Michel Bergmann: Weinhebers Koffer

Die Geschichte fängt ein wenig an wie Michael Endes Unendliche. Ein junger deutscher Jude, namens Elias, findet (in unserer Gegenwart) bei einem Berliner Trödelhändler einen interessanten alten Lederkoffer mit den Initialen L.W.. Neugierig geworden, ertastet  er in einer Ritze dieses Lederfossils einen Brief, der ihn auf die Spuren eines gewissen Leonard Weinhebers führt. Er recherchiert und findet heraus, dass dieser Weinheber ein Schriftsteller und Künstler war, der 1939 vor den Nazis, quasi im letzten Augenblick, fliehen konnte. Er wollte Palästina erreichen, wo seine junge Geliebte sehnsüchtig schon auf ihn wartet. Er erreichte also Marseille um nach Jaffa in Israel zu gelangen. Danach wird es rätselhaft auch für Elias Ehrenwerth, denn außer diesem Koffer, scheint es kein Lebenszeichen mehr von Weinheber zu geben.

Elias fliegt schließlich nach Israel, um zumindest die Fährte aufzunehmen, die er in dem Brief gefunden zu haben glaubt. Er sucht also nach Weinhebers  Freundin und stößt in Kibbuzim und Seniorenresidenzen auf Bekannte  der Geliebten. Hier wird auch die zweite Ebene des Buches überaus interessant und lehrreich. Der Palästinakonflikt mit all den verzwickten Entwicklungen nach 1948. Die Ursache von Extremismus, Perspektivlosigkeit auf der einen und der ewige Kampf Israels um die vorgebliche Rechtlichkeit seiner Existenz. Ein gutes, leicht zu lesendes Buch, geschichtsträchtig und gleichzeitig von hoher Aktualität. Sehr empfehlenswert!

Michel Bergmann: Weinhebers Koffer.
dtv, Oktober 2016.
144 Seiten, Taschenbuch, 9,90 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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