Gunnar Kaiser: Unter der Haut

Tja, ich kann mich nicht in den Reigen der Lobhudeleien einreihen, sagen wir, ich bin eher frustriert. Aber fangen wir mal mit dem an, was mich so unberührt lässt, und das „Berührtsein“  sollte ja der Sinn einer guten Geschichte sein. Ich konstruiere mal folgendes Szenario: treffen sich zu einem geheimnisvollen literarischen Zirkel folgende Weltbestseller in Persona: Michael Köhlmeier (z.B. Joel Spazierer), Carlos Ruiz Zafón (Der Schatten des Windes), Christoph Ransmayr (Die letzte Welt, Cox oder der Lauf der Zeit) und Umberto Eco (Der Name der Rose). Erwarten könnte man noch Patrick Süskind, als Experte für pathologische Sucht nach Erfüllung und Philip Roth und/oder Paul Auster für die Schattenseiten von New York.

Der kleine Gunnar Kaiser sitzt unter dem Tisch, wenig beachtet von dem illustren Kreis, und notiert sich heimlich die Stichworte der Herren Monsterliteraten, die den Roman der Romane diskutieren. Inhalt:  das Buch als Gesamtkunstwerk, als quasi göttliches Wesen, von außerirdischer Schönheit, unbezahlbar und deshalb von unbezähmbarer Gier gejagt. Nicht nur das Wort zählt, der Einband ist genauso entscheidend. Tja und leider fängt Gunnar dann tatsächlich an, diesen Roman zu schreiben, den die oben genannten (fast-) Nobelpreisträger, sicher nicht so geschrieben hätten – mal vorsichtig gesagt. Was mir Gunnar Kaiser vermittelt, ist folgendes: ich weiß nichts. Ich kleiner literarisch, philosophisch interessierter Mensch, werde hier geistig zertreten. Zugetextet von einem unglaublich enzyklopädischen Weltwissen der Literaturgeschichte. Muss ich mir das bieten lassen? Nein, denn wenn man mal den Roman von Sprachstil, Wucht und Atmosphären, befreit, bleibt am Ende des Tages eine Rippergeschichte (Hier „Skinner“ weil es geht ja „Unter der Haut“ weiter). Psychopathologischer Mordwahn, um eine im Grunde nicht erfüllbare Sucht zu befriedigen. Und da alles im geheimnisvollen Dunkeln bleiben muss, passiert auch das meiste genau dort!

Langsam durchschaut von unserem wackeren, aber immer schwankenden jungen Jonathan Rosen, der im Banne von Josef Eisenstein, um den sich hier alles dreht, die entsetzliche Wahrheit erfährt. Vom Leser allerdings schon früh erahnt. Die Krankheit nennt man wohl in diesem Fall Bibliophobie, also um frei von jeder Empathie rumzumorden, um ein Ziel (z.B. hier das Buch der Bücher) zu erreichen! Und derlei Themen kennen wir aus der Literaturgeschichte schon genügend, nur besser. Und nicht so aufgeblasen und ich hasse es, wenn man mir mit akademischen Titeln  Wissenssammlungen um die Ohren haut.

Gunnar Kaiser: Unter der Haut.
Berlin Verlag, März 2018.
528 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

 

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