Katya Apekina: Je tiefer das Wasser

Katya Apekina wurde in Moskau geboren. Sie arbeitet als Übersetzerin für russische Literatur und schreibt Drehbücher. Heute lebt sie in Los Angeles (USA) und „Je tiefer das Wasser“ ist ihr erster Roman. Die Originalausgabe wurde 2018 unter dem Titel „The Deeper the Water the Uglier the Fish“ veröffentlicht. Im Suhrkamp Verlag erscheint das Buch am 17. Februar 2020 in einer Übersetzung von Brigitte Jakobeit.

Ich hatte soeben Claire Lombardos großartige Familiengeschichte „Der größte Spaß, den wir je hatten“ ausgelesen, da liegt mir nun „Je tiefer das Wasser“ von Katya Apekina vor. Ebenfalls eine Familiengeschichte, aber eine der eher gruseligen Art. Was man als Lesende am Originaltitel („The Deeper the Water the Uglier the Fish“) eher erkennen kann als an dem  Titel der deutschen Ausgabe.

Die Schwestern Edith (Edie) und Mae, beide im Teenageralter, müssen nach dem Selbstmordversuch ihrer Mutter Marianne nach New York City zu ihrem Vater Dennis Lomack, einem berühmten Schriftsteller. Sie haben ihren Vater seit Jahren nicht gesehen und sind sich fremd. Während Mae die Zeit bei ihm genießt, will Edie nur wieder zurück zu ihrer Mutter, die in einem psychiatrischen Krankenhaus liegt. Irgendwann haut sie gemeinsam mit dem Nachbarn Charlie ab und fährt nach Hause. Mae ist nicht unglücklich über Edies Weggang und kommt ihrem Vater immer näher. Charlie „befreit“ Marianne aus dem Krankenhaus. Edie versucht, sie „gesundzupflegen“. Derweil übernimmt Mae in dem Leben ihres Vaters die Rolle, die ihre Mutter einst in der Beziehung spielte.

Am Ende verschwindet Marianne, Dennis heiratet, wird wieder Vater und die Schwestern versuchen, ihre Leben im Schatten ihrer Eltern in den Griff zu bekommen.

Katya Apekina erzählt die Geschichte aus den Perspektiven mehrerer Figuren, so dass nach und nach ein Bild der Familie entsteht. Und dieses Bild ist erschütternd. Der sehr viel ältere Dennis lernt Marianne als Kind kennen. Das Kind verliebt sich in den Mann. Und wird seine Muse. Mit ihr an der Seite wird er erfolgreich. Mariannes Talente dagegen verkümmern. Sie verlässt ihn mit den kleinen Töchtern Edie und Mae, die fortan den psychischen Defekten ihrer Mutter ausgeliefert sind. Edie schafft es eher, sich abzugrenzen. Mae nicht. Auch bei ihrem Vater nicht. Marianne und Dennis sind schlechte Eltern. Hierzulande würde man wohl von Kindeswohlgefährdung sprechen und die Kinder in Obhut nehmen. In Katya Apekinas Roman bleiben die Kinder bei den Eltern. Und werden für ihr ganzes Leben beschädigt. Auch das kann Familie anrichten.

„Je tiefer das Wasser“ ist keine angenehme Lektüre. Und soll es wohl auch nicht sein. Aber Apekinas Sprache berührt mich als Lesende nicht, so wie es das Thema eigentlich fordert. Ich empfinde sie konstruiert, unstimmig. Wie zum Beispiel die Textpassagen der durchgeknallten, aber scheinbar schöpferischen Mutter Marianne, in denen alle Wörter kleingeschrieben und Aufzählungen mit einem ‚&‘ verknüpft sind:

„wir hatten morgenmeditationen & nachmittagsgebete & abendmeditationen & nachtrituale. in der zwischenzeit arbeiteten wir auf der farm. wir bauten mangold an & spinat & grünkohl & blumenkohl & weißkohl. wir hatten einen apfelgarten & wir hielten schafe & bienen.“ (S. 369)

Obwohl Katya Apekina jede ihrer Figuren (und insbesondere ihre Protagonistinnen Edie und Mae) aus der Ich-Perspektive erzählen lässt, unterscheiden sie sich kaum im Ton. Es fehlt ihnen ihre individuelle Stimme und Sprache. Diese Gleichförmigkeit langweilt mich als Lesende. Und nimmt dem Roman die Kraft, die Wucht, die einer solchen (Familien-) Tragödie innewohnt.

Katya Apekina: Je tiefer das Wasser.
Suhrkamp Verlag, Februar 2020.
396 Seiten, Gebundene Ausgabe, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Sürder.

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