Horst Eckert: Im Namen der Lüge

Im Schatten der Coronakrise ist es wichtig, die Welt ringsherum im Auge zu behalten. Vielleicht gibt es ja auch mal wieder Zeiten, in denen wir uns wieder um andere Probleme kümmern müssen. Vor allem darum, all die „Notstandsgesetze“ die uns jetzt so bitter aufstoßen, sie aber zähneknirschend über uns ergehen lassen müssen, wieder in eine demokratische Wanne zu legen. Sonst hat uns das Virus nicht nur eine Menge Menschenleben gekostet, sondern auch, na ja sagen wir mal pathetisch, unsere Freiheit! Für diesen Fall wird man durch das vorliegende Buch von Horst Eckert bestens vorbereitet.

Das Virus heißt in diesem Fall „Nationalismus“ in Form von Seilschaften, die von dort ausgehen, die eigentlich unsere freiheitliche Grundordnung schützen sollte: vom Verfassungsschutz. Im Laufe der Existenz dieser dubiosen Organisation, sind immer mal wieder – und das nicht erst seit diesem unsäglichen Hans-Georg Maaßen – Sachen ans Licht der Öffentlichkeit gekommen, die so unglaublich wie wahr waren. Ausgehend von dem leicht populistisch geprägten Spruch „auf dem rechten Auge blind“ entwirft Horst Eckert hier ein beängstigend reales Szenario, in dem bis in die sogenannten „höchsten Kreise“ Politiker und Kriminalbeamte verstrickt sind. Dabei kommen wir ganz nebenbei auf weit zurückliegende Attentate in der RAF Geschichte zurück, die aus heutiger Sicht eindeutig vom Verfassungsschutz selbst initiiert wurden und durch ein tief in die Szene verstricktes Spitzeltum erst möglich wurden. NSU und Lübcke werden ebenso gestreift wie die Reichsbürger, die Identitären und sonstige hirnkranke aber gefährliche Ausbauorganisationen, die nur darauf warten, dass die völkische Idee wieder mal die Machtfrage in unserem Land stellt.

Der „Roman“ ist spannend und glaubhaft erzählt, exzellent recherchiert und die Figuren, bis auf Melia, die Hauptperson, nicht wirklich überzogen dargestellt. Dass sie zur Heldin wird oder werden muss, ist eben so was wie der rote Faden. Das Buch ist einmal mehr ein Beweis, dass man nie nachlassen darf, Behörden wie Geheimdienste und den Verfassungsschutz nie aus den Augen zu verlieren. Die bauen sich dann eine eigene Vorstellung von der Welt, in der keiner leben möchte. Sehr empfehlenswert.

Horst Eckert: Im Namen der Lüge.
Heyne, März 2020.
576 Seiten, Taschenbuch, 12,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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