Liane Moriarty: Eine perfekte Familie

Joy hat sie und lebt sie: Die „perfekte Familie“ – und dem Leser ist klar, das kann nicht sein, das gibt es nicht, schon gar nicht in einem Roman mit diesem Titel.

Um Joy dreht sich alles in der Familie Delaney, ohne sie wäre ihr Mann nicht erfolgreich mit der gemeinsamen Tennisschule, um ihre Liebe kämpfen ihre vier erwachsenen Kinder, ihre Nähe sucht ein geheimnisvolles Mädchen, das sich bei den Delaneys einnistet – und sie ist es, die eines Tages spurlos verschwindet. Die Kinder vermissen sie zunächst nicht, ihr Leben ist mit Job, Partnern, Ex-Partnern und Krisen aufregend genug. Ihr Mann Stan bemerkt ihr Verschwinden sehr wohl, aber auch er unternimmt nichts.

Alle erhalten eine kryptische Nachricht von Joy auf ihren Handys, die eher beunruhigt als erklärt, wohin und warum Joy verschwunden ist, zumal das Handy, auf dem die Nachricht getippt wurde, unter dem Ehebett gefunden wird. Joys Fahrrad wird gefunden, Blut wird entdeckt, Stan wird verdächtigt und auch jenes mysteriöse Mädchen, das bei Joy und Stan untergekommen ist und besonders Joy ungewöhnlich nah war.

Die Polizei wird eingeschaltet und verdächtigt Stan, der beharrlich schweigt. Die geheimnisvolle Unbekannte wird gesucht, ihre Identität scheint ein Konstrukt zu sein. Jedes von Joys Kindern scheint eine andere Mutter zu beschreiben, nichts scheint die Polizei weiterzubringen.

Wir lernen auf 560 Seiten das gesamte Familienuniversum der Delaneys kennen, die junge Tennisbegabung Joy, die Ehefrau und Mutter wird, ihren Mann Stan, der für das Training seiner jungen Talente lebte und in dieser Hinsicht eine schwere Zurückweisung erfahren musste, die vier Kinder mit ihren unterschiedlichen Leben, Sorgen und Träumen.

Wir erfahren so viel und das in so geschickt portionierten Häppchen, dass es unmöglich ist, das Buch aus der Hand zu legen. Wir müssen wissen, ob Joy lebt, was geschehen ist.

Das Buch ist ein Familienroman und kein „Wer-hat-es-getan“ – Krimi, und so wird die Spannung nicht aus dem Fortgang der Ermittlung heraus gewonnen, sondern entsteht durch die Nähe zu jeder einzelnen Figur. Wir haben tatsächlich eine ganze Familie kennengelernt, während sie sich selbst neu kennenlernt: Ein perfekter Roman!

Liane Moriarty: Eine perfekte Familie.
Aus dem Englischen übersetzt von Lara Ingles.
Diana, März 2022.
560 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Corinna Griesbach.

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