfinden.

Doch die Schilderung dieser negativen Seiten ist für Maude Barlow nur der Ausgangspunkt, um Wege aufzuzeigen, wie es besser gehen kann. So berichtet sie vom „Blue Community Project“, das in Kanada im Kampf gegen die Wasserprivatisierung entstand und zum Ziel hat, die Wasserversorgung in der öffentlichen Hand zu belassen oder in diese zurückzuführen. Das Projekt hat mittlerweile auch in Europa in einigen Ländern Fuß gefasst. Weiterlesen

Rachel Joyce: Miss Bensons Reise

Bei Rachel Joyce darf man sich immer über originelle Figuren und unkonventionelle Handlungen freuen. So auch in ihrem neuen Buch, in dem sie uns von Margery Benson erzählt, einer leicht verschrobenen Hauswirtschaftslehrerin, die einen Traum hat: sie möchte den goldenen Käfer finden, den bislang noch niemand entdeckt hat. Als sie ein Kind war, hatte ihr Vater ihr ein Bild dieses Käfers gezeigt und damit ihr Interesse an diesen Tieren in ihr geweckt. Doch aus vielerlei Gründen hat sie diesen Traum jahrelang in ihrem Herzen verborgen, erst ein für sie erschütterndes Ereignis bringt sie dazu, ihr Leben zu ändern. Sie plant eine Reise nach Neukaledonien, um den Käfer zu suchen.

Aber sie möchte die Reise verständlicherweise nicht allein antreten und sucht eine Assistentin. Unter anderem meldet sich Enid Pretty, eine offensichtlich nicht sehr gebildete, dafür aber umso hübschere und vor allem ausgesprochen redselige junge Frau, mit anderen Worten das komplette Gegenteil der verklemmten, scheuen, wortkargen Miss Benson. Doch trotz all der Widrigkeiten, all der Gegensätze entsteht zwischen den beiden Frauen eine tiefe Freundschaft. Beide haben ihre Geheimnisse und ihre Träume. Beide haben viel mehr innere Stärke, als sie selbst ahnen und beide wachsen über sich selbst hinaus, als ihnen Gefahr droht. Weiterlesen

Amélie Nothomb: Die Passion

Es gibt kaum eine Geschichte, die so bekannt ist, wie das Leben von Jesus Christus. Sein Leben und seine Taten sind vielfältig aufgeschrieben worden, werden in Kirchen gepredigt und bestimmen viele unserer heutigen Feiertage. Doch wie fühlte Jesus sich eigentlich auf diesem Weg? Was dachte er? Und wie geht es ihm damit, sich für die Menschheit zu opfern?

Amélie Nothomb befasst sich in ihrem neuen Buch „Die Passion“ mit diesen Fragen. Sie beschreibt aus der Perspektive Jesus die Nacht vor seiner Hinrichtung, die er alleine in einem Kerker verbringt. Hier reflektiert er sein bisheriges Leben und versucht, sich selbst Stärke zu geben, damit er ruhig und ohne Angst in den Tod gehen kann. Jesus wird her zutiefst menschlich. Er denkt an seine Frau Maria Magdalena, er beschreibt seinen Groll in Bezug auf die Menschen. Er bedauert, dass seine guten Taten immer auf Unwillen gestoßen sind und niemand das Geschenk einfach annehmen konnte, das ihm gemacht wurde.

Am Ende der Nacht muss der Leser Jesus noch nicht verlassen, er begleitet ihn auf seinem Leidensweg zur Hinrichtung. Man fühlt seinen Schmerz, seine Verzweiflung und auch die Stärke, die er in sich trägt und die ihm von außen gegeben wird. Weiterlesen

Polly Clark: Tiger

Seit Jahren beobachtet und dokumentiert Frieda im Forschungsinstitut das Verhalten von Bonobos. Die friedfertigen Primaten lenken sie wunderbar von sich selbst ab. Seit sie das Opfer eines Überfalls wurde, ist sie versehrt, körperlich und psychisch. Mit Morphin aus der Institutsapotheke kann Frieda zur Ruhe kommen, wenn Alkohol dafür nicht mehr ausreicht. Sie wird ertappt und gefeuert. Mit viel Glück bekommt sie eine neue Stelle in einem etwas sonderbaren Privatzoo. Dort soll sie sich eigentlich um die Bonobos kümmern, doch als eine ausgemergelte einäugige Sibirische Tigerin in dem Zoo landet, wird Frieda zu deren Betreuerin ernannt. Es entwickelt sich eine ganz besondere Beziehung.

