Arun Gandhi: Wut ist ein Geschenk

Es ist so eine Art Buch, welches man nach der Lektüre sinnend zur Seite legt und sagt: ja! Wie recht hat der Mann, bzw. wie recht hatte (bzw. hat) Mahatma Gandhi.

Wir lesen die Aufzeichnung eines Enkels des Mahatmas (sagt man das so? Nun fix gegoogelt und schon weiß ich folgendes: er hieß eigentlich: Mohandas Karamchand Gandhi und Mahatma ist eine Ehrentitel), eben Arun Gandhi, der zwei Jahre als Heranwachsender im Ashram seines Großvaters gelebt hat und nun die Lehren von Gandhi in 11 Lektionen aufbereitet, plus Vor- und Nachwort! Und was dabei herausgekommen ist, macht einen echt demütig. Es ist auch eine Art Geschichtskunde, denn der Mahatma hat viele gewaltfreie Aktionen inszeniert, wie z.B. den Salzmarsch, der sich gegen den britischen Kolonialismus richtete und zur Unabhängigkeit Indiens führte. Ich will hier gar nicht die Vita von Mahatma Gandhi nacherzählen, die steht ja im Buch, es gibt eine, oder es gibt die wichtigste Komponente, über die sich nachzudenken lohnt: was macht das mit mir!?

Dabei kann man banal losziehen und sagen, die fünf Fundamente der Lehren des Meisters (Respekt, Verständnis, Akzeptanz, Wertschätzung, Mitgefühl) sollten doch auch meine Grundlagen für meine Existenz und die der anderen Bewohner dieses Planeten sein. Und hier beginnt die Crux: ich spüre, fühle, sehe überall genau die gegenteilige Entwicklung. Alleine die „Flüchtlingskrise“ und die daraus resultierende haarsträubende Dämlichkeit von vielen Politikern und Mitmenschen in der Einschätzung dieses Dramas. Die Verblödung durch Medien, der Müll in den Meeren, die Klimaveränderung, die Abgrenzung, bzw. Nationalismus, und nicht zuletzt die Religionen mit ihren psychopathologischen Katastrophen in den Hirnen der sogenannten reinen Lehre und was weiß ich alles. Was hätte Gandhi uns heute zu sagen? Ich glaube, er würde nichts anderes tun als das, was er schon immer gemacht hat: mit Stock und Umhang umhergehen und Gewaltlosigkeit demonstrieren. Er war gar nicht religiös. Eher spirituell meditativ unterwegs. Und wenn er mal was von Religionen brauchte, so nahm er sich das von den jeweiligen Lehren was in seine Gedanken passte, und baute das in seine Lehren ein.

Arun Gandhi versucht die Ansichten und das Wirken seines Großvaters in die heutige Zeit zu retten. In die Zeiten Putins, Trumps und Erdogans. Er betreibt ein Institut in den USA und ist ein gefragter Referent. Und er wird immer viel Beifall bekommen. Genau wie dieses Buch. Und ich frage mich, wie so oft in dieser Zeit, was tun? Erich Kästner sagte mal: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Michael Schmidt- Salomon fasst in seinem „Manifest des evolutionären Humanismus“ zusammen: „Es gibt immer eine richtige Seite“. Das heißt, eigentlich sind diese Verhalten gar nicht so schwer, wenn man immer nachdenkt, was man gerade tut, wofür es gut ist und was für eine Nachhaltigkeit das hat. Und ob man am Leben noch Freude hat: Gandhi sagt dazu: „Freude liegt im Kampf, im Wagnis, in der Leidenschaft, nicht im Siegen“. Auf geht’s, Freunde!

Arun Gandhi: Wut ist ein Geschenk: Das Vermächtnis  meines Großvaters Mahatma Gandhi.
DuMont Buchverlag, Juni 2017.
224 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.

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