Robert Bloch: Psycho (1959)

Jeder kennt „Alfred Hitchcocks PSYCHO“ – den Film. Jeder Film hat ein Drehbuch, viele Drehbücher basieren auf einem Roman.  Sie haben Robert Blochs „Psycho“, erschienen 1959, noch nicht gelesen? Holen Sie es nach!

Der Thriller steigt direkt ein mit einer unheimlichen, verregneten Nacht: Norman Bates, ein verklemmter, unattraktiver Mann, leitet zusammen mit seiner Mutter ein abgelegenes Motel. Als sich durch lautes Klopfen scheinbar ein Gast ankündigt, erschreckt ihn das eher, als dass es ihn freut.

Kurz erhalten wir einen Einblick in sein absurdes Leben: Die allmächtige Mutter, das altmodische Haus, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und in dem Norman versucht, durch Bücher wie „Das Reich der Inka“ und psychologische Abhandlungen den Bezug zur Welt da draußen nicht zu verlieren. Er wehrt sich vergeblich gegen das Urteil seiner Mutter, die Bücher seien böse und schmutzig: „Psychologie ist nicht schmutzig, Mutter!“

Ohne es zu ahnen, wird bald die Angestellte Mary den Weg zu Normans Motel finden. Sie hat 40.00 Dollar gestohlen und ist auf dem Weg zu ihrem Liebhaber, um mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Sie schwankt zwischen Aufbruch-Stimmung und Angst und nach einem nervenzehrenden Roadtrip gelangt sie zum Motel.

Norman und Mary, beide erscheinen unendlich einsam, er, weil er nur noch seine alte, kranke Mutter hat, sie, weil sie ihr altes Leben hinter sich gelassen hat, essen zusammen und tauschen erst Belanglosigkeiten aus, dann wird die Unterhaltung tiefgründiger. Mary stellt Normans Beziehung zu seiner Mutter infrage, was ihn tief verunsichert.

In der Nacht beginnt Norman, Mary heimlich zu beobachten, er entpuppt sich als irrer Spanner, der eine Frau nicht zum ersten Mal durch ein Loch in der Wand beobachtet. Spätestens jetzt weicht das Mitleid für den seltsamen Mann dem Entsetzen.

Ich weiß gar nicht, ob man hier überhaupt spoilern kann, denn zumindest die nächste Szene kennt nun wirklich fast jeder, und wenn auch nur als Ausschnitt: Normans geistesgestörte, brutale Mutter tötet Mary unter der Dusche. Es folgt die Vertuschung der Tat durch Norman, die Suche nach Mary durch ihre Schwester, ihren Geliebten, einen Detektiv und später den Sheriff. Thriller wird zu Horror und sowohl Normas Geschichte als auch die seiner Mutter, die doch „nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tun kann“, wird aufgeblättert und in einem großartigen Finale erzählt.

Robert Bloch: Psycho (1959).
rororo, Mai 2014.
192 Seiten, Taschenbuch, 10,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Corinna Griesbach.

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