Tomas‘ Vater ist entschlossen, in Sibirien ein Tigerreservat aufzubauen. Er hat ein großes Gebiet gepachtet, vermisst und dokumentiert jeden Abdruck einer Tigerpfote, stellt Kamerafallen auf, kämpft um Fördergelder. Nachdem ein hochrangiger Politiker seinen Besuch ankündigt hat, schickt er Tomas in die Taiga, um frisches Bildmaterial von der Gräfin, der größten Tigerin in der Gegend, und von ihren beiden Jungen zu beschaffen. Es ist der strengste Winter seit Menschengedenken. Tomas macht sich auf den Weg. Er stößt auf die Fährte der Gräfin und folgt ihr. Als er auf die Tigerin trifft, wird daraus die wichtigste Begegnung seines Lebens. Weiterlesen

Thomas Stipsits: Uhudler-Verschwörung. Ein Stinatz-Krimi

„Uhudler“ bezeichnet einen Wein, der im österreichischen Südburgenland als Cuveé hergestellt wird. Weil er nicht gerade Tafelweinqualitäten aufweist, wurde er auch lange Zeit „Haustrunk“ genannt. Aufgrund seines erhöhten Methanolgehaltes war er ab den 1980-er Jahren in Österreich verboten, bevor er eine Rehabilitation und eine Renaissance erfuhr.

Thomas Stipsits´“Uhudler-Verschwörung“ ereignet sich in Stinatz, einem Ort in eben diesem Südburgenland.

Zwei Weinbauern vermarkten Uhudler. Einer von ihnen, Alois Stipsits (Namensgleichheit mit dem Autor!), wird in seinem Weinkeller tot aufgefunden. Offenbar ist ein Ventilator ausgefallen und er ist an Gärgasen erstickt.

Gruppeninspektor Sifkovits glaubt nicht an eine natürliche Todesursache und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Unterstützt wird er dabei von seiner Mutter Barbara, „Baba“ genannt, und ihren kuriosen Freundinnen, die natürlich über allerlei Hintergrundwissen verfügen und bestens im Dorf vernetzt sind.

Sie dienen Sifkovits als wichtige Informantinnen, während er selbst mit einem kleinen Peugeot mit quietschenden Bremsen durch die Gegend kurvt und bei jeder Gelegenheit Käsepappeltee trinkt. Weiterlesen

Ellen Alpsten: Die Zarin

Der Titel führt den Leser auf die richtige Spur: Der Roman hat sich eine der großen Figuren der Weltgeschichte zum Thema gesucht: Katharina die I. Sie war nach dem Tod von Peter dem Großen für zwei Jahre die Kaiserin oder eben Zarin von Russland. Der Roman führt den Leser zu Beginn (leider in einem Prolog) an das Sterbebett des großen aber auch brutalen Zaren. Der Leser erlebt diese Situation und die gesamte Handlung des Buches aus der Ich-Perspektive Katharinas. Das Ableben des Zaren hinterlässt ein Macht-Vakuum in Sankt Petersburg des Jahres 1725. Katharina berät sich mit Fürst Menschikow, wie sie die Regierung des Zarenreiches in den eigenen Händen behalten kann.

Mit dem Ende des Prologs schlägt der Beginn des ersten Kapitels  eine zeitliche Rückblende und räumlichen Bogen zur jugendlichen Katharina irgendwo in Litauen. Der Leser, der sich gerade auf die eingangs genannte Situation eingelassen hat, darf sich neu orientieren.

Die Autorin erzählt die Geschichte dieser beeindruckenden Frau auf der Grundlage geschichtlicher Daten. Katharina wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Damals hieß sie noch Martha. Später heiratet sie einen schwedischen Soldaten und wurde nach dem Tod ihres Mannes mit dem Fürst Menschikow bekannt. Weiterlesen

Agnès Poirier: An den Ufern der Seine

„… Wann immer die Stadt der Lichter den Besitzer wechselt, gerät die westliche Zivilisation aus dem Gleichgewicht. So ist es seit sieben Jahrhunderten; so war es 1940 …“ (S. 123)

Sie wohnen auf der linken Seite der Seine. Sie sind die Elite, die Intellektuellen und pflegen ihren eigenen Lebensstil. Der Zweite Weltkrieg rüttelt an ihren Glaubenssätzen. Die Besetzung von Paris mit dem einhergehenden harten Regime der Deutschen bringt ihnen Hunger, Unfreiheit, Verrat durch die eigenen Landsleute und im schlimmsten Fall den Tod. Einige von ihnen wandern aus, oder verstecken sich weit weg von Paris. Andere bleiben. Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Albert Camus und viele andere diskutieren über ihre Situation nach der Befreiung.

„[…] Es war die Zeit, die Wirklichkeit […] zu betrachten, wenn man sie verändern wollte.“  „ […] Die Zeit der Selbstgefälligkeit und Doppelbödigkeit war vorbei. […] Man musste sich engagieren. […] Die Lehre, die man aus dem Krieg gezogen hatte, lautete: Gleichgültigkeit erzeugt Chaos.“ (S. 163)

Sie gründen und schreiben für ihre eigenen Zeitschriften, die aufgrund des Papiermangels zunächst einen geringen Umfang hat. Sie wollen schockieren, aufrütteln und die Welt verändern. Es ist die Geburtsstunde des  Existenzialismus. Einige von ihnen, die zuvor lokale Bekanntheit genossen, werden länderübergreifend berühmt. Ihr Leben verändert sich mehr, als sie ahnen. Weiterlesen