Jamie Sawyer: Das Lazarus-Spiel

Willkommen im dritten und letzten Teil einer großen intergalaktischen Liebesgeschichte. Moment, da reiben sie sich überrascht die Augen – sollte die Lazarus Trilogie nicht eigentlich lupenreine Military-SF mit jeder Menge Gefahr, Exotik, Kampf und nicht zuletzt Tod sein? Die Antwort lautet wie immer so treffend, ja, aber …

Schauen wir uns zunächst die Grundsituation an. Zwei menschliche Blöcke, das Asiatische Direktorat und die westliche Allianz haben das All koloniert, stehen einander aber misstrauisch, feindlich bis hin zu kriegerisch gegenüber. Mit der Fremdrasse der Krell in ihren biologischen Raumschiffen und mit entsprechenden Waffen führt die Menschheit seit Jahrzehnten einen verlustreichen, ja desaströsen Krieg, den sie rapide zu verlieren droht. Einzig dem Einsatz von Sims, geklonten Kämpfernkörpern in die der Geist der Soldaten transferiert wird, ist es zu verdanken, dass die Menschheit bis dato überlebt hat. Sobald die Soldaten sterben, wacht ihr Bewusstsein in ihrem natürlichen Körper wieder auf.

Die Lazarus Legion, das bekannteste und effektivste Sim-Team, hat mehr als einhundert Einsätze und damit Tode hinter sich. Sie haben die Relikte der Tönernen, einer verschollenen Hochkultur die vor Äonen die Krell bekämpft und besiegt hat erforscht, und wichtige Informationen gesichert. Ihr Anführer Oberst Harris aber ist auf der Suche nach etwas ganz Anderen.

Die Endeavour, ein Expeditionsschiff, wurde vor Jahren zu den Heimatwelten der Krell entsandt, um Friedensverhandlungen zu führen. Seitdem ist das Raumschiff, und mit diesem Harris´ Geliebte, verschollen. Harris weigert sich zu akzeptieren, dass die Liebe seines Lebens tot sein soll. Er verfolgt die wenigen Spuren von Elena gegen alle Widerstände und Gefahren die ihn und seine Kameraden zur Heimatwelt der Krell führen …

Drei Bände rund um den Krieg mit den Krell, den Auseinandersetzungen mit Verrätern und Asiatischen Kampfklonen und der Suche nach der verschollenen Endeavour liegen hinter mir. Die Lektüre bot sich dabei, über alle drei Titel hinweg, als durchaus spannend und actionreich an.

Man muss dem Autor zugute halten, dass er, obzwar er die Grundidee des Bewusstseinstransfers nach dem Tod von seinem Kollegen Richard Morgan geklaut hat, packende Kämpfe und faszinierende Aliens zu beschreiben wusste. Allerdings hat er es vorliegend gar ein wenig zu sehr mit dem Helferlein Zufall übertrieben.

Da stößt unser verliebter Söldner doch tatsächlich in den unermesslichen Weiten des Alls immer wieder auf Spuren seiner Frau, ja er findet die Endeavour – und wer hat dort scheinbar als Einziger der Besetzung in einer Kältekammer überlebt …? Ich will hier nicht zu viel verraten, aber auch diese Spur erweist sich letztlich einmal wieder, aller Tragik zum Trotz, nur als weiterer Wegweiser.

Lässt man die Wahrscheinlichkeitsrechnung einmal außen vor, so erwartet den Leser einmal mehr das, was er in den Büchern um die Lazarus Legion sucht – viele packend und rasant geschilderte Kämpfe gegen die Krell in ihren Bioraumschiffen, gegen die Asiatischen Verräter und dazu die Beschreibung einer fremden Welt. Allerdings erfahren wir über diese wenig, bleibt sie als Kulisse eher unbefriedigend. Labyrinthartig, überbrodelndes Grün gespickt mit giftgelben und roten Flecken, so wird der Planet beschrieben, nach der Landung erfahren wir wenig mehr. Hier hätte der Autor eigentlich mehr aus der faszinierenden Kulisse machen müssen.

Auch die Krell, Wesen, die das All auf lebenden Raumschiffen durchstreifen, die eine Schwarmintelligenz besitzen und immer neue Kämpfer evolutionär entwickeln – das hat als Idee Potential, wird aber letztlich zu wenig beschrieben und genutzt. Zu sehr konzentriert sich Sawyer auf das Schicksal seines Protagonisten, auf die Kämpfe und Entdeckungen.

Das ist zwar spannend, aber es hätte weit mehr sein können. Ein klarer Fall von Potential verschenkt, auch wenn die Handlung den Leser zu fesseln weiß.

Jamie Sawyer: Das Lazarus-Spiel.
Heyne, April 2017.
608 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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