Joakim Zander: Der Freund

Wenn Anschläge den Alltag zerbomben, dann können Polizisten und Geheimdienste für verängstigte Menschen nicht nur eine mentale Hilfe sein. Doch was passiert, wenn ein unbescholtener Bürger Terrorist genannt wird?

Der Schwede Jacob heißt eigentlich anders. Er will aufsteigen und im diplomatischen Dienst Karriere machen. Ausgerechnet in Beirut beginnt er während der Unruhen ein Praktikum. Als er sich auf einer Party in Yassim verliebt, beginnt nicht nur eine leidenschaftliche Beziehung. Er gerät auch in den Fokus der Geheimdienste. Sie nennen Yassim einen Terroristen und erpressen Jacob. Innerhalb kürzester Zeit gerät Jacobs Leben aus den Fugen. In seiner größten Not bittet er die schwedische Anwältin Gabriele Seichelmann telefonisch um Hilfe und zieht sowohl sie als auch deren Freundin Karla in den Abgrund. Denn jeder, der mit Jacob Kontakt hat, gerät unter Terrorverdacht.

Wer sich mit diversen Geheimdiensten gleichzeitig anlegt, kann eigentlich nicht gewinnen. Ob ein tödlicher Kugelhagel oder in einem Foltergefängnis vergessen zu werden, für Jacob und Karla scheint es keine andere Optionen zu geben.
Joakim Zander, geboren 1975 in Stockholm, hat über das streitlustige Frauenduo Karla und Gabriele schon zwei Bestseller geschrieben. Den ungleichen Kampf zwischen David und Goliath überträgt er auf die beiden Freundinnen, die für ihre Ideale vollen Einsatz zeigen und dafür bereits einen hohen Preis gezahlt haben. Der Verlust von ihr nahestehenden Menschen hat Karla aus der Bahn geworfen. Gabrieles plötzliche Verhaftung durch ein Sonderkommando zwingt sie, wieder stark zu sein. Ehe Karla begreift, worum es geht, gerät auch sie in das Katz- und Mausspiel diverser Geheimdienste.

In Zanders Thriller spielen Gut und Böse eher eine untergeordnete Rolle. Denn alle Geheimdienste arbeiten skrupellos, wenn es um die Jagd nach brisanten Informationen oder deren Vertuschung geht. Auf zwei Erzählebenen darf der Leser die Geschichte von Jacob und Klara miterleben. Im Vordergrund stehen ein schneller Handlungsablauf, viele Cliffhanger und die Gefühle der Wegfährten, die ihnen und mitunter dem Spannungsbogen im Weg stehen. Die Stärke des Thrillers ist in erster Linie seine Aktualität. Spionage und Gegenspionage als Wunderwaffe, um Terroristen zu bekämpfen, haben viele Nebenwirkungen. Joakim Zander zeigt ein paar von ihnen.

Joakim Zander: Der Freund.
Rowohlt, September 2017.
464 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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