Caroline Eriksson: Die Beobachterin

Die Icherzählerin Elena ist Autorin. Seit kurzem lebt sie von ihrem Mann getrennt in einem Haus, in dem sie sich nicht zu Hause fühlt. Ihre Schwester hat ihr diese vorübergehende Bleibe vermittelt. Aber es ist nicht nur das Haus, in dem Elena sich fremd fühlt. Mehr noch scheint Elena sich selbst eine Fremde zu sein. Mit fortschreitendem Text wird klar, dass sie unter autoaggressiven Störungen leidet, die nun, da ihr Ehemann Peter ihr Vertrauen zerstört hat, von neuem aufbrechen.

Im Haus gegenüber wohnt eine Familie, die Elenas Blicke über den Innenhof durchs Fenster immer häufiger auf sich zieht. Je öfter Elena das Ehepaar und deren Sohn beobachtet, desto mehr glaubt sie zu wissen, dass sich dort drüben bald ein schreckliches Drama abspielen wird. Leo, der Sohn der Familie, der Kontakt zu Elena knüpft, bestärkt alle Befürchtungen und beeinflusst ihre Eindrücke zunehmend.

Elena verliert immer mehr den Boden zur Realität, projiziert Handlungen und Verhalten des Nachbarpaares auf sich und die eigene Vergangenheit und interpretiert so das Geschehen gegenüber nach ihren subjektiven Auslegungen. Gleichzeitig klinkt sie sich aus der Realität aus, indem sie nur noch in und für ihren Text lebt, an dem sie Tage und Nächte arbeitet. Einzig Elenas Schwester ist eine sichere Verbindung mit Bodenhaftung. Alles nimmt obsessive Ausmaße an, die die Verwirrung nähren, weil alles stimmig zu sein scheint.

Realität und Imagination verschwimmen. Auch die LeserInnen stecken mittendrin, können nicht mehr unterscheiden und lassen sich von Elena und ihrer ausufernden, aber gut nachvollziehbaren Fantasie mitziehen.

Der Plot schaukelt sich hoch, indem die Autorin mit drei Erzählsträngen arbeitet: Elena, der Ehemann und kursiv gehaltene Abschnitte wechseln sich ab.

Caroline Eriksson: Die Beobachterin.
Penguin Verlag, November 2018.
400 Seiten, Taschenbuch, 13,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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