Bernhard Hennen & Robert Corvus: Die Phileasson-Saga 02: Himmelsturm

Die Phileasson Saga - Himmelsturm von Bernhard HennenEin Gottesurteil soll es bestimmen, wer denn den Ehrentitel „König der Meere“ verdient tragen darf. Wird es der Foggwulf Asleif Phileasson oder Beorn Asgrimmson, genannt Beorn der Blender sein, der die Umrundung des Aventurischen Kontinents und die Bewältigung von zwölf Questen für sich entscheiden kann? Die Zeit und die Abenteuer werden es weisen. Nachdem sie die erste Aufgabe, die Gefangennahme eines Mammuts gemeistert haben, machen sich die beiden Kapitäne mit ihrer Besatzung auf, den legendären Himmelsturm im ewigen Eis den Nordens zu suchen. Zwar ist es ihnen verboten, den Konkurrenten umzubringen, doch ärgern und schaden dürfen sie einander. Während der Foggwulf sich ganz seiner Ehre verpflichtet auf die Lösung des Queste konzentriert, nehmen Beorns Mannen die Crew des Konkurrenten ins Visier, reizen die Seefahrer und suche rücksichtslos nach Schätzen. Am Himmelturm angekommen, machen beide Expeditionen sich auf getrennten Wegen an die Aufklärung der Mysterien. Tief im Inneren des Turmes stoßen sie dabei auf Jahrtausende alte elfische Relikte, Geister und Magie, die ihr Leben weit interessanter gestalten, als sie es sich erhofft haben – und sie machen die Bekanntschaft einer Magierin, die seit Jahrtausenden versucht, sich selbst zur Göttin zu erheben – koste es, was es wolle …

In den 80er Jahren machte ich das erste Mal die Bekanntschaft von Aventurien, einem Kontinent, den sich einige findige Köpfe, unter ihnen Ulrich Kiesow und Werner Fuchs, für ihre Rollenspiel-Kampagnen ausgedacht hatten. Kurz vorher schwappte die Welle der Fantasy-Rollenspiele in der Folge von D & D aus den USA kommend auch über Deutschland herein, erste Kampagnen wurden ausgedacht, ein Brettspiel und Romanadaptionen folgten bis man mit FanPro gar einen Verlag gründete, der hauptsächlich Titel um Aventurien, oder sollte ich besser sagen „Das schwarze Auge (DSA)“ in seinem Programm hatte. Über die Jahre erschienen auch bei Heyne immer wieder entsprechende Romane, die gängige Fantasy-Geschichten bekannter und neuer Autoren in und um Aventurien und DSA zum Inhalt hatten – Hans-Joachim Alpers Piratentrilogie und Karl Heinz Witzkos Westwärts Geschuppte sind hier unvergessen. Mittlerweile liegen die meisten Rechte wohl bei Ulyssis Spiele, doch auch Heyne konnte sich für ein neues Projekt erwärmen.

Zwei der erfahrensten Fantasy-Autoren deutscher Zunge kombinierten ihre Kräfte um uns die Romanadaption einer der interessantesten Spielkampagnen der letzten Jahre zu präsentieren. Wir kennen Bernhard Hennen nicht nur von seinen DSA-Romanen, seinem Gezeitenwelt-Roman (Piper) und den Elfen-Bestsellern (Heyne), es ist auch bekannt, dass er seit Jahren begeisterter Rollenspieler und Fan des DSA ist. Robert Corvus schreibt bei Perry Rhodan mit, und hat bei Piper mit seiner Dark Fantasy-Schattenherren-Reihe für weitere Aufmerksamkeit gesorgt. Nun haben sie sich eine der erfolgreichsten Kampagnen vorgenommen und wollen diese auf vermutlich zwölf Romane – immerhin gilt es über zwölf Questen zu berichten – verteilt erzählen.

Nach einem etwas nun nennen wir es zögerlichem Auftakt, geht es vorliegend munter hinein ins Abenteuer. Und, wie wir dies von einem Roman, der einer Rollenspielkampagne folgt auch erwarten, es gibt so einige Abenteuer zu bestehen. Anders, als noch im Auftaktband haben sich die Gefährten gefunden, sind die mehr oder minder bekannten Rollen besetzt. Immer noch aber bleibt die Rivalität der beiden Kapitäne ein wenig undeutlich, wird die Abneigung der Beiden zueinander nicht wirklich erklärt. Dafür erwartet uns, nach einem Prolog, der wie im ersten Band der Reihe wieder sehr interessant wirkt, ein Ausflug in die Geschichte der Elfen. Über die Relikte, die Geister und Überreste im Himmelturm beleuchten die Autoren das alte Volk, ihren Drang nach Wissen der letztlich dann zur Schaffung der Dunkelelfen führte.

Geschickt lassen Corvus und Hennen ihre Helden nach und nach auf Geister und Überlebende stoßen, über und mit denen sie dann die geschichtlichen Ereignisse aufarbeiten. Dabei nutzen sie die bekannten Wesenszüge der Spitzohren ebenso, wie sie ihrer Handlung Eigenheiten beigeben. Insbesondere in den die Expeditionen begleitenden Magier und Seher bieten sie den Lesern geheimnisvolle und damit interessante Figuren an. Während die Streiter mit Schwert, Bogen uwolfnd Streitaxt in der Hand recht gewohnt daherkommen, sind es diese Gestalten, die für die unabdingbaren Geheimnisse im Plot stehen. Das Tempo ist hoch, der Handlungsbogen straff, die Spannung allzeit vorhanden – ein packender Roman, der uns gespannt auf den nächsten Teil unter dem Titel „Die Wölfin“ warten lässt.

Bernhard Hennen & Robert Corvus: Die Phileasson-Saga 02: Himmelsturm.
Heyne, August 2016.
480 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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