Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Der Kleinkünstler und sein Mitbewohner, das kommunistische Känguru, sind zurück. Witzig und absurd wie gewohnt, spießen die beiden Klischees auf, geben ihre politische Meinung zum Besten und streiten sich darum, wer das Bad putzen muss. Sie stellen Zusammenhänge her, wo keine sind (oder wo zumindest kaum einer welche vermuten würde) und zitieren lässig aus der weltweiten Kulturgeschichte (von Batman und Starwars über die Bibel und Adam Smiths „Wohlstand der Nationen“ bis zum Wackeldackel und der Winkekatze).

Leserinnen und Leser lernen, dass man sich im Berliner Tiergarten verlaufen kann (und wie lebensbedrohlich das ist), dass beim Open-Schnick die Kettensäge die Giraffe schlägt und wie man Nazis (unter Mithilfe von Schnapspralinen mit unbekannten Zusatzstoffen) an die Wand quatscht. Wir erfahren, woher die Angst des Kleinkünstlers vor Handwerkern rührt und was sich so alles in Matratzen tummelt (Hypochonder seien gewarnt).

Immer wieder treffen wir Figuren aus den anderen Känguru-Bänden: Friedrich-Wilhelm, Otto-Von, Herta, Krapotke, sogar der Pinguin kommt kurz vor, wenn auch nicht persönlich. Dies und die Anspielungen auf die vorangegangenen Geschichte, werden es Neulingen im Känguru-Kosmos auch erschweren, mit diesem Buch einzusteigen. Hier sei empfohlen, bei den Känguru-Chroniken zu beginnen und sich bis zu den Apokryphen durchzulesen oder -zuhören.

Wer die Känguru-Geschichten aus Hörbüchern oder von Live-Auftritten kennt, wird mit dem ersten Satz des Buches Marc-Uwe Klings Stimme im Ohr haben, die fulminant zwischen den einzelnen Figuren hin- und herwechselt. Doch auch ohne Hörbuch ist der Lese-Spaß garantiert und die intellektuelle Herausforderung gewährleistet.

Die Apokryphen sind keine Fortsetzung der Känguru-Trilogie, eher eine Zugabe: Geschichten aus Live-Programmen, Anthologien oder der archäologischen Schublade des Kleinkünstlers in nicht-chronologischer Reihenfolge, dabei aber durchaus einem logischen Ablauf folgend.

Dem Klein- und Wortkünstler Marc-Uwe Kling ist wieder ein höchst unterhaltsames Buch gelungen – natürlich wurde er dabei unterstützt vom vorlauten, aber manchmal auch hilfreichen Känguru.

Am Ende frage ich mich, wie es mit dem Kleinkünstler und Maria weitergeht, ob ich in meinem Haushalt auch Arbeitsplätze für Praktikanten schaffen sollte und wie lange die SPD noch durchhält. Auch an das Ford-Selleck-Theorem werde ich sicher noch den ein oder anderen Gedanken verschwenden. Darauf ein paar Eierkuchen – mit Schnapspraline!

Mark-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen.
Ullstein, Oktober 2018.
208 Seiten, Taschenbuch, 9,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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