Jørn Lier Horst: Winterfest

Ove Bakkerud fährt zu seiner Hütte in Stavern, um sie winterfest zu machen. Den ganzen Sommer schon freut er sich darauf. Dies ist sein Wochenende. Doch er findet seine Hütte aufgebrochen vor, alle Zimmer sind verwüstet. Und auch in den Nachbarhütten scheint eingebrochen worden zu sein – in einer brennt sogar noch Licht. Aber statt den Einbrecher zu überraschen, entdeckt Bakkerud eine Leiche.

Kommissar Wisting nimmt die Ermittlungen auf. Dann regnet es plötzlich tote schwarze Vögel vom Himmel – und es gibt eine weitere Leiche…

Horst hat mit seinem Kommissar William Wisting einen sympathischen Ermittler geschaffen, einen Teamplayer und Familienmenschen. Und damit ein überaus angenehmes Gegenstück zu den oft eigenbrötlerischen, manchmal beinahe antisozialen Kommissaren, die wir sonst – vor allem auch von den skandinavischen Krimis – gewöhnt sind.

Die Geschichte ist ebenfalls klar und schnörkellos, ohne reißerische Details und übertriebene Actionszenen, was aber in keiner Weise bedeutet, dass die Story langweilig wäre. Horst schafft es gekonnt, die unterschiedlichen Erzählstränge zusammen zu führen. Und auch die eigentliche Nebenhandlung von den toten Vögeln, die man zunächst nicht so richtig einordnen kann, fügt sich am Ende auf plausible Weise in das Gesamtkonzept. Ein von Anfang bis Ende stringenter Plot, dem man anmerkt, dass der Autor weiß, wovon er schreibt.

Besonders gut gefallen hat mir der Ausflug nach Litauen. Hier wird es menschlich, wir verlassen für einen Moment die professionelle Ermittlungsarbeit und erhalten Einblick in die Gefühlswelt der Menschen, denen wir allzu oft nur puren Eigensinn und Raffgier unterstellen.

Mein erstes Buch von Horst, aber sicher nicht mein letztes.

Jørn Lier Horst, geboren 1970, arbeitete lange in leitender Stellung bei der norwegischen Kriminalpolizei, bevor er Schriftsteller wurde. 2004 erschien sein Debüt; seither ist er mit seiner Reihe um Kommissar William Wisting in die vorderste Reihe der norwegischen Krimiautoren aufgerückt. Für seine Werke erhielt er den Preis der norwegischen Buchhändler sowie den Riverton Prisen, den wichtigsten Krimipreis Norwegens, außerdem 2012 den Preis für den besten skandinavischen Kriminalroman des Jahres überhaupt.

Jørn Lier Horst: Winterfest.
Droemer, Dezember 2017.
368 Seiten, Taschenbuch, 10,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Nadine Roggow.

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.