Linda Schipp: Guilty Pleasure

Fünf einander völlig fremde Menschen reisen in das berüchtigte Luxushotel, um ihrem tiefsten, oft illegalen Begehren freien Lauf zu lassen. Sie wiegen sich in absoluter Sicherheit, geschützt durch die Mauern der Isolation und das Versprechen totaler Verschwiegenheit. Was sie jedoch nicht ahnen: Das gesamte Hotel ist mit einem hochmodernen Kamerasystem ausgestattet. Und es kommt noch schlimmer, als es sich jeder von ihnen in seinen schlimmsten Albträumen hätte ausmalen können. Dieses System zeichnet die Ereignisse nicht bloß auf – es streamt sie live. Als unzensierte Reality-Show. Direkt ins Internet, zugänglich für die ganze Welt. Da das Hotel komplett von der Außenwelt abgeschnitten ist, kann niemand die Gäste kontaktieren. Niemand kann sie warnen oder aufhalten. Während die Welt geschockt zusieht, sind die fünf Protagonisten im Begriff, vor laufender Kamera entsetzliche Verbrechen zu begehen. Die Schlinge zieht sich unaufhaltsam zu.

Die Geschichte nimmt extrem schnell an Fahrt auf und wird überraschend schnell sehr brutal. Die Machenschaften der fünf Fremden entwickeln sich deutlich blutiger, als man es zu Beginn vermuten würde. Unterstützt wird dieses Treiben von einer permanent düsteren, fast schon beklemmenden Atmosphäre. Das Setting der einsamen Insel funktioniert hier wunderbar und transportiert das Gefühl des Ausgeliefertseins perfekt.

Man muss der Autorin eines lassen: Das Konzept ist toll. In einem übersättigten Thriller-Markt, in dem sich viele Plots ähneln, fühlt sich die Idee einer unfreiwilligen, weltweiten Live-Übertragung von Verbrechen unheimlich erfrischend und unverbraucht an. Der moralische Aspekt – dass die Welt zuschaut, während Menschen sich selbst zerstören – bringt eine spannende gesellschaftskritische Note hinein. Auch der Einstieg war dadurch ein absoluter Pageturner.

So stark das Buch beginnt, so sehr gerät es leider im Mittelteil ins Stolpern. Nach dem fulminanten Start traten für mich spürbare Längen auf. Zudem verlässt die Geschichte an einigen Stellen den Pfad der Glaubwürdigkeit. Manche Entwicklungen und Handlungen der Figuren wirkten auf mich zu weit hergeholt, unlogisch und schlichtweg realitätsfern. Was mich jedoch am meisten gestört hat, war die Struktur der Plot-Twists. Die Autorin bedient sich im Grunde über den gesamten Verlauf nur eines einzigen erzählerischen Mittels, um Wendungen herbeizuführen. Wenn ein Kniff jedoch immer und immer wieder wiederholt wird, gibt es bald keinen Überraschungseffekt mehr. Statt unvorhersehbar zu wirken, driftete die Story dadurch leider ins Einfallslose ab.

Auch der Epilog entpuppte sich für mich als Schwachstelle. Er hat der Geschichte keinen echten Mehrwert geliefert und fühlte sich beim Lesen leider ein wenig wie Zeitverschwendung an.

Trotz all dieser Kritikpunkte hat das Buch eine große Stärke: Es verliert nie komplett seine Spannung. Obwohl ich mich über Logiklücken geärgert habe, war der Drang, weiterzulesen, permanent da. Ich wollte unbedingt wissen, wie das Experiment endet, wer am Ende entlarvt wird und was als Nächstes passiert. Das Buch hat definitiv einen hohen Suchtfaktor.

Die Bewertung für „Guilty Pleasure“ fällt mir so nicht leicht. Auf der Waagschale liegen eine absolut geniale Grundidee und ein hoher Unterhaltungswert gegen Ende, die jedoch von einem schwächelnden Mittelteil ausgebremst werden. Ein von Grund auf schlechtes Buch ist es aber keineswegs. Trotz der Schwächen fühlte ich mich über weite Strecken gut unterhalten. Für mich bewegt sich der Thriller im soliden Mittelfeld. Wer über ein paar Logiklücken hinwegsehen kann und Lust auf ein schnelles, blutiges und atmosphärisch düsteres Kammerspiel hat, dem kann ich das Buch durchaus für ein paar spannende Lesestunden empfehlen.empfehlen.

Linda Schipp: Guilty Pleasure: Fünf Fremde. Fünf dunkle Geheinisse. Ein Hotel ohne Regeln.
Heyne Verlag, April 2026.
400 Seiten, Paperback, 17,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Katja Plattner.

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