Jennifer Estep: Elemental Assassin 09: Spinnenherz

Rache wird gemeinhin kalt genossen. Nicht so bei Gin Bianco, einstmals als Spinne in und um die Südstaatenmetropole Ashland als deren besten Auftragskillerin bekannt.

Sobald man aber die Menschen in ihrer direkten Umgebung, diejenigen, die sie als ihre Familie ansieht bedroht, dann ist echt Schluss mit lustig. Mit Mordanschlägen auf sie selbst kann sie umgehen, schließlich hat sie darin mehr als genug Erfahrung, seitdem sie Mab, die einstige Anführerin des organisierten Verbrechens in ihrer Heimatstadt gemeuchelt hat. Dann aber meint so ein Hinterwäldler, halb Zwerg, halb Riese zudem ein Feuerelementar ihre Kosmetikerin Jo-Jo, Ersatzmutter, Heilerin und starke Schulter zum Anlehnen und Ausheulen zu überfallen, anzuschließen und deren Schwester Sophia zu entführen.

Großer Fehler, sollte Grimes eigentlich wissen, hatte dieser vor Jahren doch Sophie schon einmal in seine Gewalt gebracht und gefoltert. Die Befreiungsaktion führte damals Fletcher, Gins Pflegevater aus, und eigentlich hätte Grimes sich glücklich schätzen sollen, noch den nächsten Tag zu erleben und gelernt haben, sich nie nicht mit Sophie und ihren Freunden anzulegen.

Doch einmal dummer Dickschädel, immer geistiger Tiefflieger – und so macht sich Gin unter tatkräftiger Mithilfe einiger Freunde auf, die Entführte aus ihrem Martyrium zu befreien – und dem Kidnapper eine ultimative Lektion zu erteilen … Auch im mittlerweile neunten Band ihrer Erfolgsserie um die Elemental Assissins bleibt Estep sich selbst treu. Geschickt mischt sie interessante Figuren mit einer actionreichen Handlung, streut dazu ihre ganz eigene Magie bei und schildert einmal mehr den gerechten Kampf der Ex-Killerin gegen einen fiesen Psychopathen.

So muss moderne Urban Fantasy sein. Rasant erzählt, in der Anlage her mit Eigenheiten trumpfend und mit einer winzigen Prise Romantik gewürzt.

Boten die letzten Titel fast ein wenig zu viel an eben jener Romantik und emotionalen Verwerfungen, so konzentriert sich die Autorin dieses Mal fast komplett auf ihren packenden, dramatischen Plot. Und geboten wird, was auch cineastisch gut funktionieren würde. Jede Menge Action, Kämpfe, widerliche Gegner – die herrlich gelungene Persiflage auf den Redneck sei hier besonders erwähnt – die alles verdient haben, was ihnen durch und mittels unserer Gin droht und Cliffhanger am laufenden Band. Immer wieder gerät unsere Heldin in ausweglose Situationen, aus denen ein Entkommen eigentlich unmöglich sein sollte. Doch, wie wir dies von Gin gewohnt sind, findet sie ein ums andere Mal einen Ausweg, und wenn es nur ihre Sturheit ist, die sie nicht aufgeben, nicht sterben lässt.

Das hat mit Realismus nichts zu tun, unterhält uns aber mit besten Kopf-Kino wunderbar kurzweilig. So werden die Fans der Spinne einmal mehr das Buch befriedigt zuklappen, und ungeduldig auf den nächsten, bereits angekündigten Band warten – denn, Fortsetzung folgt.

Jennifer Estep: Elemental Assassin 09: Spinnenherz.
Piper, März 2018.
384 Seiten, Taschenbuch, 13,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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