Zen Cho: Die Magier Seiner Majestät

Es war noch nie einfach der Königliche Magier der Sozietät Widernatürlicher Philosophen,   zu sein. Die internen Streitigkeiten, Machtspiele und der Versuch der Krone auf die magisch Begabten Einfluss zu nehmen machten den Posten nicht eben zu einem wirklich begehrenswerten Ziel. Von den Anfeindungen der Feen und ihres Hofes wollen wir da gleich einmal schweigen. Doch, seitdem Zacharias Wythe die Stellung übernommen hat, haben sich die Dinge rapide verschlechtert. Grund dafür ist zum Einen, dass die aus dem Feenreich nach Britannien einsickernde Magie seit einiger Zeit an der Grenze zurückgehalten wird, die Macht der Magier also schmilzt, zum Anderen, dass Zacharias sich mit der herrschenden Klasse, dem Adel und seiner Verflechtungen schwer tut.

Zacharias wurde von seinem Ziehvater in den Kolonien als Sklave gekauft und unterrichtet. Zacharias ist schwarz – und das ist, nicht nur für den Adel, sondern auch für die besseren Kreise ein Problem. Dazu kommt, dass er auf die öffentliche Meinung nicht allzu viel Wert legt, sich den Bällen und Diners verweigert und ganz in seinen Studien aufgeht.

Während Konkurrenten und Neider fest an seinem Stuhl sägen, erste magische Mordanschläge auf ihn unternommen werden, trifft er in einem Haus zur Aufzucht magisch begabter Damen auf eine junge Frau, Prunella mit Namen, deren magisches Talent ebenso groß, wie ihre Cleverness ist. Dass diese dazu noch nicht weniger als sieben unausgebrütete Eier magischer Gefährten ihr Eigen nennt, könnte das fragile Machtgefüge der Insel gehörig durcheinanderwirbeln – gab es solch eine Machtfülle konzentriert auf einen Magier doch noch nie. Dass so nebenher ein Krieg gegen die Franzosen ansteht, und die Feen sich ganz offen auf die Seite einer Kolonie schlagen erhöht die Ruhephasen unseres Zacharias ebenso wenig, wie die Tatsache, dass er sich zu Prunella hingezogen fühlt …

Zen Chos Romanerstling hat in Großbritannien für Furore gesorgt. Unaufgeregt, hintergründig und phantasievoll spielt die Autorin in ihrem wohltuend anheimelnden Roman mit dem Genre.

Verbohrte, erzkonservative Magier gibt es, das Empire auf dem Zenit seiner Macht dient als Kulisse, und dazu gemixt hat sie einen Farbigen, der dank seiner unbestrittenen Kräfte als Anführer der Zauberkräftigen Englands berufen wurde, Feen, Verrat und Emanzipation. Das ist eine explosive Mischung, um so mehr, als die Autorin ihre Prunella als aufgeweckte Frau zeichnet, die ihren Weg mit Chupze aber auch Charme geht.

Dabei spricht die Autorin durchaus ernste Themen an – neben der Gleichberechtigung geht es um Ausgrenzung Farbiger, er geht um Fortschritt und Veränderung gegen den Widerstand konservativer Kreise und um den Versuch eben dieser, ihre Machtbasis zu zementieren. Das alles aber sehr angenehm erzählt, ohne große Gewaltschilderungen dafür mit dem Blick für liebenswürdig ausgeführte Details und Situationskomik. Das wirkt, bei all der Unaufgeregtheit wohltuend anders, statt Weltuntergangsstimmung oder riesiger Heere warten Salons, Herrenhäuser und Höfe auf uns und zwei Hauptpersonen, die ebenso detailreich wie liebevoll gezeichnet wurden und uns förmlich in die Handlung ziehen. Weiter so Mrs Cho, so etwas braucht die moderne Fantasy.

Zen Cho: Die Magier Seiner Majestät.
Knaur, November 2016.
448 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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