Philippe Sands: Die Rattenlinie

Ein Sachbuch, das so spannend ist wie ein Thriller, ist dem britisch-französischen Juristen und Schriftsteller Philippe Sands gelungen. In „Die Rattenlinie“ zeichnet er das Leben des Nazis Otto Wächter und seiner Frau Charlotte nach. Wächter war während des Zweiten Weltkriegs Gouverneur im besetzten Polen sowie in Galizien (heute Ukraine) und dort auch für Ermordung und Verschleppung von hunderttausenden Juden verantwortlich.

Nach dem Krieg setzte er sich nach Rom ab, um mit Hilfe eines katholischen Bischofs nach Argentinien zu fliehen. Dazu kam es nicht, weil Wächter 1949 nur 48-jährig überraschend starb.

​Es ist unglaublich, mit welcher Akribie und Detailgenauigkeit der 1960 geborene Autor diese Geschichte in acht Jahren recherchiert hat. Eine große Hilfe war ihm dabei Otto Wächters Sohn Horst, der noch immer bemüht ist, seinen Vater in einem positiveren Licht dastehen zu lassen. Auch diese Kontroversen zwischen Autor und Sohn hat Sands verarbeitet, was dem Text Würze gibt.

Im Grunde ist „Die Rattenlinie“ ein Sachbuch, das mit den stilistischen Mitteln des Romans erzählt ist, wozu auch Dialoge und ein Spannungsbogen gehören. Sogar eine Liebesgeschichte kommt vor, denn Ehefrau Charlotte ist dem Nazi-Massenmörder bis zu ihrem eigenen Tod 1985 treu ergeben. Unbedingt empfehlenswert!

Philippe Sands: Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht: Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit.
Fischer, November 2020.
544 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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