E. L. Chen: Slasher Summer: Heute Nacht werdet ihr alle sterben

In „Slasher Summer“ von E. L. Chen treffen sich sieben ehemalige Freunde aus einem Horrorfilm-Club nach vielen Jahren wieder. Sie wollen ein gemeinsames Wochenende in einer abgelegenen Waldhütte verbringen. Bemerkenswert daran ist, dass eben jene Hütte, abseits der Zivilisation, einst als Drehort für den kultigen 80er-Jahre-Slasherfilm „Slasher“ diente. Eigentlich soll das Ganze nur ein nostalgischer Ausflug werden, bei dem alte Erinnerungen aufgefrischt werden. Es sollte anders kommen!

Ziemlich schnell kippt die Stimmung. Kaum ist es dunkel, taucht plötzlich eine Gestalt auf, die genauso aussieht wie der maskierte Killer aus dem Film. Erst glauben die Freunde noch an einen schlechten Scherz oder eine aufwendige Inszenierung. Aber als die Reifen ihrer Autos zerstochen werden und die ersten Menschen in Lebensgefahr geraten, wird klar, dass ihr aller Leben auf dem Spiel steht.

Während der Killer Jagd auf die Gruppe macht, kommen nach und nach alte Konflikte, Geheimnisse und ungelöste Probleme aus der Schulzeit ans Licht …

Um dies vorwegzunehmen: Das Buch ist kein Horror-Meisterwerk. Es nutzt recht geschickt die Motive der klassischen Slasherfilme, um von dort aus tiefer zu gehen.

Gespickt mit Anspielungen auf die Klassiker – hier kommen mir „Freitag der 13.“ oder auch „Halloween“ in den Sinn – baut der Roman in erster Linie auf das Kopfkino seiner Leserinnen und Leser. Dabei präsentiert Chen uns die bekannten Versatzstücke. Die einsame Waldhütte, den Maskenkiller, die isolierte Gruppe, jede Menge Verdächtige und ein hohes Tempo. Die Autorin will natürlich auf den Erinnerungen an die blutigen Horror-Gemetzel aufbauen, geht dann aber tiefer.

Als zweite Ebene zeigt sie uns, wie sich die Jugendlichen von einst weiterentwickelt haben, was aus ihnen wurde und, weit wichtiger, ob und wie sie sich aus ihren alten Rollenbildern lösen konnten und können.

Allerdings bleibt gerade hier, wo es interessant würde, vieles oberflächlich, ja sogar vorhersehbar. Zu viele der Figuren agieren klischeehaft; ich wurde mit keinem Protagonisten wirklich warm.

So verschenkt der Text Potenzial. Wer einen tiefgründigen Thriller mit sorgfältiger Charakterzeichnung und Entwicklung erwartet, wird enttäuscht. Stattdessen gibt es einen blutigen, manchmal überdrehten Horror-Spaß, der Fans von Slasherfilmen gut unterhält – mehr aber auch nicht.

E. L. Chen: Slasher Summer – Heute Nacht werdet ihr alle sterben (Slasher Summer – 2026)
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Anette Hahn
Fischer TOR Verlag, September 2026
367 Seiten / Paperback / € 18,00
Titelillustration von Doug Sirois

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr

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