Stefan Moster: Alleingang

Freddy ist einundfünfzig Jahre alt, als er zum dritten Mal aus dem Gefängnis entlassen wird. Am Tag seiner Entlassung nimmt er die LeserInnen mit hinaus in die Freiheit und in seine Erinnerungen an sein Leben davor.

Hineingeboren in eine asoziale Familie wächst der junge Freddy mit elf älteren Geschwistern bei der Großmutter in einem heruntergekommenen Haus auf. Unter den Geschwistern gilt das Recht des Stärkeren. Lieblosigkeit, Gewalt und billiges Vokabular sind an der Tagesordnung und nicht eben förderlich für Freddys Entwicklung. Wäre da nicht sein Kinder- und Jugendfreund Tom aus der Nachbarschaft, der wohlbehütet als Einzelkind in geordneten Verhältnissen lebt, würde Freddy vielleicht gar nicht realisieren, dass er und seine restliche Familie ein Außenseiterdasein führen.

Mit Tom verlebt er Kindheitsabenteuer. Später führt Tom ihn in seine Clique ein, mit der er nach Griechenland reist. Während die anderen nach der langen Fahrt apathisch auf die Landschaft reagieren, ist Freddy jemand, der sich unverhohlen freuen kann. Er schreit seine Begeisterung beim Anblick des Meeres laut heraus. Noch weitere Ereignisse dieser Reise haben sich in Freddys Erinnerungen eingeprägt.

Zu Hause in der Studenten-WG von Tom und seinen Freunden bezieht die Clique Stellung gegen Kernkraft, Startbahn West und Pershing-Raketen. Und während die anderen sich mit ihrer links-alternativen Einstellung moderat im Hintergrund halten, setzt Freddy die Worte pragmatisch in Taten um. Sein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, fehlende Vorbilder, fehlende Wertevermittlung und seine Wut, die er nicht in Schach halten kann, führen immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Alle seine Gefängnisstrafen verbüßt er wegen gewalttätigen Übergriffen. Dabei ist Freddy im Grund kein schlechter Kerl, denn letztlich wollte er es den anderen in seinem Streben nach Bestätigung immer nur recht machen oder helfen. Am Ende schämt er sich für seine Taten. – Hätte er eine andere Ausgangsbasis im Leben gehabt, wäre Vieles sicher ganz anders verlaufen.

Stefan Moster vergegenwärtigt in diesem Buch Politik, Revolten und Ideologien der achtziger Jahre. Mit seinem Protagonisten Freddy zeigt er treffend die Persönlichkeit eines im Leben Gescheiterten auf, der letztlich kaum eine Chance hatte, seine kriminelle Laufbahn zu umgehen. – Gelungen!

Stefan Moster: Alleingang.
mareverlag, Februar 2019.
368 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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