Arthur Machen: Die drei Häscher (1895)

Arthur Machen gehört zu den, zumindest im Deutschen Sprachraum, unbekanntesten klassischen Phantastik-Autoren. Einzelne Bücher von ihm erschienen in der Bibliothek von Babel (Edition Weitbrecht), bei Suhrkamp und JMB sowie, 1993/1994 publiziert, eine sechsteilige Werksausgabe bei Piper.

Letztere, von Joachim Kalka damals kongenial ins Deutsche übertragene Edition dient als  Grundlage für die längst überfällige Neuedition, die der Elfenbein Verlag nun in drei Jahren schultert. Joachim Kalka steuert neben den Übersetzungen auch bislang unveröffentlichter Texte jeweils ein informatives Nachwort bei, das die Erzählung einordnet und uns den Verfasser näher bringt.

Vorliegend, bei Piper unter „Botschafter des Bösen“ veröffentlicht und nun um eine inhaltlich wunderbar passende Erzählung ergänzt, erwartet den Leser ein als Roman titulierter Text. In eine lose und eigentlich recht uninteressante Rahmenhandlung hat der Autor dabei diverse Erzählungen zusammengefasst und berichtet uns von einer klassischen Goldmünze, die ihrem jeweiligen Besitzer nicht unbedingt Glück und langes Leben verschafft, von einem britischen Gentleman im Wilden Westen, der beinahe massakriert wird, von einem Professor, der dem alten Volk, besser bekannt unter dem Begriff Elf auf der Spur ist und von einem Mann, der um sein medizinisches Leiden zu kurieren, unbeabsichtigt ein Höllengebräu zu sich nimmt …

Arthur Machen bietet in diesem Band schon einen Vorgeschmack auf das, was ihn bekannt und berühmt macht – seine Fähigkeit, uns einen Plot zu präsentieren, der zunächst ganz im Hier und Jetzt (zur Zeit der Entstehung versteht sich) ruht, dann ins Übernatürliche abgleitet.

Auf dem Weg begegnen uns Figuren, die in kurzen, aber sehr treffenden Passagen charakterisiert werden, deren Ratio scheinbar felsenfest gefügt ist und denen das Mysteriöse widerfährt. Gerade weil sie rational denkende Bürger sind, wirkt das Übernatürliche, dem sie dann begegnen, um so furchteinflößender auf sie und damit auf den Leser. Dabei nutzt der Autor ein weites Spektrum von Figuren – zwar gehören sie alle dem – mehr oder minder verarmten – Bildungsbürgertum an, rekrutieren sich aber aus allen Altersgruppen und, das ist bemerkenswert, auch Frauen nehmen eine durchaus tragende Rolle ein. Das sind keine Heimchen am Herd, die sich nur um das Haus und die Kinder kümmern dürfen, das sind intelligente Frauen, die, zwar noch in zweiter Reihe, ihren Auftraggeber / Dienstherren unterstützen, dies aber auf durchaus emanzipierte Art und Weise.

Äußerlich kommt uns die Ausgabe des Elfenbein Verlags, für die es eine Gesamtausgabe mit Subskriptionsrabatt gibt, mustergültig daher. Das kleinoktave Format liegt angenehm in der Hand, der Druck wie das Lektorat sind mustergültig, Fadenheftung und Lesebändchen erfreuen des bibliophilen Lesers Herz.

Arthur Machen: Die drei Häscher (1895).
Elfenbein, Juli 2019.
232 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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