Ilja Albrecht: Kalter Zorn

Kalter Zorn von Ilja AlbrechtNach „Sibirischer Wind“ legt Ilja Albrecht die Fortsetzung „Kalter Zorn“ um das Ermittlerduo Kiran Mendelsohn und Bolko Blohm vor.
In der Nähe von Xanten wird eine Leiche gefunden, es ist die amerikanische Austauschschülerin Patricia Masterson. Sie wurde bestialisch gefoltert und dann ermordet.
Gemeinsam mit dem FBI ermitteln die Deutschen, zunächst wird der Täter in Amerika vermutet, später gibt es eine Spur in Deutschland.
Weitere, ähnliche Morde, die offenbar ritualisiert ausgeführt werden, folgen.
Im Mittelpunkt des Krimis steht die Polizeiarbeit, die Ermittlungsmethoden in Deutschland und Amerika, es gibt einen Rückblick auf Mendelsohns Ausbildung beim FBI und eine stimmungsvolle Episode, in der er auf seinen ehemaligen Ausbilder trifft. Mendelsohn hat bei seiner Abschlussprüfung einen Kollegen getötet, ein Erlebnis, das ihn verfolgt und ihm Schuldgefühle bereitet. Diesem Vorfall muss er sich nun stellen.
Im Gegensatz zu den Ermittlerfiguren sind Opfer und Täter nicht sehr individuell gezeichnet, die Suche nach dem Täter steht wie gesagt im Vordergrund.
Wer genau liest, findet relativ zu Anfang des Romans einen Hinweis, den Mendelsohn und sein Team übersehen, das ist natürlich schade – oder kann als spannend empfunden werden. Die Aufklärung gelingt dann rasch und ist nicht gerade spannungsgeladen.
Interessant ist die Beziehung zwischen Täter und Ermittler: Der Mörder kontaktiert die Ermittler via Internet-Chat und führt die Ermittler zeitweise in die Irre.
Zum Schluss werden die Entwicklung des Täters und die Hintergründe der Tat beleuchtet, was das Buch jedoch nicht zum psychologischen Thriller macht.
Kalter Zorn ist ein klassischer Ermittler-Krimi und unterhält angenehm.

Ilja Albrecht: Kalter Zorn.
Blanvalet, November 2015.
320 Seiten, Taschenbuch, 8,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Corinna Griesbach.

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Ein Kommentar zu “Ilja Albrecht: Kalter Zorn

  1. Hm,
    also wenn schon rezensieren, dann bitte doch etwas fundierter:

    Der Hinweis, den die Ermittler „übersehen“, ist eine Szene zu Anfang, in der die Ermittler nicht vorkommen (da sie vor dem ersten Mord geschieht), ihn also erst gar nicht „sehen oder übersehen“ können. Jegliche weiteren Hinweise sind, wie in allen Ermittlungen, Auslegungssache und Risiko des Profilings. Ich empfinde das daher nicht als „schade“, vielmehr als realistisch.
    Opfer und später Täter werden im Laufe der Ermittlungen nicht nur mehr als nur durchleuchtet, sondern vor allem menschlich entlarvt. Inwieweit das nicht „individuell gezeichnet“ sein soll, entzieht sich meinen Verständnis.
    Die Sequenz am Ende des Buches beleuchtet Täter und dessen Geschichte. Warum eine solche Sequenz das Ziel haben soll, den Krimi automatisch zum psychologischen Thriller umzufunktionieren, ist mir ebenfalls schleierhaft.

    Normalerweise kommentiere ich keine Rezensionen (denn die und die zugrundeliegende Interpretation des Werks sind natürliches Vorrecht des Lesers), aber da mir als Krimi-Autor auch niemals einfallen würde, die Werke von Kollegen zu kritisieren, mache ich hier mal eine Ausnahme.

    Liebe Grüße aus Malta
    Ilja Albrecht

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